Muttertag: Was hat sich am Muttersein eigentlich verändern?

Zum Muttertag : Drei Generationen Mütter erzählen

Am Sonntag ist Muttertag, den die US-amerikanische Frauenrechtlerin Anna Jarvis zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu Ehren ihrer Mutter ins Leben gerufen hat. Maria Reeves Jarvis hat damals für Frieden und bessere hygienische Verhältnisse gekämpft. Aber welche Bedeutung hat der Muttertag heute? Und wie hat sich das Muttersein in den vergangenen Jahrzehnten verändert? Fragen, die wir drei Müttern aus drei Generationen aus Langerwehe und Inden gestellt haben.

Doris Hackmann ist 84 Jahre alt, Mutter von vier Kindern und Oma von sechs Enkeln. Gitte Hanf ist 63 und hat zwei Kinder und vier Enkel. Die jüngste ist Petra Schwarz. Sie ist 45 und dreifache Mutter.

Nach der Geburt ihres dritten Sohnes Mitte der 60er Jahre hat Doris Hackmann unaufgefordert von ihrem Frauenarzt ein Rezept für die Pille bekommen. „Der war der Meinung, dass drei Kinder genug sind“, erinnert sie die 84-Jährige. „Ihm eine passende Antwort zu geben, habe ich mich damals nicht getraut. So viel Selbstbewusstsein hatte ich damals nicht. Die Pille habe ich aber nicht genommen. Mein Mann und ich wollten nämlich immer vier Kinder. Und die haben wir auch bekommen.“

Etwas ist allen drei Frauen gemein: Für keine stand es jemals zur Diskussion, nicht Mutter werden zu wollen. Und keine kann sich ein Leben ohne Kinder vorstellen. „Ich bin 1955 geboren“, sagt Gitte Hanf. „Da war es absolut selbstverständlich, früh zu heiraten und früh Mutter zu werden. Und das wollten mein Mann und ich auch.“

Doris Hackmann, 84 Jahre alt. Foto: ZVA/Sandra Kinkel

„Ich kann mir ein Leben ohne Kinder überhaupt nicht vorstellen“, ergänzt Hackmann. „Aber es war auch zu meiner Zeit klar, dass Frauen Mütter werden. Das war die gesellschaftliche Norm.“ Hackmanns vier Kinder sind zwischen 1962 und 1967 geboren, acht Jahre ist sie zu Hause geblieben, bevor sie wieder Teilzeit in ihrem Beruf als Lehrerin für Deutsch und Evangelische Religion gearbeitet hat. „Der Beruf war mir schon wichtig“, sagt sie heute. „Aber meine Kinder standen trotzdem immer an erster Stelle. Das ist, glaube ich, heute anders.

Die jungen Frauen sind viel mehr in ihrem Beruf verhaftet als wir damals.“ Petra Schwarz arbeitet im Verkauf eines Verlages, ihr Arbeitgeber ermöglicht ihr Gleitzeit, Teilzeit und Homeoffice, also das Arbeiten von zu Hause aus. „Das hilft sehr, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen“, sagt sie. „Trotzdem bleibt es eine große Herausforderung.“

Petra Schwarz, 45 Jahre alt. Foto: ZVA/Sandra Kinkel

Die größte Veränderung in den vergangenen 50 Jahren, auch da sind sich die drei Mütter einig, haben die Väter durchlaufen. Hanf: „Klar sehe ich Unterschiede, wenn ich meine Tochter und ich anschaue. Ich glaube, meine Kinder hatten mehr Freiheiten. Einfach, weil es noch keine Handys gab, mit denen man sie die ganze Zeit kontrollieren konnte. Aber am stärksten hat sich sicher die Rolle der Väter geändert.“ Zwar habe sie selbst auch immer im Familienbetrieb mitgearbeitet. „Und mein Mann war auch sicher ein guter Vater. Aber er hat sich nicht so intensiv um die Kinder gekümmert, wie es beispielsweise mein Sohn tut.“

Ähnlich war das bei Doris Hackmann. „Bei meinem Mann stand sein Beruf an erster Stelle. Weil unsere vier Kinder innerhalb von fünf Jahren geboren sind, musste er zu Hause mithelfen. Das ging gar nicht anders. Aber meine Söhne übernehmen bei ihren Kindern noch einen viel stärkeren Part.“ Petra Schwarz und ihr Mann teilen sich das Elternsein komplett. „Mein Mann hat die Elternzeit voll ausgeschöpft. Wir machen es möglich, dass am frühen Nachmittag immer einer von uns zu Hause ist“, sagt die 45-Jährige. „Aber natürlich geht das nur, weil unsere Berufe das zulassen.“ Was die Rolle der Väter angehe, ergänzt Schwarz, sei ein „guter Anfang“ gemacht. „Aber es wäre natürlich schön, wenn noch viel mehr Männer Teilzeit arbeiten könnten. Dafür fehlt aber meiner Meinung nach immer noch die gesellschaftliche Akzeptanz.“

Gitte Hanf, 63 Jahre alt. Foto: ZVA/Sandra Kinkel

Und was ist das Schöne am Muttersein? Was ist schwer? „Muttersein ist oft schwer“, sagt Gitte Hanf, „weil man sich schon sehr häufig die Frage stellt, ob man alles richtig gemacht hat.“ Trotzdem seien die schönen Momente deutlich in der Überzahl. „Es ist toll, dass ich immer noch ein gutes Verhältnis zu meinen Kindern habe und alle gerne nach Hause kommen.“ Für Doris Hackmann war einer der schwersten Momente ihres Mutterseins, der Tag an dem ihre Kinder „frohen Herzens“ zu Hause ausgezogen sind.“

„Mir war es immer wichtig, sie zu selbstständigen Menschen zu erziehen. Und ich habe immer gedacht, dass ich den Tag des Auszugs gut verkraften würde, weil ich ja einen Beruf hatte. Aber das Gegenteil war der Fall. Ich bin in ein Loch gefallen.“ Für Schwarz ist es die Gemeinschaft, die das Muttersein besonders macht. „Es ist schön, als Familie etwas zu unternehmen. Und es ist einzigartig, zu beobachten, wie aus den Kindern eigenständige Persönlichkeiten werden.“

Muttertag ist für Schwarz eine „schöne Tradition, aber mehr auch nicht“. „Ich mache gerne etwas mit meiner Mutter“, sagt sie. „Und die Kinder sind auch mit Feuereifer dabei, wenn Muttertagsgeschenke gebastelt werden.“ Grundsätzlich finden alle drei Mütter es aber wichtiger, das ganze Jahr über Zeit mit den Kindern zu verbringen. „Darauf kommt es viel mehr an, als auf einen einzigen Muttertag“, sagt Doris Hackmann.

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