Musik Reise bei Konzert auf Schloss Burgau

Konzert auf Schloss Burgau : Musik-Reise durch Spanien und Amerika

Iberoamerikanische Klänge waren angeboten und die Besucher auf Schloss Burgau konnten sie hören — leise, geflüstert und gehaucht sowie laut mit heftigem Klang, den die kahlen Wände im Konzertsaal ungedämpft widergaben.

Selbst die bestgespielte Musik wird dann zu einer Tortur für die Trommelfelle. Vasco Dantas, geboren im portugiesischen Porto, spielte den Klavierpart mit vollendeter Technik, großem Engagement und charmanter Empathie. Vielen Dürenern ist er durch seine Teilnahme am Klaviermeisterkurs von Heribert Koch im Jahre 2015 bekannt.

Sein Kollege Tomás Costa entlockte der Violine Töne, die so nur selten zu hören sind. Flüstern, Hauchen, ja manchmal war ein Säuseln zu hören, von dem meist nur ein Eingeweihter weiß, wie diese Töne zustande kommen. Eine Beschreibung ist wahrlich nicht einfach. Die Besucher konnten nahezu alle Techniken, die auf einer Violine umgesetzt werden können, ausgiebig genießen.

Beide Musiker zeigten sich bei einigen Passagen als exzellente Solisten, im Zusammenspiel zeigten sie, wie schwere Aufgaben gemeinsam durch Können und blindes Vertrauen gelöst werden können.

Die Aufgaben erstreckten sich von einer Sonate von Luis de Freitas Branco (1890-1955) über Melodien aus George Gershwins (1898-1937) „Porgy and Bess“ zu spanischen Waisen aus dem Bereich der Volksmusik von Manuel de Falla (1876-1946) bis hin zu dem Adagio aus „Nocturno“ von Joly Braga Santos (1924-1988) sowie einem Meister südamerikanischer Tango-Weisen, Astor Pantaléon Piazzolla (1921-1992).

Schon mit der Sonata No. 1 von Branco setzten die beiden Musiker ein erstes Zeichen ihres Könnens. Faszinierend die Bogenführung, begleitend das Klavier bei der Wiederaufnahme des Themas.

Abstecher nach Amerika

Mit „Porgy and Bess“ von Gershwin machte das Duo einen Abstecher in die USA. „Summertime“, „My Man´s Gone Now“ oder „Tempo di Blues“ bekamen die Männer und Frauen im Saal einen Blick auf ein Musical, wenn es von Violine und Klavier interpretiert wird. Was hatte der Komponist Maurice Ravel bei einer Begegnung mit Gershwin gesagt? „Du bist schon Gershwin. Warum willst du ein zweiter Ravel werden?“ Vasco Dantas, der das Programm moderierte, gab diese Anekdote zum Besten.

Mit Manuel de Fallas „Suite Populaire Espagnole“ nahmen Streicher und Pianist ihre Hörer mit auf eine musikalische Reise durch die spanischen Regionen. Wilde Tänze aus Andalusien wurden abgelöst durch besinnlich-melancholische Weisen anderer Landstriche.

„Das Adagio aus Nocturno von Santos ist so ähnlich wie der Zustand in einem Krankenhaus, wenn der Patient (nach Einnahme starker Schmerzmittel) zwischen Realität und Traum schwebt“, erklärte Vasco Dantas. Auf Violine und Klavier regierten die Crescendi und Decrescendi, das Laute im Wechsel mit dem Leisen, das Schleierhafte und das Brutale. Sowohl Trauer als auch Wut ließen sich heraushören. Das Aufwachen nahm einen zarten Ausklang.

Mit Piazzollas „Histoire du Tango“ lernten die Gäste den Werdegang des Tangos kennen. Der „Bordel-Tango“ 1900 lässt die Violine freudig lachen, 1930 malt Piazzolla eine „Café-Haus-Atmosphäre“ in den Raum. Der Tango im „Nightclub“ 1960 wirkt ausgelassen und unvollendet. Die letzte Version im Jahr 1990 enthält Disharmonien. Die Instrumente gehen wie die Menschen eigene Wege und individualisieren sich. Geige und Klavier wirken zerstörerisch. Hier und da flackert vergeblich der Wille zur Harmonie auf. Umsonst.

Mit diesem Konzert hat die „Cappella Villa Duria“, das „Konzertforum der Stadt Düren“, mit ihren Chefs Johannes Esser und Dr. Gisela Hagenau, wieder ein musikalisches Highlight präsentiert.

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