Düren: Mentoring-Projekt: Leseförderung wird immer mehr zum Deutschkurs

Düren : Mentoring-Projekt: Leseförderung wird immer mehr zum Deutschkurs

Einmal hat Peter Josef Dohmen einem rumänischen Jungen ein Buch geschenkt. „Der hatte es in einer Dreiviertelstunde ausgelesen und wollte es nun seinen Eltern und Geschwistern vorlesen. Es war das einzige Buch, das dieser Junge hatte.“

Peter Josef Dohmen ist 82 Jahre alt, pensionierter Rektor der Nikolaus-Grundschule in Rölsdorf und hat vor elf Jahren bei der Bürgerstiftung Düren das Mentoring-Projekt mitgegründet. Ziel des Projektes ist es, die Lese-, Schreib- und Sprachkompetenz von Grundschulkindern, aber auch von Jugendlichen zu fördern.

Peter Josef Dohmen hat vor elf Jahren das Mentoring-Projekt mitgegründet. Foto: Kinkel

Im Augenblick gibt es rund 40 Mentoren, die sich in der Regel einmal in der Woche mit ihren Schützlingen treffen, um mit ihnen zu lesen. An 16 Grund- und zwei Förderschulen sind sie im Einsatz.

„Mittlerweile“, sagt Peter Josef Dohmen, der gerade mit dem Bürgerpreis für soziales Engagement des Kreises Düren ausgezeichnet wurde, „betreuen wir immer häufiger Kinder mit Migrationshintergrund und versuchen, ihnen die deutsche Sprache näherzubringen. Unser eigentliches Ziel, mit dem wir im Jahr 2007 angetreten sind, ist ein bisschen in den Hintergrund geraten.“

Dohmen selbst betreut sieben Grundschulkinder und ist nach wie vor vom Mentoring-Projekt absolut überzeugt. „Eigentlich müsste jede Schule daran teilnehmen“, sagt er. „Ich habe schon in meiner Zeit als Schulleiter festgestellt, dass es immer wieder Kinder gibt, die Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben haben. Individuelle Unterstützung ist da sehr wichtig.“

Sprachförderung

Auch Dohmen betreut mittlerweile überwiegend Kinder mit Migrationshintergrund. „Die Kinder, die an unserem Projekt teilnehmen dürfen“, erklärt er, „werden von der Schule ausgesucht. Selbstverständlich müssen die Eltern einverstanden sein.“

Die Sprachförderung findet während des Schulunterrichts und ausschließlich in der Schule statt, vorzugsweise dann, wenn die anderen Kinder Kunst- oder Förderunterricht haben. „Nur nicht während der Sportstunden“, sagt Dohmen und lacht. „Darauf verzichten die Jungen und Mädchen nur sehr ungerne.“

Peter Josef Dohmen hat sich spezielle Materialien für die Arbeit mit den Flüchtlingskindern besorgt. „Wir lernen vom Bild zum Text“, erklärt er. „Irgendwann lesen wir dann auch erste Texte zusammen. Immer, wenn die Kinder ein Wort nicht kennen, schreiben sie es auf und lernen es. Es ist wirklich schön zu sehen, wie schnell die Jungen und Mädchen lernen.“

In der Regel arbeiten die Mentoren immer mit einem Kind. „Diese Eins-zu-eins-Betreuung ist sehr wichtig“, sagt Dohmen, „weil die Kinder es total genießen, dass sich jemand 45 Minuten nur für sie Zeit nimmt. Und auch die Eltern sind froh über die Unterstützung.“

Für Klassenarbeiten üben

Wie viele Kinder die einzelnen Mentoren betreuen und wie die Unterstützung aussieht, entscheiden die Ehrenamtler ganz individuell. Dohmen: „Es gibt keine Vorgaben. Oder vielleicht doch: Die Mentoren sollen Freude daran haben, den Kindern den Spaß am Lesen zu vermitteln.

Ohne Lesen ist keine schulische Bildung möglich.“ Gleichwohl würden die Mentoren mit ihren Schützlingen auch manchmal Mathematik machen oder für Klassenarbeiten üben. „Und wenn es nötig ist, helfen wir auch schon einmal bei den Hausaufgaben.“

In regelmäßigen Abständen lädt Dohmen alle Mentoren zu Treffen ein. „Dann besprechen wir Themen, die direkt mit Leseförderung zu tun haben — zum Beispiel welche konkreten Kriterien es für eine Lese- und Rechtschreibschwäche gibt.“ Peter Josef Dohmen investiert in der Woche rund sieben Stunden in sein Ehrenamt, bekommt, wie er sagt, aber auch viel zurück. „Die Dankbarkeit der Kinder zu sehen, ist unglaublich schön. Meistens werde ich schon erwartet, wenn ich auf den Schulhof komme.“

Peter Josef Dohmen wünscht sich mehr Mitstreiter für das Mentoring-Projekt. „Keiner wird allein gelassen“, sagt er. „Im Gegenteil: Ich begleite die Mentoren, so wie sie es sich wünschen. Und diese Aufgabe lohnt sich wirklich.“

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