Düren: Merken: Ein Stadtteil am Abgrund?

Düren: Merken: Ein Stadtteil am Abgrund?

„Herr Larue, machen Sie Ihre Ankündigungen wahr, dann kommen wir auch nicht wieder!” Das letzte Wort hat Thomas Palm. Palm ist Vorsitzender des SV Merken und einer der Initiatoren der Kundgebung, die am Samstag Vormittag auf dem Rathausvorplatz stattgefunden.

Rund 200 Bürgerinnen und Bürger aus Merken sind gekommen - und haben ihrem Unmut und ihrer Wut deutlich Luft gemacht. Seniorinnen und Senioren sind dabei, die mit der Schließung ihrer Altenstube leben müssen sind gekommen, Sportler des Ringerclubs Merken, Fußballer vom Merkener SV - es ist ein buntes Bild, das sich da auf dem Rathausvorplatz präsentiert.

„Merken, der vergessene Stadtteil, wir gehören auch zu Düren” steht auf einem großen Transparent, außerdem sieht man Briefe, die die Merkener an die Dürener Verwaltung geschrieben haben, ohne darauf jemals eine Antwort bekommen zu haben. „Wir sind gar nicht gegen strikte Sparmaßnahmen”, sagt Thomas Palm, „aber wir sind dagegen, dass man nicht vernünftig mit uns redet.”

Die Fakten liegen schnell auf dem Tisch: Die Mehrzweckhalle in Merken wurde geschlossen, das Lehrschwimmbecken auch, genau wie die Altentagesstätte. Der Turnverein verzeichnet schon jetzt einen Mitgliederschwund von einem knappen Drittel, den Ringern fehlt ein Platz für die Wettkämpfe, die Karnevalisten wissen nicht, wo sie nach der Schließung der Halle ihre Sitzungen veranstalten sollen.

Immerhin: Bürgermeister Paul Larue stellte sich am Samstag dem Gespräch mit den Menschen aus Merken, und er hatte viel Zeit mitgebracht. „Unser Ziel ist, dass im Jahr 2014 die Einnahmen die Ausgaben decken. Wir sind auf dem Weg, und der Weg wird schwierig”, so Larue. Er decke, so der Bürgermeister, „sich nicht vor Gesprächen, auch nicht vor unangenehmen. „Und wenn es einen unbeantworteten Brief gegeben hat, entschuldige ich mich dafür.”

Gleichzeitig, so Larue, stelle er sich aber ganz bewusst vor seine Mitarbeiter aus dem Rathaus. „Hier wird nur umgesetzt, was die Politik entschieden hat.” Gleichzeitig betonte Larue, dass man natürlich auf der Suche nach Lösungen sei. „Die beiden Merkener Karnevalsvereine arbeiten in dieser Session zusammen und es ist sicher gestellt, das die Veranstaltungen in einem Zelt auf dem Dorfplatz stattfindet.”

Mit dem Ringerclub habe man eine Sondervereinbarung in Sachen Mehrzweckhalle getroffen. „Die Ringer können die Halle bis zum Jahresende nutzen, tragen aber die Betriebskosten”, so Larue.

Wirklich befriedigend war das für die Merkener nicht. Rudolf Schwalbach, Vorsitzender der Karnevalsgesellschaft „Stieve Hot”: „Für eine Session ist das Zelt mit Unterstützung der Sparkasse finanziert. Aber was 2013 ist, wissen wir nicht. Und es ist uns schon gesagt worden, dass es für Spenden keine Daueraufträge geben kann.” Und Jo Ecker von der Initiative „Fußballvereine gegen rechts” sagt: „Wir Merkener sind bereit mit anzupacken. Aber wir brauchen jetzt Lösungen. Nicht erst 2014. Merken steht jetzt am Abgrund.”

Einen ersten Lösungsvorschlag gab es vom Bürgermeister am Samstag aber dann doch. „Vielleicht”, so Larue, „gelingt es uns, für die Mehrzweckhalle in Merken ein selbst verantwortetes Trägermodell zu finden.” Die Vereine organisieren den Nutzungs- und Vermietungsplan für die Halle selbst und tragen auch die Betriebskosten. Larue: „Wir sollten uns zeitnah an einen Tisch setzen.” Da lächelt Thomas Palm. „Meine Fußballer”, sagt er, „hätte ich jetzt gefragt: Warum nicht gleich so?”