Michaela May liest im Rittersaal des Burgrestaurants

Lesung im Rittersaal des Burgrestaurants : Mit Michaela May auf der Achterbahn der Liebe

Den Besucher der Lesung empfingen große, rote Herzen, die vor dem Eingang des Gebäudes flimmerten. Den Männern und Frauen dämmerte es schnell, dass das ein netter Hinweis auf das Thema „Liebe & weitere Katastrophen“ mit Schauspielerin Michaela May sein musste.

Vor dem gut gefüllten Rittersaal las Michaela May, bekannt aus Filmen, Fernsehserien und Lesungen, Texte von Elke Heidenreich, Doris Dörrie, Oskar Maria Graf, Axel Hacke und Toni Lauerer. Interessant für die Zuhörer im Rittersaal war es, Geschehnisse über die „Liebe und weitere Katastrophen“ aus weiblicher und männlicher Sicht zu erleben.

Nicht unerfahren in diesen oft geheimnisumwitterten Dingen scheint Schriftstellerin Elke Heidenreich. Sie stellt die Liebe und das Geschehen mit ihr und um sie herum mit differenzierten Mitteln dar. Oft ist es das grobe Schwert, das den Ton erzeugt, wenn offen und ohne Hemmungen über Liebe und Sex gesprochen und geschrieben wird. Manchmal werden die Beschreibungen auch offen-zart, wenn es die anstehende Szene verlangt.

In „Der Welt den Rücken“ erzählt Heidenreich von Franziska Steinmetz, die als Abiturientin noch Jungfrau ist. Franziska ändert ihren Namen in Franka und verfolgt das Vorhaben „Überwinden Jungfernschaft“ akribisch. Der Erste sollte kein Jüngling mit schweißnassen Händen sein, sondern ein Experte, der nicht wie ein Jungspunt schon bei der ersten Berührung wie ein Kochtopf explodiert. Franka glaubt, dass Warten und Lauern sich lohne, um all das Desaster zu vermeiden, von dem ihre Mitstudentinnen nach ihrem ersten Mal berichteten.

Franka trifft Heinrich, ein gutaussehendes Mannsbild, älter als sie und erfahren. Im Hotelzimmer in Landsberg am Lech geht es beinahe noch schief, als Franka ihrem Weltenöffner gesteht, dass sie noch Jungfrau ist. Doch durch wohlmeinendes Zureden und gegenseitige Bemühungen funktioniert das Projekt „Verlust der Jungfernschaft“. Dass die fünf Tage mit Heinrich im Hotel verfliegen, geht aus der Tatsache hervor, dass die Liebenden nichts von der Kuba-Krise mitbekommen haben, von der zur selben Zeit auf allen Kanälen berichtet worden war.

Elke Heidenreichs Text, transportiert von der sonoren Stimme Michaela Mays, begeisterte das Publikum. Auch Doris Dörries „Mit Messer und Gabel“ hatte die Lacher auf ihrer Seite. Die Protagonistin wird von unausstehlichen Geräuschen und Essensklumpen auf den Tellern ihrer Mitesser verfolgt. Zu Hause hatte die Mutter eklige Geräusche beim Essen von Äpfeln gemacht, derweil der Vater seine nackten Füße aneinander rieb.

Sie heiratet Berthold und meint bald vom Regen in die Traufe gekommen zu sein, denn Berthold, ihr Angetrauter, hat die Angewohnheit, aus nahezu allem, was auf seinem Teller landet, eine unansehnliche Masse Brei zu machen. Wenn er dann noch zwecks Nahrungsaufnahme mit der Gabel in diese Masse hineinfährt und ein schmatzendes Geräusch hervorruft, kann die Ehegattin ihren Würgereiz kaum verbergen.

Michaela May schlüpfte bei der Präsentation des Textes gekonnt in die männliche und weibliche Rolle, sprach weibliche und männliche Parts und löste mit ihrer Stimme eine prickelnde Spannung aus, animierte ihr Publikum zu Lachsalven.

Gedanken zu Weihnachten fehlten nicht. „Dieses Jahr kaufe ich das ganze Jahr Geschenke für meine Lieben.“ Diesen Vorsatz wollen seit Jahrhunderten nach Weihnachten viele Menschen erfüllen. Doch das Kaufen geht – wie immer – bis zur letzten Minute. May lässt Axel Hacke über seinen jährlichen Weihnachtsstress erzählen. Ein Spiegelbild für viele.

Die Lesung im Burgrestaurant war ein gemeinsames Projekt von der „Kulturinitiative im Kreis Düren“, vertreten durch Käthe Rolfink, und der Leiterin des Burgenmuseums Nideggen, Luzia Schlösser.

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