Awo-Gründung vor 100 Jahren: Mehr Mitarbeiter, weniger Ehrenamtler

Awo-Gründung vor 100 Jahren : Mehr Mitarbeiter, weniger Ehrenamtler

Die Arbeiterwohlfahrt hat nicht nur in der Stadt Düren, sondern im ganzen Kreis ihre Spuren hinterlassen: unter anderem mit derzeit 15 Ortsvereinen, dem Hermann-Koch-Seniorenzentrum, der Marie-Juchacz-Straße und eben dort zurzeit mit einer großen Baustelle.

Bis 2021 soll ein neues Quartier, der „Lebensraum Eiswiese“, entstehen, in dem Wohnungen, Kita, Jugendheim, Stadtteilbüro und die Geschäftsstelle der Awo unterkommen. Neben einem Blick in die Zukunft des Wohlfahrtsverbandes lohnt sich aber auch ein Blick zurück: Vor 100 Jahren wurde die Awo gegründet – von jener Frau, der in Düren eine Straße gewidmet ist: Marie Juchacz, die ebenfalls 1919 als erste Frau in einem deutschen Parlament eine Rede hielt.

Das Gesicht der Kreisdürener Arbeiterwohlfahrt ist aber ein anderes: das von Hermann Koch. Der Dürener hat sich nach dem Krieg ehrenamtlich um den Wiederaufbau der Awo in der Region gekümmert und war ab Mai 1947 für 42 Jahre der Vorsitzende des Kreisverbandes. Es ist übermittelt, dass es in den Hungerjahren nach dem Zweiten Weltkrieg seinem Organisationstalent zu verdanken war, dass Hilfsbedürftige mit Lebensmitteln und Kleiderspenden versorgt wurden.

Jugendfürsorge und Altenhilfe

Mit der Lebenssituation der Menschen änderte sich auch die Arbeiterwohlfahrt. Koch war in der Jugendfürsorge und in der Altenhilfe aktiv, sorgte auf Ebene des Bezirksverbandes Mittelrhein dafür, dass ein ganzes Netz an Senioreneinrichtungen gebaut wurde, eine – die seit seinem 75. Geburtstag seinen Namen trägt – auch in Düren.

Hermann Koch, der für sein Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet worden ist, starb 2002. Sein Andenken, vor allem aber seine Leistungen werden bis heute bewahrt und weitergeführt – von mittlerweile rund 280 Mitarbeitern und etwa 1500 Mitgliedern in Ortsvereinen. Während die Altenhilfeeinrichtungen in Gürzenich, Huchem-Stammeln und Düren-Süd unter der Trägerschaft des Awo-Bezirksverbands stehen, gehören zum Kreisverband 22 Kindertageseinrichtungen, ein Jugendfreizeitzentrum, eine Tagesmutter-Agentur, ein Bildungswerk, fünf Offene Ganztageseinrichtungen und sechs Familienzentren.

Waren bisher das Haupt- und das Ehrenamt zwei gleichstarke Säulen des Verbandes, so spüren die Verantwortlichen nun deutlich, dass das Ehrenamt zurückgeht. Vor 15 Jahren gab es noch 23 Ortsvereine, mittlerweile sind es 15. Zuletzt wurde einer in Echtz geschlossen, aus Altersgründen war kein Vorstand mehr zustande gekommen. Der Awo-Kreisvorsitzende Karl Schwarz, zuständig für die Ehrenamtler, hat dabei die Erfahrung gemacht, dass große Ortsvereine schneller wegbrechen und kleine hartnäckiger sind.

Außerdem gibt es ein Nord-Süd-Gefälle: Im ländlichen Nordkreis sind mehr Vereine geblieben als im Südkreis, wo der Kreisvorsitzende ein größeres Freizeitangebot als Ursache sieht. Trotzdem ist auch im Nordkreis die Tendenz fallend: In Jülichs größtem Stadtteil Koslar gab es mal mehr als 500 Mitglieder, nun sind es noch 100. Einer der stärksten Ortsvereine ist mit 176 Mitgliedern der in Siersdorf, der Durchschnitt liegt bei 60 Mitgliedern.

Dem Minus bei den Ehrenamtlern steht ein Plus im Hauptamt gegenüber: Als Dirk Nieveler vor 23 Jahren im Awo-Betriebsrat anfing, gab es 38 Mitarbeiter. „Jetzt sind es fast 280 und ich bin sicher, dass wir die 300er-Marke in den nächsten zwei Jahren überschreiten“, sagt er. Damit sei die Personaldecke gut. „Mit einer Unterdeckung von drei bis vier Prozent stehen wir im Vergleich zu anderen Trägern gut dar.“

Das Wachstum der Awo lässt sich auch daran leicht erkennen, dass noch während der Neubau entsteht ein größerer Bedarf festgestellt und eine weitere Etage hinzugeplant wurde. Nach einigen Verzögerungen und Kostensteigerungen im Bau (wir berichteten) ist nun das Frühjahr 2021 für den Einzug angepeilt. Aber auch darüber hinaus gibt es schon Pläne. Beatrix Cataldo leitet die Kita Eiswiese, die – genau wie die Awo-Verwaltung – noch in der Cornetzhofschule untergebracht ist, zukünftig aber zurück an die Marie-Juchacz-Straße zieht. Cotaldo sagt: „Mein Traum wäre ein Anschluss an die Rurtalbahn. Aber das ist Zukunftsmusik.“

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