Düren: Lindy was? Der Zeitgeist der 20er-Jahre wird im „Komm“ getanzt

Düren : Lindy was? Der Zeitgeist der 20er-Jahre wird im „Komm“ getanzt

„Wie bitte? Lindy was?“ mag sich so mancher denken, der den Namen des fröhlichen Gesellschaftstanzes „Lindy Hop“ zum ersten Mal hört. In den 1920er Jahren erfunden, erlebt der Tanz in letzter Zeit ein Revival in deutschen Großstädten und ist jetzt auch in Düren angekommen.

Jeden Dienstag treffen sich Lindy-Hop-Fans im Kulturzentrum „Komm“, um Figuren wie „Circle“ (ganze Drehung), „Around the world“ (er dreht sich um sie) oder „Hui“ zu lernen.

Moment mal: Hui? „Ja“ erklärt Kursleiter Marcus Scheimann. „So heißt der Schritt eigentlich nicht. Aber das ist ungefähr das Geräusch, das ein Gummiband macht, wenn es auf Spannung gebracht und losgelassen wird. Genau diese Spannung braucht man beim Lindy Hop.“

Bei der Hui-Figur löst sich die Dame aus der Tanzhaltung und spielt Gummiband. Wobei beim Lindy Hop nicht unbedingt die Dame geführt wird. Auch der Herr kann sich führen lassen. Überhaupt werden Geschlechter-Zuweisungen in dieser Szene vermieden. Es gibt „Leader“ und „Follower“, also die, die führen und das Pendant, das folgt.

Dieser Freigeist liegt dem Lindy Hop sozusagen im Blut. Bereits in den Anfangsjahren dieses Tanzes war er auch Ausdruck für Gleichberechtigung. Er wurde im Savoy Ballroom im New Yorker Stadtteil Harlem getanzt und dort weiter entwickelt, jenem legendären Tanzlokal, das damals schon - trotz Rassentrennung - für alle Bevölkerungsschichten und Hautfarben offen war. Es war der erste Tanzsaal, in dem sich Schwarze und Weiße ohne Rassenkonflikte zum Tanzen treffen konnten.

Darüber, warum der sportliche Tanz Lindy Hop heißt, kursiert so manches Gerücht. Die am häufigsten kolportierte Geschichte ist die des New Yorker Tänzers Shorty George, der eines Abends von einem Journalisten gefragt wird, was er denn da gerade tanze. Bis dahin hatte sich niemand die Mühe gemacht, das neue Tanzerlebnis zu benennen. Der vom Tanzen völlig ausgepowerte Shorty machte es sich einfach und wandelte einfach die Schlagzeile der Zeitung ab, die vor ihm auf dem Tisch lag. Sie lautete: „Lucky Lindy Hops the Atlantic“, denn Charles Lindbergh war soeben die erste Alleinüberquerung des Atlantiks mit dem Flugzeug geglückt.

In Düren tanzen alle Tanzniveaus zusammen. „Ich finde das praktisch“ sagt Annegret Meyer, die schon Tanzerfahrung im Lindy Hop mitbringt und sogar bereits einmal als Gast im sagenumwobenen Herräng-Tanzcamp (fünfwöchiges Festival mit internationalen Stars der Szene in einem schwedischen Dorf) war.

Grundlagen üben

Denn es sei wichtig, die Basics immer wieder zu üben. Basics wie das Bouncen, also das in den Boden federn bei jedem Tanzschritt, die Grundhaltung und den Grundschritt. Jörg Thomessen findet: „Swingmusik macht einfach sofort gute Laune.“

Tatsächlich strahlen die Tänzer, die sich wöchentlich zum Kurs und auch schon mal zum spontanen „Lindy Mob“ (Lindy-Hop-Flashmob) irgendwo in der Stadt treffen, beim Tanzen übers ganze Gesicht.

Mehr von Aachener Nachrichten