Kreis Düren: Neue Rennstrecken für Fledermäuse: RWE pflanzt Tausende Bäume

Kreis Düren : Neue Rennstrecken für Fledermäuse: RWE pflanzt Tausende Bäume

600 Hektar sind sechs Millionen Quadratmeter. Diesen Raum hat RWE Power nach Maßgabe der Artenschutz-Richtlinie der Europäischen Union im Raum Jülich/Niederzier und bei Nörvenich sowie nahe Kerpen (Rhein-Erft-Kreis) in parkähnliche Flächen verwandelt, die gefährdeten Tieren wie den Bechsteinfledermäusen dienen, die es in drei Kolonien von je 20 bis 30 Tieren vor allem im Hambacher Altwald und im Nörvenicher Wald noch gibt.

Das Programm startete bereits 2011, doch allein in den vergangenen vier Monaten wurden 7500 hochstämmige Bäume gepflanzt.

Sie sind natürlich nicht die einzigen Profiteure des Programms, das auch zahlreichen Vogelarten dient, zum Beispiel dem ebenfalls geschützten Mittelspecht. Die Bechsteinfledermaus ist auf Eichen angewiesen, die 100 Jahre und älter sind, in denen es Höhlen gibt. Sie nutzt sie als Wochenstuben, also zur Aufzucht ihrer Jungen. „Wir können nun mal keine entsprechend alten Bäume pflanzen“, erklärt Gregor Eßer von der Rekultivierungsabteilung bei RWE Power, zugleich Leiter der Forschungsstelle. Die Bäume auf der Sophienhöhe sind mit gut 30 Jahren zu jung. Die Altwald-Bindung der Bechsteinfledermaus lässt sich auch in den Flächen beobachten, die gerodet wurden. Eßer: „Sie ziehen mit dem Restwald mit.“ Die nächtlichen Jäger sind selbst bei idealen Bedingungen sehr selten.

Also hat der Energiekonzern ein mehrstufiges Schutzkonzept entwickelt. Es soll die Tiere zu den Altwald-Resten führen, die nicht in Anspruch genommen werden. RWE Power hat sie gekauft oder sich so gesichert, dass die Nutzung vorgegeben werden kann — in Summe rund 700 Hektar. „In den Altwäldern darf keine Eiche mehr entnommen werden“, erklärt Eßer.Die Fledermäuse jagen aber nicht zwingend in den Wäldern, sondern in halboffenen, parkähnlichen Landschaften.

Weitere 600 Hektar

Diese Bereiche — weitere 600 Hektar — wurden in den vergangenen sieben Jahren geschaffen, mit einem Schlussspurt im letzten Vierteljahr. Da es sich um Stämme (jeweils 3,50 Meter hoch) mit Wurzelballen handelt, war das deutlich aufwendiger als bei den meterhohen Jungpflanzen, die sonst zu pflanzen sind.

Zum Beispiel an der Tagebaurandstraße (L 264) zwischen Stetternich und Niederzier sind jüngst viele Flächen umgestaltet worden. Die Planung sieht vor, dass die Parks noch eine blütenreiche Einsaat erhalten, und in Teilen für die extensive Landwirtschaft zur Verfügung gestellt werden: zum Beispiel als Weideflächen für Biorinder.

Dritte Maßnahme des Artenschutzkonzeptes, in dem sich der Energiekonzern verpflichtet hat, dafür Sorge zu tragen, dass auch Tiere eine neue Heimat finden, wenn ihre vorherigen Lebensräume abgebaggert wurden, ist die Vernetzung der Altwaldbereiche bei Kerpen, Nörvenich und Jülich. Das darf man sich wie eine Öko-Autobahn vorstellen. Der Bergbautreibende hat Bäume und Sträucher so in Reihen gepflanzt, dass sie im Kronenbereich zusammenwachsen und eine Art Tunnel ergeben. „Wir haben Horchboxen aufgestellt und können sagen: Die Fledermäuse nehmen diese Rennstrecken an“, berichtet der Rekultivierungsexperte von RWE Power mit einem Lächeln.

(vpu)
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