Kreuzau: Modernes Turnen in Kreuzau: „Tricking“ statt Barren

Kreuzau: Modernes Turnen in Kreuzau: „Tricking“ statt Barren

Im Jahr 1815 hat Friedrich Ludwig Jahn in seinem Buch „Die Deutsche Turnkunst“ die Regeln für Übungen zur leiblichen Tüchtigkeit aufgeschrieben. Er ging in die Geschichtsbücher als „Turnvater Jahn“ ein, aber in der Kreuzauer Geschichte spielt „Sportvater Konrad Schall“ eine viel größere Rolle.

Denn er war es, der 1889 in dem damals noch beschaulichen Dorf mit turnbegeisterten Männern einen Turnclub gründete, der heute mehr als 1800 Mitglieder zählt. Angefangen hat alles mit klassischen Turnübungen im Saal der Gaststätte Peter Vieth (dem heutigen Al Dente). Bei drei Mark lag der Spitzenlohn für einen Tag harter Arbeit damals. Wer ein Bier trinken wollte, musste einen Groschen bezahlen, und ein ganzer Hering zur Mahlzeit galt bereits als „Luxus“.

Geschäftsführer des Turnclubs: Matthias Voßen. Foto: smb

Das alles ist lange her: 125 Jahre wird der Verein in diesem Jahr alt — und das wird derzeit mit einer großen Festwoche gefeiert. Dass ein Jubiläum gefeiert werden kann, ist nicht selbstverständlich. So haben die beiden Weltkriege große Feste zum 25-jährigen und zum 50-jährigen Bestehen unmöglich gemacht.

In den 125 Jahren haben sich der Sport und die Sportkleidung stark verändert. Während die Turner in den 50er Jahren in weißen Leibchen und einheitlichen Hosen vor ihrem Publikum standen, bieten die Kinder und Jugendlichen aus der „Tricking“-Abteilung ein buntes und wilderes Bild.

„Ein Verein muss mit der Zeit gehen“, beschreibt Geschäftsführer Matthias Voßen. Für viele junge Menschen seien Barren, Reck und Ringe heute eben weniger verlockend als Zumba und Aerobic. Beim besonders beliebten „Tricking“ kommen Gymnastik, Breakdance und verschiedene Kampfsportarten zusammen.

„Wichtig ist, dass die Menschen in Bewegung bleiben. Wer sich bewegt, wird seltener krank“, sagt Josef Ruland. Er muss es wissen. Seit Anfang der 50er Jahre ist der 72-Jährige Übungsleiter beim Turnclub Kreuzau. Als Trainer hat er Sportler zum Landesmeistertitel gebracht. Auch er selbst hat auf diesem Niveau geturnt — am liebsten auf dem Boden. „Da waren wir wirklich gut drin.

Wir konnten Flickflacks, Salti, das ganze Programm“, erinnert sich der Sportler. Bis heute ist Josef Ruland dem Sport und dem Verein treu geblieben. Jeden Dienstag leitet er eine Gymnastikgruppe für Menschen in der zweiten Lebenshälfte. Der älteste Teilnehmer ist stolze 94 Jahre alt.

Neben dem Sport weiß Josef Ruland die soziale Komponente des Sports im Verein zu schätzen. Die Geselligkeit, die mit dem Vereinsleben einhergeht. „Früher spielte die Disziplin natürlich eine viel größere Rolle“, erinnert er sich.

Aber auch heute geht es beim Sport im Verein nicht nur um Geselligkeit und Bewegung, allerdings ist das Wort „Disziplin“ ein wenig aus der Mode gekommen: „Das soziale Lernen in einer Sportgruppe spielt eine wichtige Rolle“, betont Geschäftsführer Matthias Voßen mit Blick auf die jungen Sportler. „Wo spielen denn Kinder heute noch fünf zu fünf auf der Straße Fußball?“, fragt er und betont damit die Bedeutung des Vereinssports.

Sorgen um die Zukunft des Turnclubs Kreuzau macht sich Geschäftsführer Matthias Voßen nicht: „Der Verein war noch nie so groß wie jetzt. Wir hatten noch nie so viele Mitglieder. Trotzdem wäre es natürlich schön, wenn wir die 2000er Marke irgendwann knacken könnten.“

Folgendende Abteilungen gibt es beim Turnclub Kreuzau: Turnen, Volleyball, Badminton, Ju-Jutsu und Judo, Schwimmen, Tanz sowie Gymnastik — von „Rücken-Fit“ bis „Fit für Mollige“. Ein Mädchen-Team widmet sich unter der Leitung von Tanja Rothkopf dem Leistungsturnen.