Düren: Masterplan gegen Leerstand am Knotenpunkt ZOB

Düren: Masterplan gegen Leerstand am Knotenpunkt ZOB

Bei manchen Ideen packt man sich ganz automatisch an den Kopf. Etwa bei dem Gedanken, einem eh schon beinahe leer stehenden Geschäftskomplex noch ein weiteres Gebäude gegenüber zu setzen. Leerstand und weiteren Leerstand produzieren? Klingt absurd.

Rund 2200 Quadratmeter Laden- und Bürofläche sind es, die im riesigen Gebäudekomplex gegenüber dem Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) inzwischen leer stehen. Mieter sind kaum zu finden. Drei Ärzte haben hier noch ihre Praxen, ein Reisebüro, ein Stehcafé, ein Restaurant. Die so genannten Ankermieter haben die Lage verlassen. „Da fehlt ein bauliches Gegenüber und der Busbahnhof ist überdimensioniert“, sagt Dürens City-Manager Wilhelm Streb. „Wenn irgendwo ein Solitär steht und nicht funktioniert, muss man städteplanerisch eine Veränderung finden, um es attraktiver zu machen“, ergänzt Streb.

Tristesse und Leerstand an einem zentralen Dürener Knotenpunkt: In der großen Immobile fehlen die Ankermieter, der Omnisbusbahnhof ist überdimensioniert, der Ausbau der Nordtangente wird dauern und der Rückbau des Bahngeländes ist kompliziert. Foto: Ingo Latotzki

Das wiederum klingt einleuchtend. Zumal dieser Bereich laut Streb auch im Rahmen des städtischen Masterplanes berücksichtigt werden soll. Dass die „städtebauliche Struktur an dieser Stelle nicht sehr ansprechend“ ist, dass sieht auch Dürens Baudezernent Paul Zündorf so, hat aber seine Zweifel, ob es Sinn macht, in diesem Bereich neue Flächen für den Einzelhandel zu planen. Und das aus mehreren Gründen: „Es gibt schon jetzt einen permanenten Verdrängungswettbewerb. Wir haben nicht ohne Ende Potenzial für weitere Verkaufsflächen. Das gibt die Kaufkraft in Düren nicht her.“

Zündorf schwebt vor, mit dem Masterplan dafür zu sorgen, die Innenstadt „urbaner zu machen“. Die Bereiche Wohnen, Dienstleistung, Freizeit und Gastronomie will er abarbeiten, um die Innenstadt zu stärken. „Es gibt ein Dutzend Handlungsthemen und -orte“, sagt er. Soll heißen: Man wird nicht alles gleichzeitig abarbeiten können.

Dass der Handlungsort Busbahnhof Teil des Masterplanes ist, bleibt dennoch unstrittig. Für den ZOB zum Beispiel könnte er sich eher ein Verwaltungsgebäude vorstellen. Allerdings: Einfluss hat die Stadt darauf nicht — das Gelände gehört der Bahn. Und so werden städteplanerisch entscheidende Fragen wohl etwas länger offen bleiben: Was wird mit der Nordtangente, die über die Eisenbahnstraße auf die B 56 stoßen soll? Ist der ZOB wirklich überdimensioniert? Was wird aus dem Rückbau der Bahnanlagen? Wann wird es auf dem freiwerdenden Bahnareal neue Gewerbeflächen geben?

Natürlich, sagt Zündorf, wird die Stadt an den Planungen zur B 399n festhalten, um die Innenstadt vom Verkehr zu entlasten, aber: „Das ist ein echtes Langzeitprojekt. Das werden wir nicht in den nächsten fünf Jahren realisieren.“ Darauf kann man bei der Immobiliengesellschaft, die den Gebäudekomplex gegenüber des ZOB verwaltet, nicht warten. Evelyn Baceu von der Zech Immobilienmanagement GmbH, sieht dabei gar nicht mal vorrangig ein städtebauliches Problem: „So schlecht ist die Lage eigentlich gar nicht.“ Die Schwierigkeit, neue Interessenten zu finden, hat eine ganz andere Ursache: der angrenzende Langemarck-Park gilt als Treffpunkt für die Obdachlosen- und Drogenszene. Eyelyn Baceu: „Unser Hausmeister muss jeden morgen erst mal die benutzten Spritzen im Außenbereich aufsammeln. Das schreckt natürlich auch viele Interessenten ab.“ Ein Problem, dass sich nur schwer lösen wird.

„Wir wissen, dass dieser Bereich ein Brennpunkt ist“, dementsprechend reagiere man auch mit regelmäßigen Kontrollen, betont Willi Jörres, Sprecher der Polizei. Aber: „Die Polizei alleine kann dieses Problem nicht lösen“, verweist Jörres auf den Ordnungsdienst der Stadt Düren. Dabei ist man bei der Stadt vielleicht sogar froh, dass sich die Szene hier angesiedelt hat, nach dem sie aus der Innenstadt verdrängt wurde. „Nur durch Verdrängung kann man das Problem an einer Stelle lösen“, weiß Jörres. Was wäre dann die Alternative? Ein Park in der Nähe von Schulen?

Trotz aller Probleme ist Evelyn Baceu dennoch optimistisch, dass die Zeiten des Leerstandes bald vorbei sind: „Wir verhandeln mit einem Interessenten aus der Fitnessbranche, der die komplette freie Fläche im Erdgeschoss anmieten möchte“, erzählt sie. Auch mit Alternativkonzepten kann man sich offenbar anfreunden: So hatte die Stadt bei ihr angefragt, ob in dem Gebäude Studentenwohnungen realisiert werden könnten. Baceu: „Ich fand die Idee nicht schlecht. Wir haben dann aber von der Stadt nichts mehr gehört.“ Vielleicht deshalb, weil man dort inzwischen eher den Plan verfolgt, die Realschule Nord zu reaktivieren.