Mandolinenclub Merken lädt wieder zur "Lebenden Krippe" ein

Mandolinenclub Merken : Wenn die Weihnachtsgeschichte lebendig wird

Ab Oktober lässt Andreas Schröer (38) sich einen Bart wachsen. Das muss sein, der Bart gehört quasi zu seinem Kostüm. Der zweifache Familienvater spielt nämlich den Josef in der „Lebenden Krippe“ des Mandolinenclubs Merken.

Diese schöne Tradition gibt es seit 1989 in Düren, die ersten drei Jahre in Merken und danach in der Innenstadt. „Wir feiern in diesem Jahr unser 30-jähriges Jubiläum“, sagt Rudolf Schwalbach vom Mandolinenclub Merken. „Und unsere ‚Lebende Krippe’ ist immer noch sehr beliebt. Bei einigermaßen gutem Wetter kommen zu unseren drei Aufführungen rund 1500 Menschen.“

Warum Andreas Schröer die Rolle des Josefs spielt, ist schnell erklärt: „Meine Frau ist aktives Mitglied im Mandolinenclub und spielt einen Hirten. Ich war sowieso bei den Aufführungen der ‚Lebenden Krippe’ immer mit dabei. Als der alter Josef aufgehört hat, habe ich nicht lange gezögert, als ich gefragt wurde, ob ich die Rolle übernehmen möchte.“ Vielleicht auch deshalb nicht, weil die „Lebende Krippe“ auch bei den Aktiven des Mandolinenclubs besonders beliebt ist. Zum Beispiel bei Ulrike Kuck, die 27 Mal die Maria gespielt hat und vor drei Jahren von Marina Quast abgelöst wurde. „Es kommen mehrere Faktoren zusammen“, erzählt Kuck. „Ich mag Weihnachten sehr und habe schon als Kind beim Krippenspiel mitgemacht. Bei unserer ‚Lebenden Krippe’ ist es einfach schön, dass so viele Menschen jedes Jahr wieder kommen. Die begeisterten Kinderaugen zu sehen, ist absolut unvergesslich.“

Die Idee zu der ‚Lebenden Krippe’ hatte der verstorbene Hein Schwalbach, langjähriger Vorsitzender des Mandolinenclubs, als er Ende der 1980er Jahre zu Besuch in Dürens österreichischer Partnerstadt Altmünster war. Er war dort zum ‚Krippelschauen und brachte Idee zu der „Lebenden Krippe“ mit nach Hause. Neben Schauspielern wie Andreas Schröer und Ulrike Kuck sind bei der Merkener Krippenversion auch echte Tiere im Einsatz – ein Esel, Schafe, Rinder und Hirtenhund Kira. Rudolf Schwalbach: „Das geht nur dank der Unterstützung mehrerer Landwirte. Gerade für die Kinder sind die Tiere ein echtes Highlight unserer Krippe.“ Das ist eine Beobachtung, die auch Andreas Schröer bestätigt. „Viele Kinder haben kaum noch Kontakt zu Tieren. Für sie ist das dann ein besonderes Erlebnis.“

MIttlerweile haben die Männer, Frauen und Kinder vom Mandolinenclub Merken so viel „Krippen-Erfahrung“, dass es vor den drei Aufführungen mittlerweile nur noch eine Probe gibt. „Viel mehr geht aber auch nicht“, sagt Rudolf Schwalbach. „Wir sind im Advent an jedem Wochenende unterwegs, da bleibt für viele Proben einfach keine Zeit.“ Damit bei der „Lebenden Krippe“ alles funktioniert, sind rund um das dritte Adventswochenende um die 50 Leute im Einsatz – Schauspieler, Musiker und solche, die beim Aufbau helfen.

Gemeinschaftsaufgabe

„Das ist wirklich eine schöne Gemeinschaftsaufgabe“, sagt Andreas Schröer. „Auch die Gewänder der Darsteller haben wir fast alle selbst genäht.“ Für viele, ergänzt Schröer, würde mit dem Besuch des Mandolinenclubs am dritten Adventswochenende die ruhigere Zeit eingeläutet. „Etliche sagen, dass sie ohne Krippenspiel kein Weihnachten haben. Oder andere, dass jetzt die besinnliche Vorweihnachtszeit anfängt. Das finde ich schön.“ Schön findet der Josef im Krippenspiel auch, dass die Schauspieler relativ engen Kontakt zum Publikum haben würden. „Manchmal hört man die Kommentare der Kinder“, erzählt Schröer. „Und manchmal kommen die auch nach den Aufführungen zu uns, weil sie einmal das Jesuskind sehen oder die Schafe streicheln möchten.“ Besonders viel Applaus bekommt immer Hirtenhund Kira, der übrigens auch zur Familie Schröer gehört. „Bei uns ist wirklich die ganze Familie dabei“, sagt Andreas Schröer und lacht. „Meine Frau spielt eine Hirtin, unser Sohn Matthias hat in diesem Jahr seinen ersten Auftritt als kleiner Hirte, Kira ist die Hirtenhündin und ich bin der Josef. Uns macht das großen Spaß, und wir freuen uns darauf.“ Langweilig ist der Auftritt im Stall für die Mitglieder des Mandolinenclubs übrigens nicht. „Warum denn?“, fragt Ulrike Kuck. „Weihnachten ist doch auch ein Traditionsfest, das sich immer wiederholt.“

Auch für Familie Schröer beginnt nach den Vorführungen der „Lebenden Krippe“ die besinnliche Adventszeit. Der Bart kommt wieder ab, und das Jesuskind wird bis zum nächsten Jahr sorgfältig verstaut. „Dass es einmal ein Krippenspiel mit einem echten Baby gab“, sagt Rudolf Schwalbach, „ist ein Gerücht. Es war immer eine Puppe.“ Und die „wohnt“ bis zum nächstenJahr bei Familie Schröer.

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