Umbettungen in Morschenich: Umsiedlung zur letzten Ruhestätte

Umbettungen in Morschenich : Umsiedlung zur letzten Ruhestätte

Von 230 Verstorbenen, die in den vergangenen Jahrzehnten auf dem Friedhof in Morschenich bestattet worden waren, sind bereits 170 umgebettet worden. Sie haben nun ihre wirklich letzte Ruhestätte auf dem Friedhof im Umsiedlungsort oder auf anderen Friedhöfen gefunden.

Sie sind den Lebenden gefolgt. In viele Himmelsrichtungen. Ende 2016 ist der dortige Friedhof gewidmet worden. Die Gebeine von 130 Personen wurden auf dem Friedhof in Morschenich-Neu bestattet. „In diesem Frühjahr läuft die fünfte Umbettungsphase, spätestens 2021 wird es im alten Dorf rund um die Kirche keine Gräber mehr geben“, erklärt Michael Höhn, Fachbereichsleiter Bürgerdienstleistungen und Soziales der Gemeinde Merzenich.

Handbeschriebene Holztafeln

Schon jetzt gibt es aber nur noch wenige Gräber im alten Dorf. Vor allem in den ersten Umbettungsphasen gab es viele Anträge, für die nun bevorstehende ist es nur noch eine Handvoll. Dort, wo rund um die Kirche zuvor Grabmale standen und Blumenschmuck die Erde zierte, bestimmt heute Rindenmulch das Bild.

Auch die wenigen verbliebenen Überreste der 22 Soldatengräber, drei Priestergräber und zwei Stiftungsgräber haben schon ihren Platz auf dem neuen Friedhof. Die Steinkreuze der gefallenen Soldaten wurden bei einem Steinmetz restauriert, kleine beschriftete Holztafeln erinnern zunächst an die Gefallenen. Bis Ende März sollen sie wieder aufgebaut sein.

„Die Umbettungen verlaufen sehr pietätvoll. RWE geht sehr sensibel mit diesem Thema um“, sagt Merzenichs Bürgermeister Georg Gelhausen (CDU). Beide Friedhöfe werden während der Umbettungen gesperrt, Grab für Grab wird ausgehoben und noch am selben Tag auf den neuen Friedhof gebracht – von einer Fachfirma unter Aufsicht der Gemeindeverwaltung und eines Vertreters von RWE. Niemand müsse Sorgen haben, dass es zu Verwechslungen komme, sagen die Verantwortlichen.

Bei einer Umbettung werden die menschlichen Überreste aus dem Grab genommen, in einen neuen Sarg gelegt und am neuen Ort bestattet. Die Grabeinfassungen und Steine werden zunächst eingelagert, bis sich die Erde des neuen Grabes gesetzt hat.

Angehörige können teilnehmen

Die Angehörigen werden über den Termin der Umbettung informiert und können die Exhumierung und die Wiederbestattung auch begleiten. „Es gibt Angehörige, die dabei waren. Aber das sollte man sich gut überlegen, das ist schon eine sehr belastende Situation“, erklärt Höhn.

Es gibt auch die Möglichkeit, dass Angehörige ihre Verstorbenen nachträglich einäschern lassen, weil sie nun zum Beispiel ein pflegeärmeres Urnengrab oder die Bestattung in einer Grabeskirche bevorzugen. Die Kosten für die Umbettungen übernimmt RWE, die Restruhejahre werden auf den neuen Friedhof übertragen. Wer die Bestattung des Angehörigen in einer anderen Kommune wünscht, erhält eine Erstattung der Restruhejahre auf Basis der aktuellen Gebührensätze der abgebenden Kommune. Wer einen Zusatzaufwand wie die nachträgliche Einäscherung wünscht, muss für diese Kosten selbst aufkommen.

Wenn für ein Grab niemand einen Antrag stellt, werden die Überreste in der letzten Umbettungsphase in ein Gemeinschaftsgrab auf dem neuen Friedhof gebracht. Wenn die Umbettungen abgeschlossen sind, wird der Friedhof noch einmal umgegraben und alle menschlichen Überreste, die noch gefunden werden, ebenfalls in dem Gemeinschaftsgrab beerdigt.

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