Kreis Düren: Menschen, Pflanzen und Tiere leiden unter der Hitze im Kreis Düren

Kreis Düren : Menschen, Pflanzen und Tiere leiden unter der Hitze im Kreis Düren

Falls Sie dachten, die Hitze und die hohen Temperaturen, die uns in diesen Tagen so sehr zu schaffen machen, seien das Außergewöhnliche an diesem Sommer — dem ist nicht so. Zwar geht der Juli 2018 als drittwärmster seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1891 in die Geschichte ein, aber die Hitzerekorde aus dem Jahr 2003 mit 39,3 Grad in Düren und 37,7 Grad in Vossenack wurden noch nicht erreicht.

Andy Holz, der seit mehr als 20 Jahren das Wetter in der Region beobachtet, in Vossenack eine Wetterstation betreibt und für den Internetauftritt www.huertgenwaldwetter.de verantwortlich ist, erklärt: „Ich habe seit dem 13. Juli in Vossenack 26 aufeinanderfolgende Sommertage beobachtet, also 26 Tage, an denen es immer mindestens 25 Grad heiß war. Das ist außergewöhnlich.“

Vor allem die Dürre, sagt der Wetter-Experte, sei besonders extrem. Holz: „Den größten Regen konnte ich am 1, Juni beobachten, als eine Gewitterfront 25 Liter Regen pro Quadratmeter brachte.“ Danach habe er bis Dienstag an seiner Wetterstation in Vossenack insgesamt nur noch 34 Liter Niederschlag gemessen. „Normal sind für diesen Zeitraum zwischen 150 und 200 Liter Regen pro Quadratmeter.“

Holz spricht von enorm hohen Verdunstungsraten. „Wir sprechen von einem negativen Wasserhaushalt, und der führt zu der extremen Dürre.“ Was Trockenheit und Beständigkeit angeht, so Holz weiter, habe der „Sommer 2018 alles pulverisiert, was es zu pulverisieren gab.“

Tiere, Pflanzen und natürlich auch der Mensch leiden unter der Witterung. „Wir merken das deutlich“, sagt Dr. Thomas Heyer, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am St.-Marien-Hospital in Birkesdorf. „Im Schnitt kommen jeden Tag vier Patienten, die infolge der großen Hitze Kreislaufprobleme oder Schwierigkeiten mit den Nieren haben.“ Hauptsächlich, ergänzt der Mediziner, seien das ältere und chronisch kranke Menschen.

Grundsätzlich könne man aber nicht von einem dramatischen Anstieg der Fallzahlen sprechen, ergänzt Heyer, der sicherheitshalber aber doch noch einige Verhaltenstipps parat hat. Der Internist rät dazu, viel zu trinken, mehrere kleine und leichte Mahlzeiten über den Tag verteilt zu essen und sich wenn möglich bei mehr als 30 Grad im Haus aufzuhalten. Heyer: „Wer Sport machen will, sollte das unbedingt vor 7 Uhr morgens oder nach 21 Uhr abends machen.“

Hat der Dürener Badesee mittlerweile eine Wassertemperatur von knapp 26 Grad, hat Johann Josef Hermanns, Gewässerwart des Kreisfischereivereins, am Weiher von Schloss Burgau am Dienstagmorgen nur 22 Grad gemessen. „Das ist für die Fische absolut unbedenklich“, sagt Hermanns. „Bis 25 Grad können die Tiere problemlos aushalten.“ Auch deshalb, weil die Karpfen, Brassen, Hechte, Zander und Aale, die rund um Schloss Burgau schwimmen, ins tiefe Wasser ausweichen können. „Dort ist es deutlich kühler“, sagt Hermanns.

„Die 22 Grad Wassertemperatur habe ich ja am Rand gemessen.“ Noch wichtiger als die Temperatur sei aber der Sauerstoffgehalt des Wassers. „Ich messe bei dem Wetter häufiger“, sagt Hermanns. „Alle Werte sind absolut im grünen Bereich.“ Auch der Wasserpegel sei in Ordnung. Hermanns: „Sinkt er zu stark, wird der Weiher mit Wasser aus den Mühlenteichen der Rur gespeist. Um den Weiher brauchen wir uns keine Sorgen zu machen.“

Zwei tote Fische

Er habe, ergänzt der Gewässerwart, in diesem Sommer erst zwei tote Fische gefunden. „Es ist eher unwahrscheinlich, dass die aufgrund der Hitze gestorben sind.“ Auch den Fischen in der Rur geht es gut. „In Hoven und Birkesdorf“, sagt Hermann Josef Koch, Vorsitzender des Kreisfischereivereins, „hat die Rur 18 Grad Celsius, in Obermaubach sogar nur 12 Grad.“

So heiß die Sonne auch vom Himmel brennt, das Rurwasser bleibt kühl, weil es aus der Tiefe der Rurtalsperre eingespeist wird. Koch: „Für die Fische sind die Bedingungen noch optimal. Fischsterben aufgrund von Hitze wird es in der Rur nicht geben.“

Schutzmechanismus der Bäume

Anders als den Fischen in Rur und im Schlossweiher merkt man den Bäumen im Burgauer Wald schon an, dass sie unter der Hitze leiden. „Der ein oder andere Baum wird absterben“, sagt Andreas Nießen, Stadtförster und Leiter der Forstabteilung beim Dürener Service Betrieb. „Aber grundsätzlich ist es schon so, dass unsere Natur sehr leistungsstark ist.“ Die Birken hätten schon im Juni die ersten welken Blätter abgeworfen. Nießen: „Das ist eine ganz normale Schutzreaktion der Bäume, um keine Flüssigkeit zu verlieren.“

Nießen spricht von rund 50 Millionen Pflanzen in 500 Hektar Wald. „Die zu bewässern wäre unmöglich. Es ist aber auch nicht erforderlich.“ Sehr große Sorgen bereitet dem Förster dagegen die hohe Waldbrandgefahr. „Grundsätzlich gilt zwischen April und Oktober im Wald Rauchverbot. Da halten sich aber nur die wenigsten dran“, beklagt Nießen. „Und nicht alle, die mir mit einer Zigarette im Wald begegnen, sind einsichtig, wenn ich sie darauf anspreche.“

Zudem würden immer wieder Leute am Rand des Burgauer Waldes sitzen und grillen. Nießen: „Wenn dann der kleinste Funke fliegt, brennt hier alles innerhalb kürzester Zeit. Das ist absolut unverantwortlich.“

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