Düren: Neue Ambulanz in Düren ist Ansprechpartner für Opfer von Gewalt

Düren : Neue Ambulanz in Düren ist Ansprechpartner für Opfer von Gewalt

Opfer von Gewalt haben es in unserer Gesellschaft nicht immer leicht. Sie fühlen sich oft mit ihren Problemen alleingelassen, finden nicht immer den richtigen Ansprechpartner — erst recht, wenn es sich um traumatische Erlebnisse handelt.

„Menschen, die Gewalt erfahren haben, können oft ihren Alltag nicht mehr bewältigen. Was mit ihnen passiert, entzieht sich ihrer Kontrolle, sie fühlen sich hilflos. Hinzu kommen in vielen Fällen Gefühle wie Angst, Scham oder auch Schuld“, sagt Esther Nettekoven, Psychotherapeutin an der Dürener LVR-Klinik.

Dr. Beret Knittel (links) und Esther Nettekoven stehen als Ansprechpartner in der neuen Traumaambulanz der LVR-Klinik bereit. Foto: Burkhard Giesen

Um dabei zu helfen, „die Hilflosigkeit besser verarbeiten zu können“, wie es Dr. Beret Knittel, Chefärztin der Institutsambulanz, ausdrückt, bietet der Landschaftsverband Rheinland in seiner Dürener Einrichtung jetzt eine Traumaambulanz an. „Opferschutz ist ein strategisches Ziel des LVR“, sagt die LVR-Dezernentin für Schule und Integration, Prof. Dr. Angela Faber. „Wir wollen nicht nur ein kompetenter Ansprechpartner sein, sondern vor allem eine schnelle Hilfe gewährleisten.“

Gerade die schnelle Hilfe ist aus Sicht von Knittel besonders wichtig: „Traumafolgen heilen nicht wie eine Wunde. Gewaltopfer können ihre beruflichen und sozialen Beziehungen komplett verlieren. Deswegen ist es so wichtig, schnell zu reagieren, damit die psychischen Folgen nicht chronisch werden.“ Eine Erfahrung, die nicht nur Paskal Laskaris vom Weißen Ring in Düren aus seiner Arbeit bestätigen kann: „Wir haben mit Menschen zu tun, deren Seele Schaden genommen hat. Jetzt in Düren eine Anlaufstelle zu haben, ist für unsere Arbeit ungeheuer wichtig.“

Auch deshalb, weil man unbürokratisch helfen kann und somit niederschwellige Angebote offeriert, wie Peter J. Anders, beim LVR für Soziales Entschädigungsrecht zuständig, erläutert: „Beim Erstkontakt muss sich ein Opfer keine Gedanken darüber machen, ob ihm unsere Angebote nach dem Opferentschädigungsgesetz zustehen.“

Dabei bietet die neue Anlaufstelle eben nicht nur Hilfe bei akuter Traumatisierung, wie Knittel betont, sondern eben auch „eine Begleitung über einen längeren Zeitraum, um schwerwiegende Störungen zu vermeiden“. Und das in enger Kooperation mit Einrichtungen wie zum Beispiel dem Weißen Ring, der Opferschutzbeauftragten der Polizei oder dem Verein „Frauen helfen Frauen“.

Hohe Hemmschwellen

Wie dringlich der Bedarf für diese Einrichtung ist, können insbesondere diese Partner belegen. „Häusliche Gewalt gibt es bei uns um die Ecke“, betont Paskal Laskaris und weiß zudem, dass viele Opfer nicht unbedingt zur Polizei gehen. „Gerade bei häuslicher Gewalt sind viele Opfer sehr von Scham betroffen, trauen sich nicht darüber zu reden und stellen sich zudem die Frage, was sie selbst dazu beigetragen haben“, sagt Knittel und ergänzt: „Bei uns muss sich niemand schämen, sondern darf bei uns Hilfe erwarten.“

Erreichbar ist die Traumaambulanz der Dürener LVR-Klinik wochentags zwischen 9 und 16 Uhr unter der Rufnummer 02421/402602.

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