Golzheim: Mit dem Buggy von Golzheim nach Malta und zurück: Der 1700-Kilometer-Ritt

Golzheim : Mit dem Buggy von Golzheim nach Malta und zurück: Der 1700-Kilometer-Ritt

Einen Namen hat das vierrädrige Gefährt von Jürgen Müller nicht. Er nennt ihn kurz seinen „chinesischen Stahlhaufen“. Was so wenig liebevoll klingt, täuscht. Immerhin will er mit dem Stahlhaufen Ende Mai bis nach Valletta fahren.

„Mann muss schon ein bisschen bekloppt sein, aber wir planen das jetzt seit zwei Jahren“, wirft Karl-Heinz Dolgner ein — ebenfalls begeisterter Buggy-Fahrer aus Nettersheim, der sich der Tour, die am 26. Mai in Golzheim startet, angeschlossen hat. Müller, der beruflich Motorräder verkauft, ist vor vielen Jahren auf die Buggys gestoßen, weil er „entschleunigt Spaß haben wollte“, wie er sagt. „Mit 23 PS fährt man spazieren. Es ist pure Technik, automobilähnlich, defensiv, ohne technische Helfer wie ESP oder Servolenkung. Und es ist zudem noch ein bezahlbares Hobby.“ Hinzu kommt, dass Müller und Dolgner beide gerne selbst Hand ans Gefährt legen. Müller: „Buggys kommen heute fast nur noch aus China, da gibt es dann immer was zu Schrauben.“

Manchmal schnappt sich Müller an Wochenenden einfach seinen 13-jährigen Sohn, packt ein Zelt hinten auf den Buggy und fährt los. „Dann bleibt das Handy vom Sohn zu Hause und er merkt, dass es auch ein anderes Leben gibt.“ Ein entschleunigtes.

Und Malta? Das ist auch so eine Liebe von Jürgen Müller. Seit mehr als 30 Jahren schon. Drei bis vier Mal im Jahr ist er dort, hat inzwischen maltesische Freunde, die natürlich Buggy fahren. Und weil Jürgen Müller von seiner Liebe zu Malta alles andere als entschleunigt berichtet, haben sich seine Freunde aus einem Buggy-Forum der Idee, in sechs Tagen bis nach Malta zu fahren, spontan angeschlossen. Startpunkt ist in Golzheim, von dort geht es bis nach Eurasburg in der Nähe von München.

Mit vier Buggys fährt die Truppe los, ein weiterer Mitfahrer stößt dann in Eurasburg dazu. Von da geht es weiter über Liechtenstein, den Malojapass in der Schweiz bis nach Genua, per Schiff bis Palermo, dann quer durch Sizilien mit einem Stopp am Ätna und weiter mit der Fähre nach Valletta auf Malta. Rund 1700 Kilometer legen die Fahrer über Land zurück.

Begleitfahrzeug mit Ersatzteilen

Am 31. Mai wollen die sieben Fahrer mit ihren fünf Buggys ankommen — wenn alles gut geht und die „Schrauber“ unterwegs alles im Griff haben. Ein Begleitfahrzeug mit Ersatzteilen wird es nämlich nicht geben. Jürgen Müller: „Das ist so, wie früher der Vater mit seinem Taunus über die Alpen gefahren ist und den Kühler selbst reparieren musste.“ Der maltesische Freund von Jürgen Müller wird übrigens eigens nach Köln fliegen, um in Müllers Buggy die Tour selbst mitzufahren.

In Valletta werden sich die Fahrer mit dem German Maltese Circle treffen, dem Äquivalent der Deutsch-Maltesischen Gesellschaft, der Müller angehört. Zudem wollen sie an einem Buggy-Treffen teilnehmen und mit hoher Wahrscheinlichkeit schaffen sie es auch ins Fernsehen, zumindest hat bereits ein Sportsender Interesse bekundet.

Kultur steht ebenfalls auf dem Programm, immerhin ist Valetta in diesem Jahr auch Kulturhauptstadt Europas. Jürgen Müller: „Wir wollen einfach den Motorsport mit dem kulturellen Austausch verbinden. Und in Zeiten, in denen in Europa eher wieder die Ellenbogen eingesetzt werden, wollen wir ein anderes Zeichen setzen.“ Fünf Tage bleiben die Buggy-Begeisterten auf der Insel im Mittelmeer, dann geht es wieder nach Hause — wieder mit dem chinesischen Stahlhaufen.

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