Es darf gelacht werden: Moritz Netenjakob erkundet die deutsche Gemütslage

Es darf gelacht werden : Moritz Netenjakob erkundet die deutsche Gemütslage

Mit dem Humor ist es so eine Sache – zumindest für Deutsche. „Wir tun uns schwer mit Unterhaltung, wollen immer wissen: Warum?“, stellte Moritz Netenjakob Donnerstagabend im „Komm“-Zentrum eine These in den Raum.

Eine These, die im Großen und Ganzen zustimmen mag, von den zahlreich anwesenden Zuschauern im Speziellen aber relativ schnell widerlegt wurde. Es dauerte nur wenige Minuten, bis Netenjakob bei seinem Soloauftritt im Rahmen der SWD.KOMMedy-Abende die Herzen und Lachmuskeln der Gäste gewonnen hatte.

Mit „Das Ufo parkt falsch“ war seine humoristische Erkundung der deutschen Gemütslage überschrieben. Oder anders formuliert: Würden Aliens die Hälfte des Landes in Schutt und Asche legen, müsste erst nach der Beschädigung eines Fast-Food-Restaurants US-Präsident Donald Trump Superhelden in den Kampf schicken, weil die Deutschen noch immer diskutieren, ob das Ufo im Halteverbot steht oder die Abstandsflächen zu Wohngegenden nicht einhält.

Viel schlimmer und vor allem lustiger war in Netenjakobs „deutscher Version“ des US-Kinohits „Independence Day“ – nur die Vorstellung, dass sich Herbert Grönemeyer, Udo Lindenberg, Peter Maffay und Jan Delay während des Angriffs aus dem Weltraum an der Bar treffen, um eine Friedenshymne zu texten und sich dabei in die Haare bekommen.

Moritz Netenjakob hat ein Talent, Worte aneinanderzureihen und fiktive Situationen und Begegnungen und Dialoge zu schildern, die absolut irrwitzig sind, aber irgendwie auch vertraut klingen. Das mag daran liegen, dass das Leben die besten Geschichten schreibt – und Netenjakob mit wachen Augen und wachem Verstand durchs Leben geht.

Die Frage, woher die „bescheuerten Ideen“ kommen, beantwortete er mit vielen Beispielen aus selbst erlebten Situationen. Sei es als Verfolger von Donald Trump-Tweets, als Ehemann einer türkischen Ehefrau, die munter neue Worte erfindet („Rauchfasertapete“), oder als Betreiber eines recht erfolglosen Cafés, dessen Existenz aber später die Grundlage für einen seiner erfolgreichen Romane legte. „Es war einfacher, einen Verleger für mein Buch zu finden als Kellner für das Café“, berichtete er.

Bevor er sich selbst auf die Bühne stellte, schrieb er für viele namhafte Comedians und TV-Formate die Scherze und Sketche. Kaum verwunderlich, dass sein Repertoire eine große humoristische Spannbreite und bei mancher gewollten Flachheit auch Tiefe besitzt. Wie gesagt: Das Dürener Publikum erwies sich als äußerst Humor-affin, manche Zuschauer brachte das Programm sogar zum Weinen, aus Freude selbstverständlich.

Und der Meister der Worte zeigte sich am Abend auch als feingeistiger Poet: „Lieber Mond, du hast es schwer, hast allen Grund zur Klage. Du bist nur zwölfmal voll im Jahr, ich bin es alle Tage“. In diesem Sinne: Es darf gelacht werden. Auch, wenn man manchmal nicht weiß warum.

Wer einen Nachschlag Humor-Theorie und vor allem Humor-Praxis haben möchte, sollte sich rechtzeitig Karten für den 9. April sichern. Dann kommt Moritz Netenjakob erneut ins „Komm“-Zentrum, aber mit einem neuen Programm.

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