"Mein kleiner grüner Kaktus" im Dürener Haus der Stadt

Die „Berlin Comedian Harmonists“ erfreuen das Publikum : Auftakt mit der stacheligen Balkonpflanze

„Mein kleiner grüner Kaktus“ ist ein Evergreen, der bei einem Auftritt der „Berlin Comedian Harmonists“ nicht fehlen darf. Auch bei ihrer Show zum 20-jährigen Bühnenjubiläum, mit der das Herrenquintett mit Klavierbegleitung im Haus der Stadt in Düren zu Gast war, sorgte das flotte Lied von der stacheligen Balkonpflanze für einen stilechten Konzertauftakt.

Vor ausverkauftem Haus präsentierten die Musiker unter dem Titel „Atemlos“ ikonische Lieder mit aufwendigen Arrangements und eine kurze Variante von Helene Fischers gleichnamigem Hit. Die sechs Herren, die stilvoll im Frack auf die Bühne kamen, setzen mit ihrem harmonischen Gesang eine Tradition fort. Ihre Vorbilder sind die Erfinder des kleinen grünen Kaktus, die A-cappella-Vokalgruppe „Comedian Harmonists“, die in den 1920er und 1930er Jahren international erfolgreich war. Da einige Mitglieder der Gruppe Juden waren, wurde das Ensemble in der NS-Zeit verboten und löste sich nach einigen Auftritten im Ausland schließlich auf.

Die neuen „Berlin Comedian Harmonists“ gründeten sich 1997 aus den Schauspielern einer Bühnenshow in der Komödie am Kurfürstendamm Berlin, die die Geschichte des Ensembles erzählte. Nach einigen Personalwechseln ist die Gruppe heute mit Holger Off als erster Tenor, Olaf Drauschke als erster Bariton, Norbert Kohler als zweiter Zenor, Ulrich Bildstein als zweiter Bariton, Wolfgang Höltzel als Bass und Nikolai Orloff am Klavier unterwegs.

Auch in Düren zeigten sie keineswegs nur ein einfaches Konzert. Vielmehr präsentierten die sechs Musiker eine komödiantisch-musikalische Geschichte. Hierfür verabschiedeten sie sich bereits nach dem dritten Stück und das Publikum wurde mit hinter die Bühne genommen, wo heftig darüber diskutiert wurde, für wen ein gewisser Blumenstrauß mit geheimnisvoller Botschaft auf die Bühne geworfen worden war.

Es wurde gestritten, gelacht und natürlich gesungen. Kurze Musikstücke wurden so in die Handlung eingewoben, mal nur für ein oder zwei Zeilen, mal ein für ganzes Lied. Aber ob kurz oder lang – die Harmonien trafen die fünf Sänger immer auf den Punkt. So brauchte es gar nicht mehr als ein einfaches Bühnenbild und die Klavierbegleitung, um eine unterhaltsame und stimmlich hervorragende Show zu gestalten, bei der für das Publikum immer etwas zu lachen gab.

So verabschiedete sich Pianist Nikolai Orloff – in einem geschickten Manöver, um dem Rest des Ensembles den Kostümwechsel zu erlauben – zwischenzeitlich für ein „Einzel-Interview“ mit unserer Zeitung und präsentierte sein Können in Foto-Posen am Klavier. Den Reporter-Job übernahm kurzerhand das Publikum und rief ihm Fragen auf die Bühne zu. Mit dieser Mischung aus Humor und Musik überzeugten die „Berlin Comedian Harmonists“ das Publikum und durften sich über reichlich Applaus freuen.

(kim)
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