Merzenicher Bürgerforum diskutiert die Zukunft von Morschenich-Alt

Merzenicher Bürgerforum zum Strukturwandel : Die Sorge, umsonst umgesiedelt zu sein

Am Ende waren es die Worte „Arbeitsplätze“ und „Morschenich-Alt“, die in den größten Lettern an der Wand des Bürgerhauses prangten.

Diese beiden Aspekte – neben Energieversorgung, Klimaschutz, Lebensqualität und Gewerbegebieten – sind den Merzenichern, die am Bürgerforum zum Thema Strukturwandel teilnahmen, am wichtigsten. Mehr als 60 Bürger waren gekommen und beteiligten sich am Ideenaustausch und der Diskussion mit der Verwaltung. Neben Bürgermeister Georg Gelhausen (CDU) und seinem Stabsstellenleiter Guido Zintl stand auch Dr. Alexandra Renz, Referatsleiterin für Landesentwicklung, Flächenversorgung für Energiewende und Rohstoffe im NRW-Wirtschaftsministerium, Rede und Antwort.

Zunächst galt deren Aufmerksamkeit aber den Morschenichern. Bereits zwei Stunden vor dem Bürgerforum kamen rund 60 Anwohner aus dem Umsiedlungsort im Bürgerhaus zusammen. Das Treffen hielt Gelhausen bewusst geschlossen, um den Morschenichern Raum für ihre Sorgen und Anregungen zu geben. Es seien konstruktive und sachliche Gespräche gewesen, sagte der Bürgermeister im Anschluss. Im Zentrum habe die Frage gestanden, was mit den zurückgelassenen Häusern im Altort passieren wird. Einige Morschenicher hätten ihren Schmerz zum Ausdruck gebracht, vielleicht umsonst umgesiedelt zu sein.

Sowohl im Kreise der Morschenicher als auch zwei Stunden später beim Bürgerdialog ging es um die zwölf Ideen und Projekte, mit denen Gelhausen ins Rennen um die Strukturwandel-Fördergelder einsteigen möchte (wir berichteten). Bei den Anwesenden kamen am besten an: die interkommunale Zusammenarbeit, um Arbeitsplätze zu schaffen, das Projekt „Agribusiness 5.0“, bei dem mit dem Forschungszentrum Jülich ein Feldlabor auf landwirtschaftlichen Flächen entstehen soll, der Ausbau des S-Bahnhofs zur Mobilitätsstation sowie Morschenich alt als bioökonomische Zukunftsstadt zu revitalisieren.

Kritisch merkte ein Bürger an, dass die Freizeitqualität in den Projekten zu kurz käme. „Das Thema Freizeit will ich für Merzenich nicht weiter runterstufen“, unterstrich er und erntete Applaus für seine Beschwerde: „Egal in welche Richtung ich fahre – es gibt keinen vernünftigen Radweg.“

Ein anderer warnte, man möge „bei all dem Hype um den Strukturwandel“ nun nicht die naheliegenden Probleme wie die Instandsetzung der Straßen vernachlässigen. Außerdem stand die Frage im Raum, was denn RWE vorhabe. „Das Ganze hier geht nur mit RWE“, stellte daraufhin Gelhausen klar. Es gebe vertrauensvolle Gespräche und er sei überzeugt, dass der Energieversorger die Chance sehe, über innovative Projekte das eigene Image zu verbessern. Gelhausen: „Ich bin fest überzeugt, dass RWE sich nicht als Arbeitgeber aus der Region verabschieden wird.“

Die letzte Frage des Abends ging in Richtung Düsseldorf: „Warum geht es nicht schneller voran?“ Dr. Alexandra Renz antwortete, Europa- und Bundesrecht seien sehr komplex, man versuche aber, ein erleichtertes Planverfahren für das Rheinische Revier zu schaffen. „Realistische Ergebnisse wird es in anderthalb Jahren geben.“

(wel)