Profi-Radsportler Per Christian Münstermann: Mit eisernem Wille und viel Disziplin

Profi-Radsportler Per Christian Münstermann : Mit eisernem Wille und viel Disziplin

Drei Jahre hat Per Christian Münstermann sich Zeit gegeben, dann will er sich seinen großen Traum erfüllen und bei der Tour de France mitfahren. Münstermann ist 19 Jahre alt, betreibt seit sechs Jahren leistungsmäßig Radsport und hat im Januar seinen ersten Profivertrag beim Team Sauerland SKS Germany unterschrieben.

Ende August ist er bei der Deutschland-Tour mitgefahren. Für den jungen Sportler war das der Höhepunkt dieser Saison. „Mit 19 Jahren einen Profivertrag zu haben ist sehr jung“, sagt Münstermann, der mit seinem Team in der dritthöchsten Klasse, der „Continental Liga“, fährt. „Umso mehr habe ich mich über das Angebot von Team Sauerland gefreut.“

Ehrgeiz und Disziplin zeichnen Per Christian Münstermann aus Heistern aus. Foto: kin

Noch zu Amateurzeiten war Münstermann zweimal Deutscher Meister und immerhin Vierter bei der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr. Er wird von Robert Pawlowski trainiert, der auch mit Tour-de-France-Etappensieger Marcel Kittel arbeitet. „Ich denke, dass ich mit meinen Erfolgen auf mich aufmerksam gemacht habe“, sagt Münstermann. „Und ich will diese Chance auf jeden Fall nutzen.“

Der Stützpunkt von Team Sauerland ist in Köln, 14 Fahrer gehören zur Mannschaft. „Sechs können pro Rennen dabei sein“, erzählt Münstermann. „Bis jetzt konnte ich mir aussuchen, wo ich starte. Obwohl ich noch so jung bin, habe ich schon einen guten Status im Team.“ Wenn die Mannschaft nicht gerade im Trainingslager ist, trainiert jeder für sich selbst. Münstermann startet meistens von zu Hause in Heistern in Richtung Belgien. „Ich schätze“, erzählt er, „dass ich in diesem Jahr schon auf 21.000 Kilometer im Sattel komme.

Genauer Trainingsplan

Die Tour-de-France-Fahrer absolvieren noch mal um die 10.000 mehr. Ich muss mich also ranhalten.“ Jeden Morgen gibt Münstermann seinem Trainer telefonisch sein Gewicht und seinen Ruhepuls durch, damit Pawlowski einen genauen Trainingsplan erstellen kann. Münstermann: „In der Regel trainiere ich täglich zwischen drei und fünf Stunden. Es kommt aber zum Beispiel darauf an, welche Geschwindigkeit ich fahren und wie viele Sprints ich einlegen soll.“

Eine Schwierigkeit beim Sprung in die Profi-Liga war für ihn, dass die Renndistanz mit 250 Kilometern deutlich länger ist als vorher. „Ich musste erst lernen, diese Distanz in einem gewissen Tempo durchzuhalten. Das ist mir aber schon im Januar gelungen. Und jetzt bin ich in dem Rhythmus schon voll drin.“ Klar, dass Münstermann für seinen Sport viele Opfer bringen muss. „Alkohol ist für mich absolut tabu, und ich gehe auch nie feiern.“ Außerdem isst er viel Gemüse und Fisch — nur das morgendliche Brot mit Nuss-Nougat-Creme kann er sich nicht verkneifen. „Ich weiß aber, dass der Tag kommen wird, und ich darauf auch verzichten muss, solange genieße ich es noch.“

Im Urlaub fehlt Bewegung

In der Regel schläft der Rad-Profi neun Stunden. „Wenn ich im Urlaub bin und einmal nicht trainiere“, erzählt er, „bin ich schon nach vier Stunden wieder hellwach. Und irgendwann fange ich im Urlaub an, ohne Ende Treppen hochzulaufen. Mit fehlt dann die Bewegung.“ Münstermann ist davon überzeugt, dass der Grundstein für seine große Disziplin und seinen Ehrgeiz beim Dürener Turnverein gelegt wurde. „Meine Trainerin bei der Kinder-Leichtathletik war Anne Ploennes. Von der habe ich Disziplin gelernt und die Gewissheit, dass man alles erreichen kann, wenn man nur hart genug an sich arbeitet.“

Natürlich kennt Münstermann die Doping-Skandale im Radsport.„Wenn ich manchmal beim Training Freizeit-Radler überhole, brüllen die mir manchmal ‚Scheiß-Doper‘ hinterher. Das tut schon weh, vor allem weil ich weiß, wie hart ich arbeite und wie schwer es manchmal ist, gerade im Winter bei Regen und Kälte zu trainieren.“ Andererseits hätten natürlich die schwarzen Schafe in seinem Sport das Radfahren selbst in Verruf gebracht. „Wir jungen Leute müssen jetzt daran arbeiten, dass das Image wieder besser wird.“

Münstermann fährt mit seinem Team Rennen auf der ganzen Welt. Trotzdem war die Deutschland-Tour bisher eines seiner größten Erlebnisse. „Es war sehr aufregend. Und es war auch einmalig, mich selbst im Fernsehen bei einem Rennen zu sehen. Davon habe ich als Kind immer geträumt.“

Drei Jahre, dann will Münstermann in der höchsten Liga, der World-Tour, mitfahren. Das ist auch Voraussetzung für eine Teilnahme an der Tour de France. Und wenn das nicht klappt? „Dann brauche ich Plan B. Aber daran will ich jetzt noch nicht denken. Mein Fokus liegt zu 100 Prozent auf dem Radsport.“

Mehr von Aachener Nachrichten