Maroder Abwasserkanal: Massive Schäden erfordern Kanalneubau in der Renkerstraße

Maroder Abwasserkanal : Massive Schäden erfordern Kanalneubau in der Renkerstraße

Wie marode ist der Hauptabwasserkanal von Untermaubach bis zur Kläranlage Düren wirklich? Drohen auch an anderen Stellen Einstürze wie an der Renkerstraße mit all dem damit verbundenen Chaos? Diese Fragen dürften sich in den vergangenen Monaten viele Anwohner entlang der 12,5 Kilometer langen Strecke gestellt haben. Zumindest an diesem Punkt kann der Wasserverband Eifel-Rur (WVER) mittlerweile Entwarnung geben.

Nach einer intensiven Kontrolle steht laut Aussage von WVER-Sprecher Marcus Seiler fest, dass mit Ausnahme der Renker-straße überall wie in den Unterlagen aus den 70er Jahren vermerkt tatsächlich Asbestzement-Rohre verlegt worden sind, die von den schwefelhaltigen Abwässern aus der Papierindustrie nicht angegriffen werden können.

Nur in der Renkerstraße wurde — warum ist wohl nicht mehr zu klären — ein Betonrohr genutzt, das im Laufe der Jahre zerfressen wurde. Und der Schaden erstreckt sich über die ganze Länge der Renkerstraße, erklärt Seiler. Entsprechende Untersuchungen wurden vergangene Woche abgeschlossen. Dabei wurde deutlich, dass der Kanal bereits an zahlreichen Stellen massiv eingebrochen war.

Tonnenweise wurde Schutt abtransportiert, berichten Anwohner, so dass es im Nachhinein wie ein Wunder erscheint, dass es nicht bereits viel früher in der Renkerstraße zu einem Kanaleinsturz gekommen ist. Weil der Kanal immer voll ausgelastet war, konnte er nie mit einer Kamera befahren werden. Dies ist erst möglich, seit der Abschnitt zwischen Gerhard-Fuß-Straße und Ruruferradweg mit einer Heberleitung überbrückt wird.

Was dies für den weiteren Ablauf der Baumaßnahme bedeutet, ist allerdings noch nicht klar. Fakt ist nur: Mit einem sogenannten Inliner-Verfahren (Rohr in Rohr) kann nicht gearbeitet werden, erklärt Seiler. Der Kanal müsse auf mehreren Hundert Metern komplett erneuert werden. Wie das ablaufen soll, werde derzeit von den WVER-Ingenieuren geplant, betonte Seiler, der zum Zeitplan daher noch keine Aussagen machen konnte. Die Kanalsanierung aber wird sich wohl bis Frühjahr/Sommer 2019 ziehen.

Und solange wird auch die Lebensqualität der Anwohner eingeschränkt bleiben. Zumindest können mittlerweile einige wieder mit dem Pkw an ihre Häuser fahren. Wo es möglich war, hat der WVER über dem maroden Kanal Stahlplatten verlegen lassen und damit eine Forderung der Anwohner erfüllt.

Der WVER arbeitet daran, dass die für das erforderliche Vakuum benötigten Zusatzpumpen keinen Gestank mehr in Richtung der Anwohner blasen. Foto: Jörg Abels

Unerträglicher Gestank

Zuletzt klagten die immer wieder über unerträglichen Gestank. Damit die Heberleitung einwandfrei funktioniert, müssen an mehreren Stellen zusätzliche Vakuumpumpen regelmäßig Luft aus dem Stahlrohr abpumpen. „Dieser konzentrierte Gestank, der nachts noch zunimmt, da dann überwiegend das besonders schwefelhaltige industrielle Abwasser konzentriert ist, wird dann unmittelbar in Richtung unserer Häuser geblasen und kontaminiert in Windeseile die Räume und den Außenbereich, wo er sich lange hält“, berichtet Alfred Jannes. Nach zahlreichen Beschwerden hat der WVER mittlerweile eine Spezialfirma eingeschaltet, um auch dieses Problem mit zusätzlichen Filtern technisch in den Griff zu bekommen, erklärt Sprecher Marcus Seiler auf Nachfrage. „Wir sind gespannt“, betont Alfred Jannes.

Zurück zum 12,5 Kilometer langen Hauptabwasserkanal: Auch wenn die Röhre selbst abseits der Renkerstraße erst einmal nicht saniert werden muss, wird an vielen Stellen gebaut werden müssen. Grund ist die Beschaffenheit der Kanalschächte, die größtenteils aus Beton gefertigt wurden. Die werde der WVER jetzt ebenfalls kontrollieren und bei Bedarf sukzessive erneuern, kündigt Seiler an. Allerdings sollen dabei die Beeinträchtigungen für den Verkehr so gering wie möglich ausfallen. „Derzeit überlegen wir, ob wir bei den Schächten mit vorgefertigten Elementen arbeiten können“, erklärt der Sprecher des WVER. Einen Zeitplan gibt es auch hier noch nicht.

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