Düren: Muttergotteshäuschen erstrahlt auch innen

Düren : Muttergotteshäuschen erstrahlt auch innen

Es ist kein Dom, sondern nur ein Gotteshäuschen, von dessen Existenz viele in Stadt und Kreis wissen. Ins aktive Bewusstsein kommt es allein durch Aktionen und besondere Ereignisse.

Ein solches Ereignis trat jetzt am letzten Tag im Oktober ein, an dem das Gnadenbild der Muttergottes, der „Trösterin der Betrübten“, in feierlicher Prozession wie in jedem Jahr nach St. Josef getragen wird, wo es bis Ende April überwintern kann. Über Wochen und Monate ist die Kapelle saniert worden. Die äußere Restaurierung ist schon etwas länger her.

Der Besucher tritt durch zwei Türen in einen lichtdurchfluteten Raum. Die Wände sind strahlend weiß. Die großen Fenster, deren Spitzbögen wahrscheinlich der Neo-Gotik nachempfunden sind, werden von gemalten Trauben umrankt.

Das Auge jedoch wird an der Stirnwand vom Altarraum eingefangen. Architekt Arno Knott bezeichnete diesen neu gestalteten Raum als „Altarinsel“. Zwei Stufen hoch stehen mittig der Altar, links aus Sicht der Gläubigen das Ambo und rechts der Tabernakel. Das drehbare Ambo, der Altartisch und Tabernakel sind aus Stahl und ruhen auf unbearbeitetem Stuckbeton, was den Eindruck von Lebendigkeit vermittelt. Eingefasst ist die so genannte Altarinsel an ihrer Rückseite von horizontal liegenden alten Eichenbälkchen verschiedener Dicke.

Zur Decke hin wölben sich die Balken zu einem kleinen Baldachin. Die kleine Kirche steht auf einer mehr als einen Meter dicken Schuttschicht, den Überbleibseln des großen Kriegs. Den Boden des Innenraumes bedecken Stücke und Stückchen von Fliesen der Ruine wie Patchwork. Neben dem Gnadenbild fehlen noch ein Kreuzweg, Sitzkissen auf den Kirchenbänken und einige andere Kleinigkeiten. „Die Idee war“, erzählte Pfarrer Ernst Joachim Stinkes, „den Blick auf das Gnadenbild, das jetzt in der Kirche St. Josef überwintert, in der Mitte zu lenken.“ „Gelungen ist es“, resümierte Architekt Arno Knott, „alte und neue Elemente in einer zeitgenössischen Formsprache zu verbinden.“ Jetzt müssten nur noch die Menschen das Ganze mit Geist erfüllen, ergänzte Knott.

Die restaurierte Kapelle wurde 1895 eingeweiht. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie Anfang der 1950er Jahre wiederaufgebaut. Unweit des neuen Kirchleins steht die alte Kapelle. Urkundlich wird diese 1420 zum ersten Mal erwähnt. Sie konnte nur 30 Menschen aufnehmen. So wurde dann nebenan die neue Kapelle errichtet.

Die veranschlagten Kosten für die Sanierung des Innenraumes des neuen Muttergotteshäuschens von 269.000 Euro sollen auf keinen Fall überschritten werden, hieß es aus den Reihen des Kirchenvorstandes. Nach Fertigstellung des sakralen Denkmals wird es eine Einweihungsfeier geben.

(bel)