Gürzenich: Motorboot-Cup: Im Tiefflug über den Badesee

Gürzenich: Motorboot-Cup: Im Tiefflug über den Badesee

Der Rausch der Geschwindigkeit faszinierte am Wochenende Akteure und Besucher am Gürzenicher Badesee. Über die 1205 Meter lange Wasserstrecke hinweg flogen zwei Tage lang Motor- und Jetboote. Das 35 Hektar große Gewässer, das doppelt so groß ist wie etwa der Zülpicher Badesee, war Austragungsort der ADAC-Wettbewerbe Motorboot Cup, Motorboot Masters und Jetboot Cup.

Wie gefährlich der Rausch der Geschwindigkeit allerdings ist, das wurde gleich am Samstagmittag in einem der Trainingsläufe deutlich. Zwei über das Wasser hinweg rasende Boote touchierten sich in einer Kurve. Ein Gefährt blieb auf der Strecke liegen und soff teilweise ab, nachdem es Kiel oben über das Konkurrenzboot hinweggerollt war. Regoy Goelen aus Herrelt (Belgien), Pilot des havarierten Wasserflitzers, wurde umgehend von einem Spezialistenteam, bestehend aus Tauchern und einem Arzt, gerettet. Zum Glück blieb der Regoy Goelen unverletzt.

Über die 1205 Meter lange Wasserstrecke des Gürzenicher Sees hinweg flogen zwei Tage lang Motor- und Jetboote. Foto: Franz Sistemich

Da die futuristisch anmutenden Motorboote geschlossene Kabine besitzen, führen die Piloten an einem Bein eine kleine Sauerstoffflasche mit sich, die ihnen erlaubt, nach einer Havarie unter Wasser noch für wenige Minuten Luft über eine Sauerstoffmaske einzuatmen. In diesen Minuten muss die Kabinenklappe, notfalls auch unter Wasser, geöffnet und der Pilot befreit werden.

Bei derartigen Rennen, wie es nun schon zum zweiten Mal an der „Dürener Adria“ stattfand, reist mit den Akteuren immer ein speziell ausgebildetes Rettungsteam mit. Doch auch zwölf Mitglieder der Dürener DLRG (Deutsche Lebens Rettungsgesellschaft) waren mit einem Boot vor Ort. Einsatzleiter war Alexander Kreuel, sein Stellvertreter Bene Roitsch.

Über die 1205 Meter lange Wasserstrecke des Gürzenicher Sees hinweg flogen zwei Tage lang Motor- und Jetboote. Foto: Franz Sistemich

Alexander Kreuel informierte: „Uns obliegt bei dieser seltenen Veranstaltung eher die Sachrettung, zumindest auf dem Wasser, weil die Boote und die damit verbundenen Unfälle so speziell sind.“ Bereits im vergangenen Jahr setzten sich die Mitglieder der Dürener DLRG mit dem Rettungsteam des ADAC an einen Tisch und sprachen die Vorgehensweise ab, wenn ein Unglück geschieht.

Doch nicht nur die Aufmerksamkeit der Rettungskräfte war gefordert. Auch Klaus Schüller, Abteilungsleiter am Badesee in Düren, hatte ebenso wie sein Mitarbeiter Jörg Schlupp alle Hände voll zu tun. Der See musste in den vergangenen Tagen auf das Rennen vorbereitet werden. Sämtliche Wasserspielzeuge, teilweise groß wie ein Haus, mussten von der Bildfläche verschwinden.

An den Renntagen selber agierten Schüller und Schlupp unter anderem als Wassertaxibesatzung. Sie fuhren die Mitglieder der Rennleitung zu ihren Plattformen und die Journalisten auf die andere Seite des Veranstaltungsortes. Piloten aus der näheren Region gingen nicht an den Start.

1000 Zuschauer sahen an beiden Tagen die wilde Hatz über den Dürener Badesee. Am Sonntag applaudierten die Fans einem würdigen Sieger: In der Königsklasse der bis zu 130 Stundenkilometer schnellen Boote sicherte sich der Berliner Mike Szymura den Sieg vor dem letztjährigen Europameister Nikita Lijcs aus Lettland.