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Louis-Braille-Schule bietet seit 2011 das Probewohnen an

Leben nach der Schule : Die blinde Marina lebt selbstständig in einer WG

Die erste eigene Wohnung ist für viele junge Erwachsene ein großer Schritt in die Selbständigkeit und der Abnabelung vom Elternhaus. Für sehbehinderte oder blinde Schulabsolventen gestaltet sich dieser Schritt in das Erwachsenenleben aber deutlich schwieriger.

Deshalb bietet die Louis-Braille-Schule in Düren seit 2011 das Projekt „Probewohnen“ für ihre Schüler an, für das sie nun eine Spende der Entsorgungsgesellschaft Niederrhein mbH in Höhe von 5000 Euro erhielt.

Die Übergabe seitens des Betriebsstättenleiters des Unternehmens, Frank Piel, fand im Rahmen des Adventsmarktes der Schule statt. „Seit vielen Jahren spart unser Unternehmen Weihnachtsboni für die Kunden ein und spendet diese für caritative Zwecke“, sagt er. „Wir freuen uns immer besonders, wenn wir Kinder und Jugendliche unterstützen können, gerade bei einem solchen Projekt, dass die Selbständigkeit in Alltag und Beruf fördert.“

Das „Probewohnen“ soll den Übergang von der Schulzeit, die viele Blinde und Sehbehinderte in einem behüteten und dementsprechend ausgestattet Umfeld verbringen, in die Selbstständigkeit und das Berufsleben erleichtern. Während sich viele Projekte mit dem Arbeitsplatz an sich beschäftigen, soll das „Probewohnen" aber vor allem helfen, den Alltag zu verselbständigen. Dies kann für manche Sehbehinderte oder Blinde schon der Umzug von einer Einrichtung mit voller Betreuung in ein Betreutes Wohnen bedeuten, aber auch eine eigene Wohnung ist für Blinde und Sehbehinderte möglich.

Die inzwischen 22-Jährige Marina Becker hat während ihrer Schulzeit gleich zweimal an dem Projekt teilgenommen. Inzwischen lebt sie trotz ihrer vollständigen Blindheit selbständig in einer WG in Köln. „Ich und drei andere haben während des Projektes sozusagen in einer Probe-WG gelebt“, erklärte sie. „Jetzt, in der echten WG, merke ich, dass ich viel gelernt habe. Das fängt beim Einkaufen an und hört beim Gemüse schneiden auf.“ Die Lektion, an die sie am häufigsten im Alltag denkt, verrät sie, sei aber das Wäsche waschen.

Verantwortlich für das „Probewohnen“ in der Louis-Braille-Schule sind Alexa Dorweiler und Heike Uphues, die die Probe-WGs intensiv betreuen. Sie beschäftigen sich mit den jungen Erwachsenen aber nicht nur mit Haushaltsaktivitäten, sondern geben auch Tipps für Behördengänge, Finanzen und Rechnungen, ein Themenfeld, das auch ohne Sehbehinderung Schwierigkeiten bereiten kann. Da die Betreuung sehr zeit- und Kostenintensiv ist, sind Kerstin Klingebiel und ihr Team auf Unterstützung angewiesen: „Wir sind sehr dankbar für diese großzügige Spende“, sagte sie.

Auch im nächsten Halbjahr wird das insgesamt vierwöchige Projekt in zwei Stufen – die theoretische Einführung und das eigentliche „Probewohnen“ – wieder stattfinden, damit auch andere junge Erwachsene wie Marina Becker den Weg ins eigene Zuhause meistern können.

(kim)