Neue Stiftung für das Leopold-Hoesch-Museum

Leopold-Hoesch-Museum : Neue Stiftung im Wert von 550.000 Euro

Das Leopold-Hoesch-Museum hat eine neue Stiftung. Der aus Düren stammende und mittlerweile in Berlin lebende Mediziner Dr. Peter Thelen hat dem Museum im Rahmen der Gründung der Madame-Thelen-Stiftung sieben großformatige, fast monumentale Gemälde und eine Installation von Wolf Vostell überlassen. Die Arbeiten haben einen Gesamtwert von rund 550.000 Euro.

„Diese Stiftung“, sagt Anja Dorn, Leiterin von Leopold-Hoesch- und Papiermuseum, „ist für unser Haus ein großer Gewinn und gleichzeitig auch ein äußerst sinnvoller Zuwachs.“ Dorn erklärt, wie sie das meint: „Unser Museum hat einen Malereischwerpunkt. Und wir haben auch schon einen Teil von Kunstwerken der Fluxus-Bewegung, die Wolf Vostell ja entscheidend geprägt hat, in unserer Sammlung. Die Arbeiten, die wir im Rahmen der Madame-Thelen-Stiftung bekommen haben, passen einfach sehr gut in unser Haus.“

Bereits vor neun Jahren wurde anlässlich der Wiedereröffnung des Leopold-Hoesch-Museums ein Teil der Sammlung Thelen in Düren gezeigt. Die Ausstellung trug damals den Titel „Hommage an Madame Thelen“ – auch, weil Vostell ein Porträt der verstorbenen Mutter Thelens gemalt hat. Seiner Mutter verdankt Peter Thelen seine Neigung zur Kunst und die Grundlagen für seinen beruflichen Werdegang. Ihr hat er die Stiftung für das Dürener Museum gewidmet.

Die Madame-Thelen-Stiftung ist nicht die einzige Stiftung der Dürener Museen. Vor 16 Jahren hat Hubertus Schoeller dem Museum seine umfangreiche Sammlung mit 1500 Kunstwerken von 70 Künstlern überlassen und in den vergangenen Jahren immer wieder neue Werke für das Museum angeschafft. Schoeller hat sich Zeit seines Lebens der Düsseldorfer Künstlergruppe Zero mit Otto Piene, Heinz Mack und Günther Uecker verschrieben. Werke aus seiner Sammlung wurden schon im New Yorker Guggenheim-Museum gezeigt. Wie hoch der Wert der ­Hubertus-Schoeller-Stiftung ist, möchten die Verantwortlichen nicht nennen. Immer wieder ist jedoch zu hören, dass gerade auch die Schoeller-Stiftung eine der tragenden Säulen des Museums ist. Der Otto-Piene-Raum, der ebenfalls zu dieser Stitung gehört, hat das Museum beispielsweise international bekannt gemacht.

Anja Dorn freut sich über die neue Stiftung für ihr Museum. Foto: ZVA/Sandra Kinkel

Die Günther-Peill-Stiftung vergibt regelmäßig einen Preis und unterstützt zwei Stipendiaten, was insgesamt eine finanzielle Unterstützung von rund 100.000 Euro bedeutet. Auch die Nikolaus-Dahlmann-Stiftung eines Hamburger Mediziners lobt einen mit 5000 Euro dortierten Preis aus. „Eine Stiftung“, sagt Anja Dorn, „bedeutet auch eine große Verantwortung für das Museum. Derer sind wir uns aber natürlich bewusst.“ Die beiden Museen, ergänzt die Kunst­expertin, bekämen sehr häufig Schenkungs- und Stiftungsangebote. „Die werden sehr gründlich geprüft, weil die Kunstwerke natürlich so wie bei der ‚Madame-Thelen-Stiftung’ in unsere Häuser passen müssen.“ Gleichwohl seien Stiftungen im Augenblick auch deswegen besondes wichtig, weil sie dafür sorgten, dass die Sammlungen des Museums wachsen könnten und so lebendig blieben. „Ankäufe sind aufgrund der finanziellen Situation der Kommunen ansonsten eher schwierig“, sagt Dorn. „Obwohl natürlich auch die wünschenswert sind. Aber umso mehr freuen wir uns über die Stiftungen.“

Aber zurück zu Wolf Vostell und der Madame-Thelen-Stiftung: Vostell war ein sehr politischer Künstler, der sich in seinen Arbeiten intensiv mit geopolitischen Ereignissen auseinandergesetzt hat. Er hat sich den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust ebenso thematisiert wie mit den Korea- und den Vietnamkrieg. „Wenn man diese Bilder heute sieht“, sagt Anja Dorn, „könnte man auf den ersten Blick meinen, dass der Künstler sich mit den Geschehnissen im Hambacher Forst beschäftigt. Auch da gibt es wieder einen direkten Bezug zu Düren.“

Arbeiten sind präsent

Neben den großformatigen Gemälden gehört auch die Installation „Das Frühstück des Leonardo da Vinci in Berlin“. Das Werk war Teil eines Happenings, das für einen Film für den Sender Freies Berlin realisiert wurde. Der Film beschäftigte sich mit den Massakern von Kriegen und unmenschlichen Entwicklungen der Gesellschaft.

Die Arbeiten der Madame-Thelen-Stiftung werden in den nächsten Wochen im Mittelsaal des Erdgeschosses des Museums der Öffentlichkeit vorgestellt. Anja Dorn: „Die Kunstwerke von Wolf Vostell sollen über einen längeren Zeitraum immer wieder in unserem Haus präsent sein.“

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