„Ulan & Bator“: Ziemlich schräg und irre komisch: Mantafahrer-Polemik ist auch keine Lösung

„Ulan & Bator“: Ziemlich schräg und irre komisch : Mantafahrer-Polemik ist auch keine Lösung

Durchgeknallte Hochkultur? Intelligenter Mumpitz? Verrücktes Kabarett? Oder einfach nur „genialer Shyce“? Die Frage, auf was sich die Zuschauer bei „Ulan & Bator“ im „Komm“-Kulturzentrum am Donnerstagabend einließen, beantworteten die Schauspieler Sebastian Rüger und Frank Smiligies lieber gleich selbst.

Die erste Nummer im Laufe eines ebenso durchgeknallten wie unterhaltsamen „SWD.KOMMedy-Abends“ war ein doppeltes Zwiegespräch. Ulan und Bator, beide im feinen grauen Zwirn aber mit einer Pudelmütze Marke Eigenstrick auf dem Kopf, tauschten sich im feinsten Wort- und Geräuschkauderwelsch aus. Gleichzeitig kommentierten sie als Zuhörer ihrer selbst das Gesagte und nicht immer Verstandene – als Blick in die Köpfe der Komm-Besucher sozusagen. „Geht das jetzt den ganzen Abend so?“, fragte Ulan seinen Kollegen Bator. Ja. Zum Glück.

Es ist nicht ganz leicht zu beschreiben, welche Wirkung die beiden mit Worten, Sprache, Stimmlage und Gesang auf der Bühne erzeugten. Was auf den ersten Blick auf irres Gefasel, sprudelnder Schwachsinn oder zufällig Zusammengereimtes erscheint, entpuppte sich als präzise getaktete Sprach- und Assoziationsakrobatik mit teils beachtlich inhaltlichem Tiefgang. Die beiden ausgebildeten Schauspieler ließen Elemente aus Fernseh- und Popkultur, Sprechtheater, Comedy, Musik und Tanz einfließen – und banden auch das Publikum improvisierend in die Reise durch die Welt der Gedankenverknüpfung mit ein.

Zwerg aus Käse

Wägen in der einen Szene zwei Raucher im gesellschaftlichen Abseits der Raucherzone vor der Arbeitsstätte noch philosophierten, ob Mantafahrer-Polemik eine Tugend ist, wurde ohne große Überleitung ein Zwerg aus Käse im Kühlschrank besungen, der den freien Zugriff zur Wurst versperrt und vermutlich alles Menschliche absorbiert, das sich dem geöffneten Kühlschrank nähert. Klingt jetzt etwas verrückt? Das war es auch – aber live auf der Bühne irre komisch.

Das Gute bei Ulan und Bator war, dass offenbar jeder Zuschauer mit dem Gesagten eine andere Assoziation verband – und die Lacher unberechenbar verteilt waren. Oder anders formuliert: Während die einen lachten, fragten sich andere womöglich temporär, in welchem Film sie gelandet sind.

Skurrile Orte

Langweilig wurde es nicht – schließlich nahm das Bühnen-Duo seine Zuschauer mit auf eine Reise zu skurrilen Orten. Ins Sozialhilfe-Museum beispielsweise, oder zu einer Aufzeichnung des Politik- und Kulturmagazins „Phrasenbeton“. Das Publikum wurde Zeuge eines absurden Beratungsgesprächs im größten Sockenkaufhaus der Welt und lernte, dass es besser ist, Socken ruhig in der richtigen Größe zu kaufen.

In einer Telefon-Talkradio-Sendung, die ungemein an Domian erinnerte, schilderte ein Anrufer folgendes Beziehungsproblem: „Ein Stück weit habe ich vom Feeling her das Gefühl, dass es sich abgekühlt hat.“ „Seit wann denn?“, wollte der Moderator wissen. Pause. Schweigen. Pause. Stille. Dann: „Seit ihrer Beerdigung.“ Um es abschließend mit den Worten von Ulan und Bator zu sagen: „Wer dabei war, hat es erlebt.“

(sj)