Neueröffnung: Die Gemeinde Merzenich betreibt jetzt eine Postfiliale

Neueröffnung : Die Gemeinde Merzenich betreibt jetzt eine Postfiliale

Die Post in Merzenich hat nicht nur neue Räume, sondern auch einen neuen Betreiber: die Gemeinde. Eine solche Kooperation zwischen Gemeinde und Deutscher Post gibt es erst in zwei anderen Orten in NRW.

„Liebchen, komm ruhig durch, du hast Vorfahrt“, begrüßte Martina Triebel strahlend und lautstark eine Kundin und lotste sie vorbei an zahlreichen Medienvertretern, Politikern und Interessierten, die Donnerstagvormittag die frisch eröffnete Postfiliale an der Dürener Straße in Beschlag nahmen. Mit ihrer Kollegin Irmgard Weidgang arbeitete Filialleiterin Triebel von Beginn an – also ab dem 10. Mai 1999 – bei der Merzenicher Post. Nun, 20 Jahre später, wurde diese neu eröffnet.

Im gleichen Gebäude, nur einige Meter weiter, bezog die Filiale preisgünstigere und rollstuhlgerechte Räume. Die 145 Quadratmeter der alten Filiale stehen leer und warten auf Interessenten. Der Ortswechsel spielte aber am Donnerstag eine Nebenrolle, vielmehr lag der Fokus auf dem außergewöhnlichen Betreiberwechsel. Die Gemeinde hat im Januar 2018 zunächst ein Rettungspaket zur Überbrückung geschnürt und nun extra eine GmbH gegründet, die Post- und Dienstleistungsagentur Merzenich, um die Filiale betreiben und damit im Ort halten zu können.

Da kein privater Betreiber zu finden war, war dies der einzige Ausweg. Trotzdem spricht Bürgermeister Georg Gelhausen (CDU) nicht von einer Notlösung, sondern von einer sehr guten. „Für uns in Merzenich gehört die Post zur absoluten Grundversorgung. Im Rahmen der kommunalen Selbstverwaltung können wir Dinge auch selbst in die Hand nehmen, um das Dienstleistungsangebot aufrechtzuhalten.“

Haben einige Überstunden gestemmt, damit gestern die neue Filiale eröffnen konnte (von links): Brigitte Firl, Martina Triebel und Irmgard Weidgang. Foto: ZVA/Anne Welkener

Dass eine Gemeinde eine Postfiliale betreibt, ist selten. Häufig kommt es vor, dass Dienstleister oder Gewerbetreibende mit der Post kooperieren und neben ihrem Kerngewerbe noch Post-Services als Frequenzbringer anbieten. Eine Zusammenarbeit zwischen Post und Gemeinde wie in Merzenich gibt es in NRW nur an zwei anderen Orten: in Everswinkel und Olfen im Münsterland.

Bernd Dietrich, Regionaler Politikbeauftragter der Deutschen Post, hält dieses Modell für innovativ, denkt aber nicht, dass es zukünftig häufiger umgesetzt wird. Den Gemeinden fehle im Gegensatz zu kooperierenden Einzelhändlern das Kerngeschäft. Die Post-Angebote allein seien zwar kostendeckend, „bringen aber nicht so viel Umsatz, dass sich allein davon leben ließe. Deshalb wird sich das auf Einzelfälle begrenzen“, meinte Dietrich.

„Die Postfiliale als solche ist mehr oder weniger kostendeckend“, bestätigt Bürgermeister Gelhausen. Er möchte in einem nächsten Schritt in den Räumlichkeiten ein Bürgerbüro ansiedeln. Planmäßig soll es ab dem 1. Oktober zunächst an Samstagen öffnen. Langfristig schwebt ihm auch vor, über eine Kooperation mit dem Dürener i-Punkt in den neuen Räumen Tickets zu verkaufen und die Vermietung von Car-Sharing-Autos abzuwickeln.

Zunächst sind die neuen Räume aber ausschließlich für die drei Postmitarbeiterinnen und ihre nach eigenen Angaben täglich im Schnitt 500 bis 700 Kunden da. Und von denen werden auch weiterhin viele nach gewohnter Manier mit einem freudigen „Hallo Liebchen“ begrüßt.

(wel)
Mehr von Aachener Nachrichten