Niederau: Nach Kanaleinsturz in Niederau stinkt‘s Anwohnern gewaltig

Niederau : Nach Kanaleinsturz in Niederau stinkt‘s Anwohnern gewaltig

Als am späten Nachmittag des 4. Mai der Abwasserkanal in der Renkerstraße einstürzte, ist für die Anwohner im direkten Umfeld — betroffen sind auch die Gerhard-Fuß-Straße und die Straße Im Kleffert — ein großes Stück Lebensqualität verloren gegangen. Gestank, Rohrleitungen vor der Tür, Pumpenlärm und Bauarbeiten bis in die Abendstunden bestimmen seitdem den Tagesablauf.

Teilweise ist das schwefelhaltige Abwasser mitsamt Fäkalien sogar in die Häuser eingedrungen. Kurzum: „Nach drei Monaten liegen die Nerven hier ziemlich blank“, spricht Josef Philipp vielen Anwohnern aus der Seele, zumal auch die Heberleitung, die das Abwasser eigentlich weiträumig oberirdisch um den Kanalschaden herumführen und den nicht zu überhörenden Pumpenbetrieb überflüssig machen sollte, immer noch nicht funktioniert.

Fußgänger müssen weiterhin über die stählernen Rohre der Druckleitung klettern, durch die ein Teil des Abwassers zurzeit immer noch fließt. Am Dienstag ließ der Wasserverband Eifel-Rur (WVER) zumindest eine Rampe errichten, so dass auch Familien mit Kinderwagen und Senioren mit Rollatoren die Gefahrenstelle passieren können. „Das ist aber erst geschehen, nachdem ich am Montag auf den Putz gehauen habe“, erklärt Alfred Jannes. Zwei Anwohner hatten sich beim Klettern über einen Behelfssteg in den vergangenen Wochen bereits schwer verletzt, berichten die Anwohner.

Aber die Druckleitung, die nach Angaben des WVER zur Sicherheit auch noch einige Wochen liegenbleiben wird, ist nur ein Problem der unmittelbar Betroffenen. Seit dem Kanaleinsturz vor drei Monaten können sie mit ihren Autos nicht mehr an die Häuser fahren, weil der direkt davor liegende Kanal eventuell weitere Schäden aufweist. Sicher wissen tut dies niemand. Der Kanal kann erst inspiziert werden, wenn das Abwasser komplett umgeleitet werden kann.

Bis dahin, vielleicht aber auch bis zum Abschluss einer eventuell erforderlichen Kanalsanierung im kommenden Jahr müssen die Anwohner alle Einkäufe über die seit einer Woche wieder für den Verkehr geöffnete und seitdem wieder viel befahrene Renker- straße von einem provisorischen Parkplatz aus zu ihren Häusern schleppen. „Auf dem Kiesplatz liegen Scherben und Schrauben“, berichtet Erdogan Duman, „zwei Reifen wurden bereits beschädigt“.

Ketten sollen verhindern, dass der Platz — wie anfangs geschehen — von Besuchern des nahen Krankenhauses belegt wird. „Die dürfen wir jetzt jedes mal ab- und wieder aufhängen, wollen wir den Parkplatz verlassen“, berichtet Alfred Jannes. „Der WVER soll endlich überprüfen, ob der Kanal vor unseren Häusern wirklich einsturzgefährdet ist“, fordert er, „alternativ soll er den provisorischen Platz vernünftig herstellen“.

Dass der Parkplatz nur eine Notlösung ist, räumt WVER-Sprecher Marcus Seiler auf Anfrage ein. Es gebe aber keine Alternative, allenfalls auf dem Krankenhausparkplatz, der aber noch weiter weg liegt. Und der Kanal könne halt erst begutachtet werden, wenn er komplett abwasserfrei sei. Den Anwohnern ohne eingehende Kontrolle des Kanals zu erlauben, wieder vor ihren Häuser zu parken, sei grob fahrlässig. Nach dem Kanaleinsturz könne man nicht ausschließen, dass auch an anderen Stellen statt Asbestzement- einfache Betonrohre verbaut wurden, die vom schwefelhaltigen Abwasser angegriffen werden.

„Es handelt sich hier um eine reine Schutzmaßnahme, weil ein erhöhtes Risiko besteht, das wir nicht abschätzen können“, betont Seiler. „Würden wir das Parken auf dem Kanal vor den Häusern erlauben und es würde dann etwas passieren, würde jeder die Frage nach der Verantwortlichkeit stellen.“

Dass die Situation für die Anwohner im wahrsten Sinne des Wortes „beschissen“ sei, will Seiler nicht verhehlen. „Wir haben es hier aber mit einer nicht geplanten Baumaßnahme zu tun, die nahezu täglich neue Herausforderungen und Überraschungen mit sich bringt.“ Das Problem mit der immer noch nicht einwandfrei funktionierenden Heberleitung sei eine davon. „Wir werden jetzt die Vakuumpumpen austauschen“, kündigt Seiler an. Wie lange das aber dauern wird, stehe noch nicht fest. Alfred Jannes hat derweil das Gefühl, dass beim WVER viel nach dem Prinzip Hoffnung geschieht.

Lärm und Vibrationen

Lange geplant war die Verkehrsfreigabe der Renkerstraße in der vergangenen Woche. Dort, wo die Heberleitung die Fahrbahn quert, wurde Asphalt abgefräst, es gilt Tempo 20. „Nur hält sich niemand dran, wenn hier nicht geblitzt wird“, ärgern sich Alfred Jannes und Rolf Ruhwiedel. „Das haben wir den Verantwortlichen der Stadt auch gesagt.“ Nicht nur, dass das Überqueren der Straße vor allem im Berufsverkehr sehr schwierig sei, die „Raserei“ durch die Baustelle führe auch zu immensem Lärm, „vor allem wenn leere Lkw hier durchfahren, rappelt es“, erklärt Josef Philipp.

Und weil die Asphaltschicht fehlt, könne man die von den Brummis ausgehenden Vibrationen noch in den Häusern spüren. Die Anwohner befürchten Folgeschäden, weitere Verschlechterungen ihrer Lebensqualität und langwierige Verfahren zur Beseitigung etwaiger Folgeschäden. Sie wollen gar nicht daran denken, dass aufgrund der Raserei mal jemand gegen die Heberleitung fahren und sie abreißen könnte.

Seitens der für die Tempoüberwachung zuständigen Stadt Düren gab es am Dienstag keine Stellungnahme.

Mehr von Aachener Nachrichten