Max Dichant ist neuer SPD-Vorsitzender im Kreis Düren

Generationswechsel bei der Kreis-SPD : Der 26-jährige Max Dichant übernimmt den Vorsitz von Dietmar Nietan

Es war von einer Zäsur die Rede und einem wichtigen Signal der Erneuerung: Mit der Wahl des 26-jährigen Dürneres Max Dichant zum Nachfolger des langjährigen Vorsitzenden Dietmar Nietan hat der SPD-Kreisverband Düren-Jülich nicht nur einen Generations-, sondern auch einen Richtungswechsel vollzogen.

Anders als der Bundestagsabgeordnete und Schatzmeister der Bundes-SPD ist Dichant „kein Mitglied im „Andrea-Nahles-Fanclub“ und auch kein Freund der Großen Koalition in Berlin, wie er in seiner Bewerbungsrede vor den 90 Delegierten des Parteitags in Niederzier betonte. Der frühere Vorsitzende des Ortsvereins Heimbach, der keinen Gegenkandidaten hatte, erhielt 87,6 Prozent der Stimmen.

„Ich weiß, dass die Fußstapfen, die Dietmar Nietan hinterlässt, groß sind“, erklärte der 26-Jährige. „Sie können von mir alleine nicht ausgefüllt werden.“ Dichant setzt daher auf Teamarbeit im neuen Vorstand (siehe Infobox). „Wir müssen jetzt die Ärmel hochkrempeln, anpacken und etwas verändern. Das geht nur gemeinsam“, rief der neue Vorsitzende den Delegierten mit Blick auf die Kommunalwahl 2020 zu. „Wir müssen dafür kämpfen, dass wir in den Städten und Gemeinden die Gestaltungsmehrheit wieder verändern.“ Die Europawahl 2019 sei dabei eine gute Gelegenheit, die Kampagnenfähigkeit der Kreispartei zu testen, heißt es in einem von Dichant mit inszenierten und einstimmig verabschiedeten Leitantrag, der auch großes Gewicht auf Mitgliederwerbung und eine konsequente Personalentwicklung legt. Neumitglieder sollen stärken eingebunden und Parteilosen soll die Möglichkeit gegeben werden, auf SPD-Listen zu kandidieren.

Vor der Wahl Dichants hatte der scheidende Kreisvorsitzende Dietmar Nietan in einer emotionalen und in dieser Form selten von ihm zu hörenden kämpferischen Rede eine Bilanz seiner 20-jährigen Arbeit an der Spitze der Kreis-SPD gezogen, die 1998 mit einer erfolgreichen Kampfabstimmung gegen seinen langjährigen Mentor Josef Vosen begonnen hatte. „Wir haben es in dieser Zeit geschafft, die Spaltung innerhalb es Kreisverbands zu überwinden“, betonte Nietan und dafür gesorgt, dass wieder am Menschen orientierte Sach- und nicht länger Machtpolitik im Mittelpunkt stehe. „Auf diese Kultur der Wertschätzung bin ich stolz.“

Auch wenn es aus seiner Sicht jetzt Zeit gewesen sei, den Vorsitz in jüngere Hände zu legen, will sich Nietan weiter vor Ort engagieren. „Mein Herz schägt nach wie vor für die Menschen im Kreis Düren“, betonte der 54-Jährige, der die SPD als treibende Kraft im Strukturwandel bezeichnete und hart mit Landrat Wolfgang Spelthahn (CDU) ins Gericht ging: „In Zeiten, in denen hier die Hütte brennt, kann es nicht sein, dass das wichtigste Projekt des Landrats der 1. FC Düren ist“, rief Nietan unter lautem Applaus in den Saal.

Er fordert die Kommunalpolitik auf, die „Kraft des Forschungszentrums Jülich“ beim Strukturwandel stärker zu nutzen. Und Nietan verwahrte sich vor der Kritik aus Reihen der Klimaschützer, dass alle, die beim Kohleausstieg auch an die Frage der bezahlbaren Energie für die heimische Wirtschaft denken, die Ewiggestrigen seien. „Die Millionen, die wir für den Klimaschutz benötigen, müssen irgendwo ja auch erwirtschaftet werden“, unterstrich er. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Ausstieg 2030 keine Spuren in der Industrie hinterlassen würde.“ Die Milliarden, die jetzt als Entschädigungszahlungen diskutiert werden, sollten laut Nietan in den Strukturwandel fließen, „nicht in den symbolischen Sieg, ein Kraftwerk zwei oder drei Jahren früher zu schließen“.

Der Dürener, der um einen Vertrauenvorschuss für seinen Nachfolger warb und von den Delegierten mit stehenden Ovationen verabschiedet wurde, schloss seine 40-minütige Abschiedsrede mit einem Satz von Josef Vosen, mit dem er sich kurz vor dessen Tod im August 2012 ausgesprochen und versöhnt hatte: „Am Ende ist das Wichtigste, das wir zusammenhalten.“

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