Düren: Musicalproduktion mit politischer Aussage

Düren: Musicalproduktion mit politischer Aussage

„Das ist seit 31 Jahren die erste Musicalproduktion dieser Art an unserer Musikschule. Ich freue mich schon und bin sehr gespannt zu sehen, was sich da entwickelt hat.” Musikschuldirektor Johannes Esser lächelt.

Vielleicht, weil er weiß oder zumindest vermute, dass das, was sich da an seiner Musikschule entwickelt, eine tolle Sache wird.

78 Kinder und Jugendliche der Musikschule Düren zwischen acht und 17 Jahren arbeiten nämlich seit gut anderthalb Jahren an der Entwicklung einer eigenen Musicalproduktion - und proben im Augenblick fast jeden Tag. Unterstützt werden sie dabei von den Musikpädagogen und Musikern Konny Hanrath-Elsen, Ina Hagenau, Lothar von Hoegen, Gisela Neumann-Wibbecke, Wolfgang Tombeux und Dietmar Krüger.

Demonstration gab Impuls

Konny Hanrath-Elsen, die die Musical-Arbeitsgemeinschaft an der Musikschule leitet, erzählt: „Wir waren vor anderthalb Jahren auf Stoffsuche für ein neues Musical-Projekt unterwegs. Damals sollte in Düren eine Demonstration von Mitgliedern der rechten Szene stattfinden und das hat unsere Kinder sehr bewegt. Gemeinsam haben wir dann zu diesem Thema unsere Geschichte entwickelt.”

Erzählt wird die Story von vier Kindern, die durch ein Computerspiel in eine andere Zeit reisen und dort auf einem Sklavenmarkt im Amerika des 19. Jahrhunderts die Bekanntschaft mit der versklavten Akina machen. Die vier Kinder bringen das Mädchen mit in unsere Zeit, wo Akina sich zunächst auch sehr wohl fühlt. Erst als sie in der Schule auf eine Gruppe von Neonazis trifft, wird die Situation kritisch.

Für Texte und Regie des Musicals ist Konny Hanrath-Elsen zuständig, die Musik hat Ina Hagenau zum Teil arrangiert, zum Teil komponiert. Frau Hagenau: „Für die Szenen auf dem Sklavenmarkt des 19. Jahrhunderts konnten wir ganz bequem auf Gospels und Spirituals zurückgreifen, die natürlich ganz genau in diese Zeit passen. Für unsere jetzige Zeit habe ich die Musik dann selbst komponiert.”

Herausgekommen sind ganz moderne Klänge aus den Bereichen Rock, Hip Hop und auch ein bisschen Broadway. Ina Hagenau: „Ich habe einen Tag lang im Internet über die rechte Szene gegoogelt. Das war für mich eine sehr extreme Erfahrung, die mir sogar körperlich Probleme gemacht hat.”

Bewusst haben sich Ina Hagenau und Konny Hanrath-Elsen trotzdem für sehr deutliche Formulierungen entschieden. „So spricht man nun einmal in der rechten Szene. Aber es ist wichtig, dass gerade jüngere Kinder, die sich unser Musical ansehen, von ihren Eltern auf die Problematik vorbereitet werden. Wenn das geschieht, hat unser Musical einen enorm präventiven Charakter.”

Insgesamt kostet die umfangreiche Musicalproduktion, die übrigens musikalisch von der Rockband „Ozonloch” der Musikschule begleitet wird, um die 6500 Euro. Einen Teil der Kosten übernehmen die Geschäftsleute des „Gelben Viertels” in Düren, den Rest trägt der Förderverein der Musikschule, der sich Mitgliedbeiträgen und Spenden finanziert.

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