Düren: Müll-Taucher: Essen aus dem Abfallcontainer

Düren: Müll-Taucher: Essen aus dem Abfallcontainer

Saskia, Niels und Frauke (Namen geändert) sind meistens nachts unterwegs. Oder spät abends. Alle drei haben dunkle Klamotten an, Niels hat eine Stirnlampe, Frauke einen ziemlich großen Rucksack. Ziel der drei jungen Leute sind Müllcontainer auf Supermarkt-Parkplätzen in Düren und manchmal auch in Langerwehe.

Saskia, Niels und Frauke sind „Müll-Taucher“, sie ernähren sich von dem, was andere Leute wegwerfen. Und zwar aus Überzeugung. Saskia (22) studiert Kunst und Biologie auf Lehramt, Niels (19) macht eine Steinmetz-Lehre und Frauke (19) absolviert ein Freiwilliges Soziales Jahr. „Wir haben Geld, um uns Essen zu kaufen“, sagt Frauke. „Darum geht es nicht.“ Die drei jungen Leute essen vielmehr aus Überzeugung die Lebensmittel aus dem Müllcontainer. „Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft. Das sieht man daran, dass wir bequem von dem leben können, was andere wegwerfen. Das ist doch pervers.“

Innerhalb kürzester Zeit haben Niels, Saskia und Frauke an diesem Abend eine Packung Kekse, vier Becher Joghurt, drei Paprikaschoten und jede Menge Bananen zusammen. Sogar ein Stück eingeschweißte Fleischwurst finden sie im Abfall. Überall ist das Haltbarkeitsdatum abgelaufen, aber die Bananen und die Paprika sehen wirklich noch einwandfrei aus. „Diese kleine faule Stelle“, sagt Frauke, „ist Schuld, dass diese Paprika im Müll gelandet ist. Die schneide ich zu Hause einfach weg und gut ist.“

Die drei jungen Leute, die in der Regel zwei bis drei Mal in der Woche nach essbarem Abfall suchen, wissen, dass das, was sie tun strafbar ist. Deswegen stehen sie nicht mit ihrem richtigen Namen in der Zeitung. „Auch Abfall“, erklärt Polizeisprecher Ralf Meurer, „ist ein Verwertungsprodukt. Und gehört dem Supermarktbesitzer. Deswegen ist das, was die jungen Leute tun, strafrechtlich diskutabel.“

Es sei denkbar, so Meurer weiter, dass die Abfälle zum Beispiel als Tiernahrung verwendet werden sollen. Hinzu komme, dass die Müll-Taucher nicht selten über einen Zaun klettern müssten, um nachts auf das Gelände des Supermarktes zu kommen. Meurer: „Das ist dann unter Umständen sogar Hausfriedensbruch.“ Ihm sei in Düren allerdings kein Fall bekannt, wo ein Fall von Müll-Tauchen vor Gericht gelandet sei.

Saskia Niels und Frauke klettern nicht über Zäune, und sie brechen auch keine Schlösser auf. „Wir wollen nichts kaputt machen. Das würde auch zu unserer Aktion irgendwo nicht passen.“

Thomas Bonrath, Sprecher der Supermarkt-Kette Rewe, sagt, dass das, was in Müllcontainern von Supermärkten landet, wirklich nicht mehr für den Verzehr geeignet ist. „Alles, was noch brauchbar ist, geben wir bundesweit an die Tafeln.“ Tim Vogel vom Edeka-Markt an der Valencienner Straße hat hier auch schon Müll-Taucher beobachtet.

„Das kommt bei uns ab und zu vor, meistens nachts. Wenn wir die Leute aber schon einmal antreffen, weisen wir immer darauf hin, dass es nicht gesund ist, die Lebensmittel, die wir weggeworfen haben, noch zu essen.“ Das sehen Niels, Frauke und Saskia natürlich anders. „Wir überprüfen ganz genau, was wir essen. Wir sehen uns die Sachen an, fühlen und riechen. Und von uns ist auch noch keiner krank geworden.“

(kin)
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