Düren: Mit 74 Jahren zur Netz-Expertin

Düren: Mit 74 Jahren zur Netz-Expertin

Das Ambiente erinnert an die Kreativ-Zentrale einer Firma, die viel mit dem Thema Internet zu tun hat. Lauter Laptops stehen auf einem großen Tisch. Viele Finger flitzen über die Tastaturen der mobilen Computer.

Probleme kommen sofort auf den großen Tisch. Und die Lösung klingt immer ganz einfach. „Dann tu datt doch mal googeln!”

Den Satz sagen die Senioren, die im Internetcafé der Evangelischen Gemeinde Düren im Netz unterwegs sind, oft. Das Internet weiß die Lösung fast immer. Und Inge Seekircher ist heilfroh darum. Die Dürenerin ist nicht mehr so mobil wie sie es gerne wäre. Das gilt aber nur für die Füße. Im Kopf sieht das ganz anders aus. Die 74-Jährige weiß sich zu helfen, weil sie bei der Evangelischen Gemeinde gelernt hat, wie Computer und Internet funktionieren. Das Café besteht seit zehn Jahren. Vor acht Jahren hat Inge Seekircher das Angebot erstmals wahrgenommen.

„Am Anfang habe ich nicht verstanden, was ein Computer ist”, so Seekircher. Ein bisschen Angst hatte sie sogar vor dem seltsamen Ding. Tastatur und Bildschirm - das wars aus ihrer Sicht. „Dass der PC unter dem Tisch steht, war mir völlig neu”, sagt sie heute und muss lächeln. Heute ist die Senioren eine echte Expertin. Ihre Bankgeschäfte erledigt sie von zu Hause aus, die Bestellung bei der Apotheke ebenfalls.

„Das Internet ist mein Tor zur Welt”, so Inge Seekircher. Dank der beinahe allwissenden Suchmaschine Google zum Beispiel kann sie sich das Fach-Chinesisch, das ihr begegnet, übersetzen. Die Diagnosen des Arztes versteht sie heute. Und ihre Medikamente googelt sie auch. „Ich finde im Internet alles völlig verständlich erklärt. Diese Packungsbeilagen kann ich sowieso nicht lesen. Die Schrift ist viel zu klein.”

Einen Schritt müssen die Senioren, die das Internetcafé besuchen, selbst gehen: Sie müssen ihre Angst überwinden. „Ich hatte die Sorge, dass ich etwas kaput mache”, erzählt Erika Schultheiß von ihren ersten Momenten mit Computer und Internet. 2004 war das. Heute sieht das anders aus. „Ich hätte nie gedacht, dass mich das Thema so faszinieren würde.” Die Dürenerin ist leidenschaftliche Köchin und Bäckerin. Teig kneten kann Kollege Google nicht. Dafür findet sie im Netz Dekorationen für Torten. „Sowas gibt es meistens in England oder den USA. Ich kann es mit ein paar Klicks bestellen.”

Das findet sie faszinierend. „Mir ist es ein paar Mal passiert, dass ich so lange im Internet unterwegs war, dass es draußen dunkel war.” Deswegen setzt sich die Dürenerin jetzt ein Zeit-Limit. Trotzdem ist sie froh, den Schritt ins Internet gemacht zu haben. „Ich hätte nie gedacht, dass das noch in meinen Kopf passt. Aber es passt.” Und wenn es mal nicht passt, dann hilft zum Beispiel Norbert Metzker. Über 30 Jahre hat der Dürener mit Computern gearbeitet. Heute ist der 67-Jährige einer von acht ehrenamtlichen Mitarbeitern, die die Senioren im Internet begleiten.

An drei Tagen in der Woche geöffnet

Das Internetcafé der Evangelischen Gemeinde hat montags, mittwochs und freitags von 10 bis 13 Uhr geöffnet. Die Besucher zahlen zwei Euro pro Stunde Nutzungsgebühr. Dafür können sie mit ihrem Laptop oder einem der fest eingerichteten Computer im Internet surfen. Das Angebot richtet sich an Menschen ab 46 Jahre. Die Besucher können auch Kurse belegen. Derzeit ist ein Kurs für Bildbearbeitung in Vorbereitung.