Messdiener: Ostern gibt es besonders viel zu tun

Junge Messdiener : Mit dem Fahrrad in den Freizeitpark

Was reizt junge Leute, Messdiener zu werden? Jugendliche aus Nideggen und Huchem-Stammeln erzählen. Es geht um Gemeinschaft, Ausflüge – und auch ein wenig um Religion.

Ein bisschen aufgeregt ist Pia Kloubert schon. Die Neunjährige aus Huchem-Stammeln geht am 5. Mai zur Kommunion und hat nur gut zwei Wochen später ihren ersten Einsatz als Messdienerin in ihrem Heimatdorf. „Ich gehe einfach gerne in die Kirche“, sagt die Viertklässlerin. „Deswegen war es für mich klar, dass ich nach der Kommunion sofort Messdienerin werde.“ Im Bistum Aachen gibt es insgesamt rund 10.000 Messdiener, wie viele es in der Region Düren sind, konnte Bistumssprecherin Anja Klingbeil nicht sagen, weil die Zahlen nicht nach Regionen aufgeschlüsselt werden. In Huchem-Stammeln gibt es im Augenblick elf Messdiener und außer Pia noch zwei, die demnächst dieses Amt übernehmen möchten. In der Dürener Pfarre St. Lukas, wohl eine der größten im Raum Düren, machen etwa 120 Kinder und Jugendliche ehrenamtlichen Dienst am Altar. „Für uns sind elf Messdiener viel“, sagt Sandy Reichardt (34), die vor einem Jahr mit Julia Pohlen (34) die Leitung der Messdienergruppe übernommen hat.

„Meine drei Kinder wollten alle Messdiener werden“, erzählt Reichardt. „Da lag es nahe, dass ich mich dort auch engagiere. Und wir sind froh, dass wir so viele Kinder gefunden haben, die sich engagieren.“ Reichardts Sohn Ricardo (13) mag besonders, wenn er zu Beginn der Messe die Glocke läuten darf. „Überhaupt macht es Spaß, dem Pastor zu helfen“, sagt er. „Das ist eine wichtige Aufgabe.“

Dass Messdiener-Sein viel mehr bedeutet als sonntags am Altar dem Pfarrer Hostien, Wein und Wasser zu reichen, wird besonders an der großen Messdiener-Gruppe aus Nideggen deutlich. 40 junge Leute sind dort aktiv, geleitet wird die Messdiener-Schar seit mehr als 20 Jahren von Ursula (51) und Manfred (58) Mathar. „Als wir angefangen haben“, erinner sich Manfred Mathar, „gab es in Nideggen gerade einmal vier Messdiener. Heute sind es zehnmal so viel.“

Ursula und Manfred Mathar betreuen die Messdiener in Nideggen. Foto: Kinkel. Foto: ZVA/Sandra Kinkel

Entscheidend sei gewesen, ergänzt der Ehrenamtler, die Kinder davon zu überzeugen, dass es auch mit 14 noch cool sein kann, Messdiener zu sein. „Als wir einige hatten, die älter waren“, sagt Manfred Mathar, „sind immer mehr Kinder länger dabei geblieben. Vier, die schon 14 und immer noch Messdiener sind, sind Marie-Claire Weyermann, Luisa Malsbenden, Amelie Marx und Sophie Schartmann. „Es ist gar nicht so sehr das Religiöse, das im Vordergrund steht“, sagt Amelie Marx, „auch wenn das natürlich auch dazugehört und sehr wichtig ist. Aber es ist vor allem auch die Gemeinschaft, die mir so gut gefällt.“ Amelie und die anderen Messdiener sitzen gerade bei den Mathars am Esstisch, es gibt Würstchen mit Pommes frites. Die Jugendlichen waren den ganzen Vormittag in Nideggen unterwegs, um Geld für die Messdienerkasse zu sammeln. „Wir machen Ausflüge“, erzählt Luisa. „Zum Beispiel fahren wir einmal im Jahr mit unseren Fahrrädern in einen Freizeitpark und zelten auch dort.“

Mit Schlafsäcken am Altar

Die Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag haben die Messdiener mit ihren Schlafsäcken in der Kirche verbracht und in der Bibel gelesen. Rund sechs Wochen vor dem ersten Advent sind sie damit beschäftigt, die große Krippe für die Pfarrkirche aufzubauen und dabei jedes Jahr wieder neu zu gestalten.“

Überhaupt, erzählen die Jugendlichen, seien die Feiertage besonders arbeitsintensiv. „In der Regel“, sagt Sophie Schartmann, „sind wir ein- bis zweimal im Monat mit Dienen dran.

Aber weil Ostern immer 15 bis 20 Messdiener bei den Gottesdienstens im Einsatz sind, ist das natürlich dann mehr Arbeit. Übrigens auch mehr Arbeit als an Weihnachten. Das liegt aber daran, dass es von Gründonnerstag bis Ostermontag einfach mehr Gottesdienste gibt als von Heiligabend bis zum zweiten Weihnachtstag. Aber es macht ja auch Spaß.“

Spaß haben auch Ursula und Manfred Mathar an der Arbeit mit den Messdienern. „Angefangen hat alles, als unsere Tochter selbst Messdienerin werden wollte“, sagt Ursula Mathar. „Heute ist sie 32 Jahre alt, und wir sind immer noch dabei.“

In zwei Jahren, ergänzt Ehemann Manfred, würde die erste Enkeltochter Messdienerin in Nideggen. „Die Arbeit macht einfach Freude“, sagt er. „Und es ist schön, den jungen Leuten etwas für ihr Leben mitgeben zu können. Auch, was ihren Glauben angeht.“

Ausbildung beginnt

In Nideggen beginnt die Ausbildung der neuen Messdiener gleich in der Woche nach der Feier der Erstkommunion, in Huchem-Stammeln werden die „Neuen“ sofort ins kalte Wasser geworfen. „Bei uns heißt die Devise „Learning by doing“, sagt Sandy Reichardt. „Und das funktioniert auch.“ Pia will das am 22. Mai unter Beweis stellen.

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