Düren: Neue Blicke auf Dürens historische Bausubstanz

Düren : Neue Blicke auf Dürens historische Bausubstanz

Wenn der Dürener Innenarchitekt Andreas Franke passend zum Tag der Architektur am Samstag an der Tivolistraße eine von ihm sanierte Stadtvilla zugänglich macht, signalisiert er gleichzeitig seinen Anspruch, den er so formuliert: „Ein Jahrhundertwendehaus zeitgemäß zu sanieren und in ein neues Zeitalter zu überführen.“ Franke kennt sich beim Thema Bauen im (historischen) Bestand bestens aus.

Er hat unter anderem eine Kreuzauer Fachwerkanlage von 1728, Dürener Stadtvillen der Jahrhundertwende und die fast 250 Jahre alte Scheune von Gut Weyerhof modernisiert.

„In der klassischen Architektur betrachtet man den Baukörper in seiner Umgebung“, erklärt Franke. Manche Zusammenhänge von Städtebau, Architektur bis hin zur Innenarchitektur würden aber oft vernachlässigt. Franke ist kein klassischer Architekt, kommt aus der Innenarchitektur, „betrachtet Dinge etwas anders“, wie er selbst sagt, blickt quasi zusätzlich von innen nach außen. Das ist vor allem dann wichtig, wenn er den vorhandenen Raum verändern, ihm gar eine neue Funktion zuweisen will.

Am Anfang steht die Vorstellung des Bauherren, erste eigene Ideen, ein Konzept, ein erstes Vorgespräch mit der Denkmalpflege. „Mein Part ist es, alle Gedanken, Wünsche und Zwänge aufzusaugen und zu filtern“, erklärt Franke, „um aus der Essenz ein Gesamtkonzept zu entwickeln.“

„Gute Architektur und gute Innenarchitektur bedingen sich gegenseitig, es gibt immer Wechselwirkungen. Es geht nie um Geschmack, sondern nur um Qualität“, ist Franke überzeugt. Deswegen versucht er zunächst immer eine „materiallose“ Betrachtungsweise vorzunehmen. „Ob eine Fassade schwarz oder weiß wird, spielt erst später eine Rolle. Gerade im Bereich der Denkmalpflege würden Moden keine Bedeutung haben, jedoch gäbe es immer einen Ermessensspielraum. Aber geht es wirklich nie um Geschmack? Spielt nicht gerade auch spätestens bei der Betrachtung des Umfeldes zumindest die Ästhetik eine Rolle?

„Ob eine bauliche Situation qualitativ gut gelöst ist, ist eine fachliche Frage, also die eindeutige, gelungene Kombination von Funktion und Gestalt“, antwortet Franke und nennt als Beispiel den Anbau ans Leopold-Hoesch-Museum. „Wie anders hätte man auf die barocke Fassade reagieren können, als mit einem schlichten Baukörper?“, fragt er rhetorisch. Soll heißen: fachlich gut gelöst — ästhetisch allerdings auch.

Franke hat bei Denkmälern stets ein Gesamtbild als Ziel, welches die Unterteilung in Bauabschnitte zulässt, baut zeitliche und finanzielle Puffer ein, erst recht, wenn die Historie eines Gebäudes nicht komplett bekannt ist. „Im historischen Bestand stößt man immer wieder auf Überraschungen, zum Beispiel auf Tragstrukturen, die nicht bekannt waren. Das kann dann funktionale Konsequenzen haben oder Auswirkungen auf die Konstruktion, Materialien und Farbgebung.“

Je tiefer man in die Bausubstanz eingreife, desto größer sei die Gefahr, auf Unvorhersehbares zu stoßen — von der Stahlträgerkonstruktion aus den 70er Jahren unter einer abgehängten Decke im Jahrhundertwendehaus bis zur 24 Zentimeter dicken Wand, die sich plötzlich als ausgemauertes, zweischaliges Fachwerk entpuppe. Darauf muss der Architekt reagieren. Das ist eine der größten Herausforderungen, wenn man den Wünschen der Auftraggeber und dem Denkmalschutz gerecht werden will. „Den Charakter eines alten Gebäudes zu erhalten, geht auch nicht immer mit neuen Verordnungen und Gesetzen einher — da muss man manchmal einfach auch erfinderisch sein.“

So wie Franke ganzheitlich ein Projekt betrachtet, blickt er in seiner Heimatstadt Düren auch auf Details. Auch wenn es einem diese Stadt aufgrund ihrer kriegsbedingten inhomogenen Bausubstanz nicht gerade leicht mache, sich mit dem Stadtbild und der Architektur zu identifizieren, ist er fest auch von der architektonischen Qualität Dürens überzeugt. „Der 50er Jahre Architektur in Düren sollte man ebenso einen hohen Stellenwert beimessen“, sagt Franke.

Umso mehr bedauert er es, wenn in Düren-Nord Gründerzeitvillen verkommen oder im Grüngürtel teilweise alte Holztüren durch Kunststofftüren ersetzt werden. Wer wie er sagt, dass die Bauten von heute die Denkmäler von morgen sind, muss im Umkehrschluss bei den Denkmälern von heute besonders viel Wert auf den Erhalt legen. Und obwohl ihm der Denkmalschutz Zwänge auferlegt, würde er den genau hier ausweiten: „Denn schließlich wirkt das Ensemble auch durch die stilsichere Umsetzung der Architekturdetails.“

An den Ensembleschutz wird sich die Politik vermutlich weder zum Tag der Architektur, noch zum Tag des Denkmals herantrauen.

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