Lyrikabend im Haus der Stadt Düren der Erna-Schiefenbusch-Gesellschaft

Lyrikabend im Haus der Stadt : Von der Idee, das Leben zu schwänzen

Die Erna-Schiefenbusch-Gesellschaft hat einen besonderen Lyrikabend im Haus der Stadt veranstaltet. Mit Gedichten, die sein Leben bereichern, gab Robert Schumacher ungewöhnliche Perspektiven weiter.

Zu einem ganz besonderen Lyrikabend lud die Erna-Schiefenbusch-Gesellschaft kürzlich ins Haus der Stadt. Robert Schumacher, vielen bekannt als Musiker der Skunksitzung, hatte seinen Bücherschrank geöffnet und Lyrikbände von Dichtern wie Heinrich Heine, Kurt Tucholsky, Erich Kästner, Mascha Kaléko, Bernd Hahne oder Josef Reding ausgewählt, aus denen er Verse vortrug. „Manche Gedichte sind mir schon seit vielen Jahren treue Wegbegleiter“, sagte er. „Die möchte ich gerne mit anderen teilen.“

Vollkommen unaufgeregt tat er das dann auch. Er erzählte dem Publikum Mascha Kalékos wunderbare Idee, eines Tages das Leben zu schwänzen und dabei zu entdecken, dass die Wiesen auch werktags blühen, Bernd Hahnes Gedicht vom verwirrten Dichter, Josef Redings Appell an die emanzipierte Frau „Es kommt kein Prinz“ und Erich Kästners Beobachtung eines unglücklichen Turners, der über Bande durch die Schönheit der Loreley zu Tode kommt. Die blonde Holde muss sich gar nicht – wie dereinst – permanent das goldene Haar kämmen, um Verderben auszulösen. Es genügt, dass der Sportler beim Handstand auf dem legendären Felsen an sie denkt und dabei aus dem Gleichgewicht gerät.

Bezug zur Architektur

Überhaupt sind es ungewöhnliche Perspektiven, die Schumacher, den gelernten Architekten, interessieren. Oft fände man ja es ja nicht, das Gedicht über Architektur. Aber wenn dann einer wie der Autor Manfred Hausmann daherkäme, der eines seiner Gedichte aus der Perspektive einer alten, trostspendenden Kirche schreibe, dann freue er sich eben darüber. Denn die Wirkung von Gebäuden auf Menschen käme in der modernen Architektur häufig zu kurz.

Unterstützung erhielt Schumacher von der Band JUA, die „unplugged“ eigene Lieder aus den Bereichen Bereichen Reggae, Polka, Ska und Worldmusic spielten. Schumacher griff auch selbst zum Kontrabass, um musikalische Akzente zu setzen. Musik und auch die gesellschaftskritischen Texte stammen aus der Feder der Bandmitglieder von JUA, an diesem Abend besetzt mit Schlagzeug, Gitarre, Kontrabass, Altflöte, Trompete, Querflöte und Gesang.

Die etwa 50 Zuschauer genossen den Wechsel aus Gedichten und Songs merklich und bedankten sich bei den Künstlern mit lang anhaltendem Applaus.

(ah)
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