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Neues Verfahren für die Kampfmittelräumung

Kampfmittelräumung : Mit Neutronenbeschuss auf Blindgängersuche in Hoven

Wenn bei Bauvorhaben nach Kampfmitteln aus dem Zweiten Weltkrieg im Boden gesucht wird, geschieht das in erster Linie mit geomagnetischen Verfahren. Dabei wird jedoch nur Eisen im Boden aufgespürt, nicht der eigentlich gesuchte Sprengstoff.

Mit dem Einsatz von Neutronenstrahlung könnte sich das in Zukunft ändern. Es ist gut ein Jahr her: Bei Bauarbeiten wurde unter der A1 im Bereich der Leverkusener Brücke ein Bombenblindgänger vermutet. Drei Tage lang blieb die Autobahn gesperrt, der Verkehr musste weite Umwege in Kauf nehmen, bis sich schlussendlich das vermeintliche Weltkriegsrelikt als verrostete Eisenstange entpuppte. Fälle wie diesen gibt es immer wieder, weiß Jürgen Plum, Geschäftsführer des Kampfmittelräumers P-H-Röhll NRW, aus Erfahrung, denn mit den herkömmlichen geomagnetischen Verfahren kann nicht immer ausgeschlossen werden, dass es sich bei einem vermuteten Blindgänger nur um Metallschrott handelt.

„Was wir mit den heutigen Techniken finden ist Eisen, was wir aber suchen ist Sprengstoff“, betont Plum. Dann werden die gleichen Mechanismen in Gang gesetzt, wie bei den rund 5500 echten Weltkriegswaffen, die Jahr für Jahr in Deutschland geortet, freigelegt und entschärft werden. Nicht selten müssen Straßen und Bahnstrecken gesperrt, Wohngebiete evakuiert werden, zuletzt in Gey und Echtz. Um die Suche nach den gefährlichen Zeitzeugen zu erleichtern und Kosten zu senken, entwickelt das in Hoven ansässige Unternehmen P-H-Röhll derzeit in Kooperation mit der Firma AiNT aus Stolberg und dem Campus Jülich der FH Aachen ein neues Verfahren, mit dem explosive Stoffe berührungsfrei auch tief im Boden geortet werden können.

Es trägt den Namen „SoNDEx“ (Sondierung mit Neutronen zur Detektion von Explosivstoffen) und wird vom Bundesbildungs- und Forschungsministerium mit rund einer Million Euro gefördert. Einen Förderanteil von gut 300.000 Euro übergab Staatssekretär Thomas Rachel (CDU, MdB) am Montag an Jürgen Plum. „Bombenfunde können mit der neuen Technik leichter erfasst und sicherer bewältigt werden. Wir wollen weniger Risiken für die Einsatzkräfte, weniger Evakuierungen und eine geringere Belastung für die Anwohner“, betonte Rachel.

„SoNDEx“ basiert auf der Nutzung von Neutronenstrahlung. Diese kleinsten, elektrisch neutralen Teilchen werden in einem Bohrloch durch die Erde auf das gefundene Objekt geschossen, das dadurch eine ganz spezifische Strahlung abgibt, einen unverwechselbaren Fingerabdruck sozusagen, der dann angezeigt wird. 

„Am Computer funktioniert das Verfahren bereits“, betont Plum, jetzt soll es in den kommenden beiden Jahren alltagsreif werden. Zum Einsatz kommen soll die neue Technik vor allem bei Funden in großer Tiefe, die mit hohen Kosten verbunden sind, erklärt Plum. Bei der herkömmlichen Blindgängersuche im Bereich zwischen zwei und sieben Metern sollen  weiter die geomagnetischen Verfahren verwendet werden.