Vettweiß: Moderne Kunst zwischen Lärm und Schweiß

Vettweiß: Moderne Kunst zwischen Lärm und Schweiß

17000 Tonnen Aktivkohle werden Jahr für Jahr beim Vettweißer Unternehmen Carbon Service & Consulting GmbH (CSC) umgeschlagen. Die rund 35 Beschäftigten stellen Filteranlagen her, die bei der Luft-, Gas- und Wasserreinigung zum Einsatz kommen.

Ein teilweise harter Job unter nicht immer nur angenehmen Bedingungen. Wer am 1400 Grad heißen Ofen steht, in dem die Kohle gereinigt wird, kann ins Schwitzen geraten — oder einen Blick auf Kunstwerke werfen.

Die ungewöhnliche Idee zu einer Ausstellung von Kunstwerken im laufenden Betrieb kam Geschäftsführer Dr. Wolfgang Esser-Schmittmann im letzten Jahr in Aachen, wo er eine Ausstellung des Aachener Künstlers Stefan Tiersch besuchte und von dessen Werken beeindruckt war. „Tiersch bezeichnet seine Werke als ‚ungefiltert‘, also frei von Konventionen und Techniken“, erklärt Esser-Schmittmann. „Zu einem Unternehmen, das Filteranlagen herstellt, passt das doch perfekt“, dachte sich der Unternehmer, kam mit den Künstler ins Gespräch und lud ihn zu einer Ausstellung im laufenden Betrieb ein.

„Mich reizt es, mit meinen Werken da hinzugehen, wo die Menschen arbeiten“, ergänzt der 31-jährige Künstler Stefan Tiersch, den noch etwas anderes fasziniert: „Wir befinden uns hier eben nicht in klinischen Räumen, sondern mitten im Leben. Und ich will auch deutlich machen, dass Kunst nicht etwas Elitäres ist.“

110 seiner Werke präsentiert Tiersch — Bilder, Collagen, Skulpturen aus Holz oder Ton, kleine Figuren. Und er nutzt den gesamten Produktionsbetrieb — tabu sind aus sicherheitstechnischen Gründen lediglich der Leitstand und der Abfallbereich.

Stefan Tiersch sorgt für Blickfänge. Seine sehr kleinteiligen Arbeiten zwingen zum genauen Hinsehen, regen zum Nachdenken an. Und er hat vor allem keine Scheu, den angebotenen Raum zu nutzen. Egal ob Hochofen oder der unvermeidlich mit Kalendern leicht bekleideter Frauen gespickte Aufenthaltsraum — Tiersch findet für jeden Raum das passende Kunstwerk, das sich teilweise harmonisch in den Raum einfügt.

Schon vor der Ausstellungseröffnung am morgigen Mittwoch hat Wolfgang Esser-Schmittmann eines seiner Ziele erreicht. Er wollte die Kunst zu den Menschen bringen, die normalerweise nicht in ein Museum gehen. Die ersten Reaktionen seiner Mitarbeiter sind durchaus positiv. „Natürlich gab es auch Sätze wie ‚Was sollen wir jetzt damit?‘. Aber es ist schön zu beobachten, dass die Mitarbeiter sich die Kunstwerke auch länger angucken und in ihrer Kaffeepause darüber reden“, freut sich der Unternehmer.