Niederau: Nach dem Kanaleinsturz: Renkerstraße bleibt bis Jahresende Baustelle

Niederau : Nach dem Kanaleinsturz: Renkerstraße bleibt bis Jahresende Baustelle

Tagelang war das THW nach dem Kanaleinsturz in der Renkerstraße im Großeinsatz. Rund um die Uhr sorgten Helfer aus bis zu elf Ortsverbänden mit ihren Hochleistungspumpen dafür, dass das Abwasser von 18.000 Einwohnern und zahlreichen Industriebetrieben um die Einsturzstelle herumgeleitet wurde. Mittlerweile wurden sie von einer niederländischen Spezialfirma abgelöst. „Wir sind dem THW für den unermüdlichen Einsatz enorm dankbar“, betont Marcus Seiler, Sprecher des Wasserverbands Eifel-Rur (WVER).

Für die betroffenen Anwohner der Gerhard-Fuß- und Renkerstraße sind die Belastungen damit ein wenig erträglicher geworden. „Die Spezialpumpe der Fachfirma läuft auf Strom und ist damit leiser als die dieselbetriebenen Aggregate des THW“, erklärt Seiler. Auch ist die Spezialpumpe leistungsfähiger, so dass auch bei starken Regenfällen keine Probleme auftreten sollten, betont Seiler.

Nach dem Kanaleinsturz in der Renkerstraße hat eine niederländische Spezialfirma mit großen Stahlrohren mittlerweile das Umpumpen des Abwassers vom THW übernommen, das seit vergangenem Samstag tagelang rund um die Uhr im Einsatz war. Foto: Abels

Aber auch die nun verlegten Rohre sind nur ein Provisorium. In etwa vier Wochen soll eine sogenannte Heberleitung errichtet werden, die das Abwasser von der Gerhard-Fuß-Straße bis zum Rur-uferradweg transportiert, unter dem der Kanal weiter in Richtung Düren verläuft. „Die Heberleitung wird unter der Rurtalbahnstrecke verlegt, dann aber entlang der Renkerstraße auf bis zu fünf Meter hohen Stelzen“, erklärt Seiler. Sie funktioniert mit Unterdruck, benötigt keine Pumpen mehr.

Wenn die Heberleitung steht, will der WVER den Kanal großräumig vor und hinter der Einsturzstelle unter die Lupe nehmen. „Wir haben inzwischen festgestellt, dass beim Bau des Kanals Anfang der 70er Jahre gerade im Abschnitt des jetzigen Einsturzes keine Asbestzementrohre, sondern Betonrohre verlegt wurden“, erklärt Seiler. „Warum wissen wir nicht, das ist aus den Unterlagen auch nicht ersichtlich.“

Für Verkehr komplett gesperrt

Problem: Die Betonrohre werden vom schwefelhaltigen Abwasser aus der Industrie sehr viel stärker angegriffen, so dass der Kanal immer mehr „angefressen“ wurde, bis er dann am vergangenen Samstag in sich zusammenbrach. Da nicht auszuschließen ist, dass auch im Umfeld der Einsturzstelle Betonrohre verwendet wurden, will der WVER auf Nummer sicher gehen und plant derzeit, den Abwasserkanal auf einer Länge von mehr als 200 Metern zu sanieren. Das würde bedeuten, dass die Renkerstraße bis mindestens zum Jahresende eine Baustelle bleibt.

Auf jeden Fall bleibt sie erst einmal komplett für den Verkehr gesperrt. „Erst wenn die Heberleitung steht und wir den Kanal auf weitere Schäden hinuntersucht haben, kann die Straße einspurig wieder freigegeben werden, eventuell mit einer Ampelschaltung“, kündigt Seiler an. Bis dahin müssen Verkehrsteilnehmer Umleitungen in Kauf nehmen, zum Beispiel ist das Krankenhaus Lendersdorf nur aus Richtung Rölsdorf erreichbar.

Wie lange die Rurtalbahn noch lahmgelegt ist, bleibt abzuwarten. Auch unter dem Bahndamm ist der Kanal defekt. Dass die Züge bereits nach Pfingsten wieder rollen, sei ein ambitionierter Plan, hieß es am Mittwoch an der Baustelle. Anfang kommender Woche sollen unter dem Bahndamm zwei große Stahlrohre verlegt werden, ein Rohr für die Heberleitung, eins, in dem der neue Kanal verlegt werden soll. Dann erst können Bahndamm und Gleise wiederhergestellt werden. Gut möglich also, dass die Ersatzbusse noch länger fahren müssen.

Weil der defekte Kanal im Übrigen im Grundwasser liegt, geht der WVER nicht davon aus, dass schwefelhaltiges Abwasser in den Boden versickert ist. „Wir gehen davon aus, dass das fortwährend strömende Grundwasser das Abwasser zurück in den noch intakten Kanal gedrückt hat“, erklärt Seiler. Dafür spricht, dass bis zum Einsturz nicht spürbar weniger Abwasser in der Kläranlage Düren-Merken angekommen ist.

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