Neues Angebot: Bachelor an den Kaufmännischen Schulen im Kreis Düren

Kooperation zwischen Schule und Universität: Bachelor-Abschluss am Berufskolleg

Das Berufskolleg Kaufmännische Schulen kooperiert ab sofort mit der Hochschule Göttingen. Das ermöglicht den Schülern den akademischen Bachelor-Abschluss.

Markus Gerz hat an den Kaufmännischen Schulen an der Euskirchener Straße sein Abitur mit dem Schwerpunkt Wirtschaft gemacht, er geht dort als Auszubildender zum Industriekaufmann bei der Firma Heimbach GmbH in Mariaweiler zur Berufsschule und vermutlich wird er über die Kaufmännischen Schulen in einigen Jahren auch seinen Bachelor-Abschluss in Betriebswirtschaftslehre machen.

„Ich bin Dürener und möchte in Düren bleiben“, sagt Gerz. „Für mich ist das ein tolles Angebot. Möglich ist das „tolle Angebot“, weil die Kaufmännischen Schulen des Kreises Düren ab sofort mit der Privaten Hochschule Göttingen zusammenarbeiten. Gerade haben die Leiterin des Berufskollegs, Elvira Pürling, und die Vizepräsidentin der Hochschule, Professor Antje-Britta Mörstedt einen Kooperationsvertrag unterzeichnet.

Das Berufskolleg Kaufmännische Schulen, übrigens eins von vier Berufskollegs in Trägerschaft des Kreises Düren, bietet zahlreiche Abschlüsse an, ein Zweig ist die Fachschule für Wirtschaft, an der die Studierenden berufsbegleitend die Prüfung zum„Staatlich geprüften Betriebswirt“ ablegen können. „Das“, so Pürling, „ist eine qualifizierte Ausbildung, die es den Absolventen aber nicht automatisch ermöglicht, ein Masterstudium anzuschließen.“

Um für die Schüler des Berufskollegs ein noch besseres Angebot zu schaffen, sind die Fachlehrer Sabine Zapp, Claudia Spörk und Andreas Werner auf die Suche nach einem geeigneten Partner gegangen, den sie schließlich mit der Privaten Hochschule Göttingen gefunden haben. Diese 1995 gegründete Fernuniversität mit derzeit rund 3500 Studierenden kooperiert bereits mit anderen Berufskollegs in ganz Deutschland. „Unsere Kernkompetenz“, erklärt Professor Antje-Britta Mörstedt, „ist die digitale Vorlesung.“ Vertreter der Hochschule und des Berfuskollegs haben die Inhalte der Ausbildung zum „Staatlich geprüften Betriebswirt“ und des Bachelor-Studienganges Betriebswirtschaftslehrer genau miteinander verglichen.

„In Düren wird wirklich hervorragende Arbeit geleistet“, sagt Mörstedt, „so dass diese Ausbildung zu 50 Prozent auf das Bachelor-Studium angerechnet werden kann.“ Im Klartext heißt das: Absolventen der Fachschule für Wirtschaft können nach nur vier Semestern Fernstudium an der Uni in Göttingen ihren Bachelor-Abschluss machen.

Gleichzeitig richtet sich das neue Angebot, das bisher einzigartig im Kreis Düren ist, aber auch an junge Menschen, die eine Ausbildung zum Industriekaufmann machen und parallel an der Wirtschaftsfachschule studieren. Pürling: „Unsere Schüler können das Bachelor-Studium parallel zu ihrer Ausbildung, zeitversetzt oder auch erst danach machen. Das Angebot ist sehr flexibel.“

Den Verantwortlichen der Hochschule ist wichtig, dass der für den Kreis Düren neue Studiengang sehr Studierenden-orientiert ist. „Gerade weil wir eine Studiengebühr von 248 Euro pro Semester erheben, ist es uns wichtig, dass unserer Abbrecherquote möglichst gering ist. Und sie liegt in der Tat derzeit unter zehn Prozent.“

Ihre Hochschule, ergänzt die Vizepräsidentin, komme nach Düren. „Wir werden die Studierenden in Düren informieren und beraten. Außerdem ist es denkbar, dass Düren demnächst auch Klausur-Standort wird, so dass die Studierenden des Berufskollegs hier ihre Klausuren schreiben können.“ Auch René Anscheit, Ausbildungsleiter bei der Heimbach GmbH, begrüßte das Angebot. „Das ist  ein großer Pluspunkt im Kampf um geeignete Auszubildende und Fachkräfte. Die Möglichkeit, in Düren seinen Bachelor zu machen, ist eine Bereicherung für die Region.“

Ähnlich sieht das auch Landrat Wolfgang Spelthahn (CDU). „Wir müssen dem demographischen Wandel etwas entgegensetzen. Und das können wir, weil es uns mit dem neuen Studienangebot gelingen kann, dass junge, gut ausgebildete Menschen den Kreis Düren nicht für ein Studium verlassen müssen, sondern bleiben, und im besten Fall später in der Region auch einen Arbeitsplatz finden.“ Darüber hinaus, ergänzt der Landrat, sei die Bereitschaft der Hochschule, mit dem Berufskolleg zu kooperieren, alles andere als ein „Sechser im Lotto“. Spelthahn: „Das ist vielmehr eine Würdigung der pädagogischen Arbeit, die hier geleistet wird.“

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