Düren: Nach 46 Jahren ist jetzt Schluss

Düren: Nach 46 Jahren ist jetzt Schluss

Am Amtsgericht hat in diesen Tagen der Chef seinen Abschied genommen: Manfred Neukirchen ist jetzt 65, in diesem Alter muss ein Richter, ob er will oder nicht, seinen Hut nehmen und in Pension gehen.

Zivilrichter, Schöffenrichter und Dozent war Manfred Neukirchen und sammelte 46 Jahre lang im Dienste der Justiz wertvolle Erfahrungen, die ihn in seinen Urteilen immer sicherer werden ließen.

Alle diese Erfahrungen gehen im Amtsgericht Düren jetzt verloren. Doch fragt man Neukirchen, so hat das schon seine Ordnung. „Die Altersgrenze gibt es nicht zu Unrecht”, davon ist er überzeugt. Die Fluktuation müsse sein, damit der Nachwuchs seine Chance bekommt. Erst wenn ein Richter in Pension gehe, werde ein neuer eingestellt.

„Für mehr Richter hat der Staat kein Geld”, sagt der Neu-Pensionär und lacht, denn er weiß, dass gerade der Richterstand nicht nur Geld kostet. Immerhin kommen durch Geldstrafen auch Hunderttausende rein in die öffentlichen Kassen.

Zehn Jahre lang leitete Neukirchen das Amtsgericht in Düren mit seinen 21 Richtern, 26 Rechtspflegern und 100 Mitarbeitern. Er ließ sich zunächst als Rechtspfleger ausbilden, machte dann - neben dem Beruf - sein Abitur nach und studierte. „Ich war im ersten Semester, als mein Sohn kam”, erinnert er sich an schwere Zeiten als junger Familienvater. Kurz vor dem zweiten Staatsexamen habe der zweite Sohn das Licht der Welt erblickt.

Neukirchens Lebenserfahrung: Abitur auf dem nicht regulären Weg zu machen, das sei eine gigantische Kraftanstrengung. Aber sein Beispiel zeige auch, dass einem auch später noch alle Wege offenstehen, dass eine Karriere in einer gehobenen Position auch dann noch möglich ist, wenn es im Alter von 14, 15 oder 16 mit der Schule mal nicht auf Anhieb so klappt, wie Eltern sich das wünschen. „Heute sind die Möglichkeiten noch viel besser und vielfältiger als damals”, freut sich der Pensionär, den die „DN” an seinem letzten Arbeitstag im Gericht besuchten.

Ein künstlich hochgespielter Fall

Gefragt nach spektakulären Fällen, kommt ihm ein Verfahren aus dem Jahr 1999 in den Sinn: Zwei Fluchthelfer hatten einem späteren Mörder geholfen, aus der Forensik der Landesklinik zu entkommen. Der Mörder sei schwer bewacht als Zeuge vorgeladen worden, „das war spektakulär”. Auch die kürzlich verhandelte Sache mit der Webcam (wir berichteten) sei wegen des großen Presseaufgebots außergewöhnlich gewesen, ansonsten aber „ein von der Presse künstlich hochgespielter Fall”.

Das Amtsgericht Düren sei „ein ganz besonderes Gericht”, bittet der Pensionär noch unbedingt in den Bericht aufzunehmen. Es gebe in Düren außergewöhnlich viele tüchtige und liebenswürdige Mitarbeiter. Das habe die Arbeit sehr erleichtert und viel Freude gemacht. „Mit dem Menschenschlag der Voreifeler bin ich immer gut zurecht gekommen”, so das Resümee.

Nach 46 Jahren müsse er sich „wahrscheinlich erst mal an den Ruhestand gewöhnen”. Allerdings hat sich Manfred Neukirchen schon allerhand vorgenommen. In seiner Jugend sei die Zeit ab 1933 in der Schule gar nicht oder sehr oberflächlich behandelt worden. Und später habe oft die Zeit dafür gefehlt.„Deshalb werde ich mich mit dieser Zeit beschäftigen”, verspricht er. Auch mit der Zeit nach dem Ende des Krieges, und der nach dem Ende der beiden deutschen Staaten. Im übrigen sei er ein Familienmensch und werde mit der Gattin viele Reisen unternehmen.

Seine offizielle Verabschiedung findet statt am Freitag, 6. Mai, um 12 Uhr. Dann wird auch schon, was ungewöhnlich ist, Ulrich Conzen, der bislang Direktor des Amtsgerichts Eschweiler war, als Nachfolger eingeführt.

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