Nideggen: Nachmittags im Museum: Kunst begreifen

Nideggen : Nachmittags im Museum: Kunst begreifen

Leon ist schon ein Profi, mit elf Jahren ein alter Kulturrucksack-Hase. Zum sechsten Mal nimmt er an der Veranstaltungsreihe vom Burgenmuseum Nideggen und der Internationalen Kunstakademie Heimbach im Rahmen des landesweiten Kulturförderungsprojektes teil.

„Es gibt immer etwas Neues, es wird nie langweilig“, findet Leon. Er war in der Vergangenheit schon als Schlossgespenst unterwegs und hat einem Kamerateam als Techniker ausgeholfen. Am Samstag machte er sich wie die anderen Kinder und Jugendlichen unter anderem bei einer meditativen Fantasiereise im Bergfried auf die Suche nach seinem Krafttier.

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„Die alten Völker, die einst hier lebten, hatten weder Telefone noch Waschmaschinen oder Autos. Sie waren eng verbunden mit der Natur und den Tieren. Sie wussten, dass jeder Mensch ein Totemtier hat, das ihm zur Seite steht, ein Freund im Inneren“, erklärte Claudia Siebler den aufmerksam lauschenden Kindern und Jugendlichen. Mit Gudrun Quack leitete sie die Meditation für die Teilnehmer an. Die Ergebnisse waren facettenreich, schließlich sind auch die Menschen höchst unterschiedlich. Leons Krafttier beispielsweise ist ein Einhorn, andere Kinder nannten Vogel, Wolf oder Bär als ihre Begleiter. Gemeinsam wurden später aus Ton die Krafttiere modelliert und verziert.

Von wegen verstaubte Exponate: Von der Fantasiereise im Bergfried (oben links) über das gegenseitige Kennenlernen (oben rechts) und die Spurensuche in der Natur (unten links) bis zum künstlerischen Schaffen reichte das Programm zum Auftakt der Kulturrucksack-Projektreihe. Foto: Johnen

Wer den Kulturrucksack öffnet, wird nicht nur mit einem vorgegebenen Programm berieselt. Zum Konzept gehört, dass die Kinder und Jugendlichen selbst kreativ werden können und ihre eigenen (künstlerischen) Gaben und Leistungen entdecken können. Mit dem Projekt Kulturrucksack NRW soll die kulturelle Bildung von Kindern und Jugendlichen gefördert werden.

Von wegen verstaubte Exponate: Von der Fantasiereise im Bergfried (oben links) über das gegenseitige Kennenlernen (oben rechts) und die Spurensuche in der Natur (unten links) bis zum künstlerischen Schaffen reichte das Programm zum Auftakt der Kulturrucksack-Projektreihe. Foto: Johnen

Das Burgenmuseum und die Kunstakademie arbeiten bereits seit mehreren Jahren zusammen. Die gemeinsame Auftaktveranstaltung fand dieses Jahr im Burgenmuseum Nideggen statt. Bis zum Abschlussfest in Heimbach am 17. November bieten die Kooperationspartner mehrere Veranstaltungen an, darunter auch in den Sommerferien eine ganze Woche mit abwechslungsreichem Programm. Etwa 200 bis 300 Kinder und Jugendliche haben in den vergangenen Jahren jeweils die kulturellen Angebote genutzt (siehe „Nachgefragt“).

Zum Beginn des Tages ging es für die Gruppe raus ins Grüne — zum Kennenlernen und auf Erkundungstour in der Natur. Welche Spuren haben die Tiere rund um die Burg hinterlassen? Können wir Vögel anhand ihres Gezwitschers erkennen? Und welche Fähigkeiten von Tieren hätten wir manchmal gerne? Der erste Teil der Auftaktveranstaltung stand ganz im Zeichen der Natur, dem Zusammenleben von Tier und Mensch.

Installation aus Lampions

Nach dem gemeinsamen Mittagessen bastelten die Kinder und Jugendlichen unter Anleitung von Künstlerin Andrea Höppener-Wycisk Lampions. Große und kleine, ganz unterschiedlich bemalt und gestaltet. Zu einer Installation zusammengefügt erhellten sie das Burggemäuer, als die Eltern ihre Kinder nach einem erlebnisreichen Tag wieder abholen kamen.

„Künstlerische Betätigung ist eine ganz eigene Ausdrucksweise. Sie unterstreicht die Individualität, lässt aber auch Gemeinschaft entstehen“, freut sich Katharina Fünfstück von der Internationalen Kunstakademie Heimbach über die rege Beteiligung der jungen Künstler am Projekt Kulturrucksack. Kunst und Kultur könnten im wahrsten Sinne begriffen werden, ist Andrea Höppener-Wycisk überzeugt. Mancher Museumsbesuch sei für Kinder und Jugendliche relativ unspektakulär. Richtig spannend werde es aber, wenn es etwas zu tun gibt, wenn gestaltet werden könne.

Das sieht auch Jan Jestädt so, der Aaron, Miriam, Hannah und Matteo zum Burgenmuseum mitgebracht hat. Am Nachmittag freute er sich auf die Erzählungen der Geschwister. „Ich finde es gut, wenn Kinder ein Museum auf diese Weise in einer Gruppe kennenlernen — und dabei auch entdecken, dass es Spaß macht“, findet der Vater. Eine Wiederholung ist nicht nur möglich, sondern auch gewünscht. Die Türen der Museen stehen offen.

(sj)
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