Düren: Neue Chancen für das Quartier im Dürener Norden

Düren : Neue Chancen für das Quartier im Dürener Norden

Wer es kritisch sehen will, hat dazu die besten Voraussetzungen. Seit Jahren engagiert sich die Stadt mit Projekten im Dürener Norden, versucht mit der Stärkung lokaler Akteure, mit Projekten zur Wohnumfeldverbesserung auch der schwierigen Immobilienproblematik vor Ort gerecht zu werden. Und man ist so weit gegangen, baufällige Immobilien wie das Karlseck selbst zu erwerben, weil man es reaktivieren wollte.

„Private Investitionen in die Bausubstanz in Form von Modernisierung und Instandsetzung sind in weiten Teilen ausgeblieben. Seit einigen Jahren ist eine kontinuierliche Verschlechterung des Immobilienbestandes durch fehlende Modernisierungs- und Instandhaltungsinvestitionen zu beobachten“, heißt es etwa im Entwurf zum Integrierten Handlungskonzept „Problemimmobilien Nord-Düren“.

x.

Das Karlseck ist ein Beispiel dafür. Über Jahre hinweg fand sich kein Investor, es musste abgerissen werden. Die nächste Erkenntnis: Nur mit dem Erwerb der Nachbarimmobilie macht eine neue Bebauung Sinn. Ist die Stadt also schon im bescheidenen Ansatz, sich der Fälle von Problemimmobilien anzunehmen, gescheitert?

Da, wo einst das Karlseck war, klafft eine Lücke. Sämtliche Versuche, einen Investor für das baufällige Gebäude zu finden, waren gescheitert, letztlich blieb nur der Abriss.

Verantwortung übernommen

x.

Nein, sagt Dr. Inken Tintemann, Stadtplanerin vom Amt für Stadtentwicklung. „Es war gut, dass die Stadt hier Verantwortung übernommen hat. Dank des Karlsecks wissen wir, welche Kosten bei solchen Immobilien entstehen.“ Immerhin hat die Stadtplanerin weitere rund 50 Problemimmobilien in Düren-Nord lokalisiert und sieht im Vergleich zu den Vorjahren bessere Chancen, diese Problematik lösen zu können.

„Wir haben in diesem Bereich eine Eigentümerstruktur mit geringen Finanzmitteln“, sagt sie. Parallel hat die Stadt das Interesse, die letzten gründerzeitlichen Bestände an Häusern in diesem Viertel zu erhalten. Hat die Stadt bisher immer nur reagieren können, ist sie seit Ende letzten Jahres nun in der Lage, selbst zu agieren. Dazu wurde — bezogen auf das Quartier — eine eigene Vorkaufsrechtsatzung erlassen. Seitdem werden der Stadt alle Immobilienverkäufe angezeigt. Die Erfahrung der Vergangenheit: Eigentümer verkaufen Problemimmobilien, der neue Besitzer saniert das Gebäude aber auch nicht.

Dem kann die Stadt nun einen Riegel vorschieben. Dr. Inken Tintemann: „Wir könnten die Immobilien selbst erwerben oder Auflagen vorgeben.“ Abwendungsvereinbarung nennt sich das im Amtsdeutsch. Der Erwerb durch die Stadt kann dann nur abgewendet werden, wenn der neue Eigentümer die entsprechenden Auflagen erfüllt. Vorteil der Vereinbarung: Sie ist kontrollierbar, weil die Stadt auch noch nachträglich in den Kaufvertrag einsteigen kann. Dieses wichtige Instrument könnte, glaubt Tintemann, dazu beitragen, im Sanierungsgebiet Düren-Nord auch gestalterische Vorgaben einzuhalten. Dabei geht das erklärte Ziel der Stadtplanerin einen Schritt weiter.

Aufbauend auf dem Projekt „Soziale Stadt“ soll das Quartier insgesamt attraktiver werden. Die Idee: Ist ein Quartier ansprechend gestaltet, gibt es neue Anreize für Immobilienbesitzer oder Investoren, ebenfalls Geld in die Hand zu nehmen. „Positive Kräfte verstärken“, nennt die Stadtplanerin dieses Vorhaben, dass zum Beispiel einen Grünzug im Bereich der ehemaligen Kreisbahntrasse vorsieht, einen Spielplatz an der ehemaligen Realschule Nord, eine Nachfolgenutzung für die Kirche St. Joachim plus die Umgestaltung der Platz- und Grünanlage sowie unter anderem ein Hof- und Fassadenprogramm.

„Um das Quartier in Gänze zu erhalten, wollen wir versuchen, dort neue Nutzergruppen unterzubringen“, sagt Tintemann. Das wird nicht ganz einfach, weil das kräftige Investitionen in bestehende Immobilien voraussetzt. „Die Gründerzeithäuser haben oft schwierige Grundrisse, es gibt meist Vorder- und Hinterhäuser, sie sind nicht barrierefrei und der Brandschutz ist ein Thema“, erklärt Tintemann.

Sie hat aber bei Tagungen mit anderen Kommunen die Erfahrung gemacht, dass sich Investoren vor dieser Herausforderung nicht mehr scheuen: „Es gibt Investoren,die den Nutzen erkennen und sich verantwortlich fühlen und gleichzeitig wissen, dass sich in einem Sanierungsgebiet der Denkmalschutz auch steuerlich positiv auswirkt — und das alles in Zeiten niedriger Zinsen.“

Eine Chance, die die Stadt auch selbst mit ihrem Handlungskonzept ergreifen will, um Fördergelder zu generieren. Für knapp neun Millionen Euro sind Maßnahmen vorgesehen, die nach dem entsprechenden Ratsbeschluss im Juni von der Bezirksregierung geprüft werden müssen.

Mehr von Aachener Nachrichten