Kreis Düren: Millioneninvestition: WVER will dem Gestank ein Ende bereiten

Kreis Düren: Millioneninvestition: WVER will dem Gestank ein Ende bereiten

Wer in Düren die Nase rümpft, macht dies manchmal auch, weil er kurz zuvor an der Kläranlage vorbeigekommen ist. Und da unterliegt das Geruchsempfinden — freundlich ausgedrückt — durchaus Beeinträchtigungen. Ein Problem, was der Wasserverband Eifel-Rur erkannt hat und im nächsten Jahr in Angriff nehmen will.

Rund 37 Millionen Euro wird der Verband in den kommenden Jahren in die Ertüchtigung der Dürener Kläranlage investieren.

Abwasserkanal wird saniert

Davon fließen zwölf Millionen Euro in die Kläranlage selbst, weitere rund 25 Millionen in die Erneuerung des Abwasserkanals. Der führt über eine Länge von knapp 15 Kilometern von Obermaubach bis zur Merkener Kläranlage und muss saniert werden, wie Verbandsvorstand Professor Wolfgang Firk bei der Vorlage des Jahresberichtes für 2013 erläuterte.

„Optimistisch gerechnet sind wir mit dem Projekt 2018 fertig“, hofft Firk. Und was die erwähnte Geruchsbelästigung betrifft: Die Stelle, an der die Abwässer ankommen, ist bislang offen und soll künftig eingekapselt, sprich überbaut werden, so dass die Faulgerüche aus einem geschlossenen Bereich nicht mehr entweichen können.

Das ist allerdings noch eines der geringsten Probleme, mit denen sich der Verband auseinandersetzen muss, wie Firk an anderer Stelle deutlich macht. Im Bereich der Abwässer verzeichnet man in der gesamten Region zunehmende Verunreinigungen durch Öle und Laugen. Und die nächste Herausforderung zeichnet sich ab: Die mögliche Einführung einer 4. Klärstufe, um so Arzneimittelrückstände herauszufiltern. In einem Pilotprojekt will der WVER dies zunächst in Aachen testen.

Die Arbeit des WVER weiß auch die Industrie zu schätzen. Dr. Stefan Cuypers von der Papierfabrik Schoellershammer, zugleich stellvertretender Vorsitzender des WVER-Verbandsrates: „Von der Wasserversorgung und -entsorgung sind Arbeitsplätze abhängig. Das ist bei Neuansiedlung von Unternehmen immer die erste Frage, die gestellt wird.“ Cuypers bescheinigt dem Verband zudem eine „große fachliche Kompetenz“, verbunden mit einem weiteren wichtigen Umstand, den auch Bürgermeister Paul Larue als Verbandsratsvorsitzender lobt: die Beitragsstabilität seit zehn Jahren.

Larue: „Finden sie mal einen Umlageverband, der seit zehn Jahren mit seinem Geld auskommt.“ Larue weist zudem noch auf ein weiteres wichtiges Arbeitsfeld des WVER hin: den Hochwasserschutz. Der Bürgermeister hatte aus aktuellem Anlass ein passendes Beispiel parat. Aufgrund des außergewöhnlichen Dauerregens nichts nur in den letzten Tagen ist der Bach in Birgel — normalerweise ein Rinnsal — dramatisch angeschwollen. Larue: „Die Hochwasserschutzmaßnahmen des WVER mit den Regenrückhaltebecken haben sich nicht nur in Birgel bewährt.“ Hier will sich der Verband im kommenden Jahr insbesondere im Bereich des Baches bei Drove weiter engagieren.

Die zuvor von Cuypers beschriebene große fachliche Kompetenz könnte hier zu einer Änderung der Strategie führen. Wurden zum Hochwasserschutz bisher millionenteure Regenrückhaltebecken gebaut, könnten in der Zukunft Eingriffe in den Wasserlauf für mehr Sicherheit sorgen. Wolfgang Firk: „Wir können Gewässer inzwischen modellieren und sehen, wie Eingriffe sich auswirken. Maßnahmen in einem Gewässer sind preiswerter als ein Beckenbau. Leider finden wir aber nicht immer Gehör für diese neue Methode.“

Preisgünstigere Lösungen

Überhaupt setzt man beim WVER zunehmend auf preisgünstigere Lösungen. So zum Beispiel bei der Kläranlage in Aldenhoven, die für zehn Millionen Euro aufgerüstet werden müsste. Stattdessen wird die Anlage aufgegeben und die Abwässer in die Jülicher Anlage weitergeleitet — das kostet nämlich nur 3,5 Millionen Euro.

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