Morschenich-Neu: Lambertuskapelle soll 2020 eingesegnet werden

Lambertuskapelle soll 2020 stehen : Morschenich-Neu bekommt sein Gotteshaus, das wie eine Arche aussieht

Architektur kann wunderbar Geschichte erzählen, und deshalb wird die Lambertuskapelle im Umsiedlungsort wie ein gefaltetes Papierboot aussehen, wie eine Arche. Sinnbildlich soll sie für eine „vertriebene Kirchengemeinde“ stehen, so drückt es Architekt Axel Maria Schlimm aus.

Wenn das Gebäude – wie anvisiert – im März 2020 eingesegnet wird, bekommt Morschenich-Neu am Ludwig-Rixen-Platz ein extravagantes Markenzeichen, ein weiteres Stück Identität. Es löst aber auch ein großes Problem der Kirchengemeinde St. Laurentius. Weil der Friedhof schon verlegt worden ist, die Kapelle aber eben noch nicht steht, liegen zwischen Trauergottesdienst und Beerdigung rund sieben Kilometer. Der Bau soll Mitte 2019 beginnen, die Umsiedlung des Tagebauortes in der Gemeinde Merzenich wird 2023 abgeschlossen sein.

Die Andachten werden zukünftig in einem kleineren Gotteshaus stattfinden, denn wie der Name sagt, entsteht in Morschenich-Neu eine Kapelle. Die hat mit 60 Plätzen weniger als die Hälfte der Kirche im Ursprungsort, dort können 131 Menschen sitzen. Von der Kirche in Morschenich-Alt werden Madonna, Patronats-Stein und Tabernakel mitumziehen, von den Herb-Schiffer-Glasfenstern werden es wohl nur einzelne, weil sie eine andere Passform haben und der Einbau sehr teuer ist. „Die Gemeinde wird sich aber auf jeden Fall in ihrer neuen Heimat wiederfinden“, betont Architekt Schlimm. Das war auch ein Anliegen des Kirchenvorstandes um Rosemarie Zander und Heinz Welsch: „Es war ein Wunsch der Morschenicher, möglichst viel mitzunehmen.“

Seinen Friedhof hat der Umsiedlungsort bereits, die Kirche noch nicht. Ab 2020 soll sie auf der heute noch grünen Fläche das Ortszentrum am Ludwig-Rixen-Platz definieren. Foto: ZVA/Carsten Rose

Der Aachener Architekt ist spezialisiert auf Kirchen- und Kapellendesign, sein Büro war unter anderem am Umbau der Niederauer Grabeskirche beteiligt. Bei dem Projekt für Morschenich-Neu wollte er „tradierte, historische Kirchenbauwerke neu interpretieren“. Wenn Schlimm seinen Entwurf erklärt, gibt es viele Gedanken, die der Geschichte Gottes und der Kirche selbst entspringen. Der Sakralraum zum Beispiel ist als Metapher für die Dreifaltigkeit Gottes in Dreiecksform entworfen. „Das gesamte Gebäude ist nach Ost-West gerichtet, weil im Osten die Sonne aufgeht und Jesus das Licht der Welt ist“, erklärt Schlimm. Das einzige Fenster im Dach, das wie eine Kehle leicht einfällt, ist exakt über dem Altar eingelassen.

Das Modell, das Rosemarie Zander und Heinz Welsch aus dem Vorstand der katholischen Kirchengemeinde St. Laurentius präsentieren, haben Aachener Architekten entworfen. Foto: ZVA/Carsten Rose

Der Architekt erfüllt die Vorstellungen des Bistums Aachen, des Kirchengemeindeverbandes Düren-Eifel und des Kirchenvorstandes von St. Laurentius. Die Kapelle sollte alles andere als ein „0815-Gebäude werden“, sondern eines, dass „das Zentrum des Ortes definiert“. Auch deswegen wird der dreieckige Turm mit drei Glocken mehr als 22 Meter in die Höhe ragen, also doppelt so hoch als die höchsten Wohnhäuser drumherum. Und anders als bei historischen Kirchen mit freistehenden Türmen ist der der Lambertuskapelle in die Dachkubatur einbezogen. „Er ist eine Landmarke und soll zeigen: ,Die Kirche ist immer noch und wieder da’ – gerade in Zeiten, wo die Kirchen weniger werden“, betont der Architekt.

Anfang 2014 haben die Kirchenverantwortlichen begonnen, sich über die neue Kapelle Gedanken zu machen, die Gemeindemitglieder einbezogen. Der Entwurf, für den die Baugenehmigung bereits vorliegt, ist der zweite. Den ersten habe RWE abgelehnt, weil er zu teuer gewesen sei, erklärt Schlimm. „Bei den Kosten haben wir sehr knapp kalkuliert, das war eine Herausforderung. Denn die Entschädigung für die alte Kirche war nicht so üppig.“ Die Summe möchte das Bistum nicht nennen.

Die Morschenicher Kirche wird die letzte sein, die wegen des Tagebaus Hambach umziehen muss. Und sie wird dank ihrer Architektur wohl eine sein, die Besucher anlockt.

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