Düren: Migranten-Kinder selten in Amt und Uniform

Düren: Migranten-Kinder selten in Amt und Uniform

„Meine Eltern waren typische Gastarbeiter”, erzählt Katerina Kaulen, die mit Mädchennamen Moschou heißt. Ihre Eltern kamen 1971 aus Griechenland nach Düren, hier wurde vor 32 Jahren die Tochter geboren. Vater und Mutter gingen - auch das typisch für Gastarbeiter - vor sechs Jahren nach Griechenland zurück. Ihre Tochter aber wurde Polizistin in Düren.

Damit ist Katerina Kaulen eine Ausnahmeerscheinung. Außer ihr gibt es bei der gesamten Polizei in Stadt und Kreis Düren nur noch eine einzige Polizistin mit Migrationshintergrund. Die hat türkische Wurzeln und macht wie Katerina Kaulen in Uniform und bewaffnet in Düren Streifendienst, arbeitet in drei Schichten. Das NRW-Innenministerium lädt unterdessen derzeit in türkischer Sprache junge Menschen mit Migrationshintergrund ein, sich bei der Polizei zu bewerben.

Wenn es um die Vorteile geht, die die Arbeit mit Migranten-Kollegen mit sich bringt, kann jeder viel erzählen: Elfriede Nöldgen von der Arbeiterwohlfahrt, Bürgermeister Paul Larue und Willi Jörres, Sprecher der Dürener Polizei beispielsweise. Sie betonen, dass die Qualität der Arbeit einer Institution insgesamt besser werde, wenn im Umgang mit bestimmten Personengruppen besondere Sprach- und kulturelle Kenntnisse vorhanden sind.

Larue ist ein wenig stolz auf „allein im Bereich der Kernverwaltung 59 Leute mit Zuwanderungsgeschichte”. Das sei ein Zehntel aller Rathaus-Mitarbeiter, „es sollten aber noch mehr werden”. Nämlich genau so viele, wie proportional in Düren leben. Die am meisten vertretenen Herkunftsländer in der Stadtverwaltung sind Russland, Polen, Italien, Spanien, Griechenland und das ehemalige Jugoslawien. Gleich zehn Mitarbeiter „haben türkische Vorfahren”. Nicht gezählt seien alle die, die bei den Stadtwerken arbeiten.

Ob Kämmerei, Ordnungsamt, Jugendamt, Sozialamt, Hausverwaltung oder im Bürgerbüro: Migrantenkinder hätten als Bewerber bei den anspruchsvollen Auswahlverfahren gute und beste Ergebnisse erzielt. Ein Mitarbeiter aus dem Irak sei Schulhausmeister, ein Musikschullehrer sei Iraner. Larue, der auch Personaldezernent ist, scheint sie alle zu kennen. Und: Auch der Stadtrat „muss sich diesbezüglich noch verbreitern”. Nur drei Ratsmitglieder mit Migrationshintergrund, das sei zu wenig, so Larue.

Elfriede Nöldgen bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) zählt 14 Mitarbeiterinnen mit Zuwanderungsgeschichte, darunter nur vier ausgebildete Erzieherinnen von 195. Zehn weitere seien Helferinnen, Praktikantinnen und Mittagskräfte. „Von ihnen lernen wir die Hintergründe für ein Eltern-Verhalten, das wir auf den ersten Blick nicht verstehen.”

Bundesweit waren 2008 nur 2,1 Prozent der Auszubildenden ausländische Jugendliche. Als Grund wurden zu wenige oder nicht ausreichend qualifizierte Bewerbungen genannt. „Daran muss heftig gearbeitet werden”, erklärt Larue, der sich auch für Düren deutlich mehr Gymnasiasten mit Migrationshintergrund wünscht. NRW-Familienminister Laschet sei da mit der gezielten Förderung der Sprachkompetenz „auf dem richtigen Weg”.

Die Personengruppe der Migranten bei Einstellungen zu bevorzugen, das wird in Düren überall strikt abgelehnt. Beispielsweise vom Einstellungsberater der Polizei, Frank Schulz: „Für alle gelten die gleichen anspruchsvollen Voraussetzungen. Der Bürger darf erwarten, dass die Qualität der Polizeiarbeit immer gleich hoch ist.” Voraussetzungen sind, nebenbei bemerkt: Abitur oder Fachabitur, sehr gutes Abschneiden in einem Assessment-Center, gute Deutschkenntnisse und gute Ergebnisse beim Intelligenztest, dazu Sportabzeichen, Rettungsschwimmer und Führerschein Klasse B.

„Wir wünschen uns mehr Bewerber mit Migrationshintergrund”, erklärt im NRW-Innenministerium Pressesprecher Stefan Hausch. Wie überall, so werde auch in Düren mit Flyern in türkischer Sprache um Auszubildende mit Migrationshintergrund geworben. Diese Flyer richteten sich allerdings mehr an die Eltern. Es gebe nämlich, sobald Sohn oder Tochter den Wunsch äußern, Polizist werden zu wollen, „Akzeptanzprobleme in den türkischen Familien”. Die Polizei sei eine Einrichtung, der man sich doch lieber fern halte. Es gebe eine natürliche Barriere. Dabei sollte aber die Polizei „ein Spiegelbild der Gesellschaft” sein, jede Bevölkerungsgruppe sollte adäquat vertreten sein.

„Es kriegt allerdings kein Bewerber eine Extrawurst gebraten”, so Hausch. Er macht auf eine grundsätzliche Haltung der junge Leute aufmerksam: „Diese Menschen wollen den Exotenstempel nicht. Sie wollen keine Benachteiligung und auch keine Bevorteilung.”

Zur Zeit sind von allen, die als Polizisten eine Ausbildung anfangen, sieben Prozent Migrantenkinder. Seit 2008 werden jedes Jahr in NRW insgesamt 1100 Polizisten zur Ausbildung zugelassen. 6000 bis 7000 bewerben sich jedes Jahr.

Derzeit gibt es in ganz NRW 733 Polizisten und Polizistinnen mit Migrationshintergrund, mehr als die Hälfte hat türkische Wurzeln. Längst nicht jeder möchte unbedingt in einem sozialen Brennpunkt arbeiten. Darauf werde, wie bei den Deutschen auch, Rücksicht genommen.