Düren: Mit Messer zugestochen, Täter freigesprochen

Düren: Mit Messer zugestochen, Täter freigesprochen

Er rammte seinem gegenüber das Taschenmesser vier Zentimeter tief in den Bauch. Nur durch eine rasche Operation konnte das Opfer gerettet werden.

Dennoch wurde der Angeklagte Donnerstag vom Amtsgericht Düren freigesprochen. Gericht und auch Staatsanwältin sahen es Donnerstag als erwiesen an, dass der 38-Jährige bei dem Vorfall vergangenes Jahr im Langemarckpark in Notwehr gehandelt hat.

Nach Angaben der Staatsanwältin hat sich der Vorfall am 12. Mai 2009 so abgespielt: Eine Gruppe Drogenabhängiger hatte sich im Park in der Nähe des Bahnhofes getroffen. Darunter auch Igor R., der plötzlich aggressiv wurde. Er soll sich einen Stock aus dem Gebüsch gezogen und damit auf den Angeklagten eingeschlagen haben. Doch damit nicht genug, soll der Angreifer den Angeklagten massiv in Daumen und Unterarm gebissen haben.

Die Staatsanwältin: „Der hat ganz ordentlich zugeschnappt.” Der Angeklagte habe Igor R. immer wieder aufgefordert, die Angriffe einzustellen. Zuletzt habe er ihm gedroht: „Wenn du jetzt nicht damit aufhörst, steche ich dich ab.” Doch dies habe den Angreifer nicht beeindruckt, er sei immer wieder gewalttätig geworden. Rudolf D. habe keine Wahl gehabt: Um sein Leben zu schützen, habe er dann tatsächlich zugestochen.

Igor R. wurde gerettet, weil in diesem Augenblick eine Polizeistreife routinemäßig den Park ansteuerte und den Notarzt alarmierte. Im Krankenhaus Düren wurde das Opfer operiert. Auch Igor R. war Donnerstag als Zeuge vor Gericht geladen worden, um den Vorfall aus seiner Sicht zu schildern. Doch der 37-Jährige betrat schon unwillig den Gerichtssaal und zeigte wenig Lust, überhaupt ein Wort zu sagen. Auch die Warnung von Richter Wingen, „beim nächsten Mal sind Sie vielleicht tot”, konnte das Tatopfer nicht dazu bewegen, sich zu äußern. Sein einziger Kommentar: „Ich weiß nichts mehr, der Alkohol.”

Weitere geladene Zeugen waren erst gar nicht zur Verhandlung erschienen. Der resignierende Kommentar des Richters: „Die sind wahrscheinlich wieder alle im Park, um ihre Geschäfte abzuwickeln.” Gemeint war wohl der Umschlag von Drogen. Wingen verärgert: „Man kennt sich, man schlägt sich und verträgt sich - und die Staatskasse muss am Ende alles bezahlen.” Womöglich hat auch das mangelnde Interesse des Opfers zum Freispruch von Rudolf D. beigetragen. Entscheidend war jedoch die Notwehrsituation. Und dass der mehrfach vorbestrafte Angeklagte in der Zeit seit der Tat eine Entziehungskur mit Erfolg bewältigte und sich inzwischen um ein geregeltes Leben mit Arbeitsstelle bemüht. „Bleiben Sie auf diesem Wege, dann können Sie noch die Kurve bekommen”, gab Richter Wingen dem 38-Jährigen einen guten Rat mit.

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