Lena Kravets und Tobias Kassung im Schloss Burgau

„Capella Villa Duria“ : Musikalische Grenzgänge und Experimente

Das Konzertforum „Capella Villa Duria“ ist unter anderem bekannt für seine musikalischen Grenzgänge und Experimente.

So hatten die Macher der Reihe für Sonntagabend zur kammermusikalischen Begegnung von Violoncello (Lena Kravets) und klassischer Gitarre (Tobias Kassung) ins Schloss Burgau eingeladen.

Die beiden sensationell virtuosen Musiker spielten in ihrem Programm „Lieder, Songs und Canciones“ deutsche romantische Lieder von Franz Schubert und Johannes Brahms, spanische Canciones von Manuel de Falla, russische Romanzen von Michail Iwanowitsch Glinka, Jazz des französischen Gitarristen und Komponisten Django Reinhardt sowie „Summertime“, jenen berühmten musikalischen Grenzgänger zwischen Pop und Jazz von George Gershwin. Auch Eigenkompositionen von Tobias Kassung wie dessen Varitation auf Gershwins „Summertime“ standen auf dem Programm. Letztere war auf einer Tournee des Duos durch Dänemark entstanden und spiegelt die intensive Auseinandersetzung mit dem Werk wider.

Das Besondere an dieser Reise durch unterschiedliche Musikstile und -epochen formulierte Cellistin Lena Kravets in einem Youtube-Video: „Das Cello erinnert an die menschliche Stimme und genau das erlaubt es uns, ein Repertoire zu spielen, das in Wirklichkeit für Gesang komponiert wurde. In Verbindung mit den warmen und virtuosen Gitarrenklängen entsteht eine besondere und seltene Kombination.“

Die spezielle Verbindung zwischen Publikum und Musik, die bei den Musikabenden von Kravets und Kassung aufgebaut wird, beschreibt die Cellistin so: „Wir empfinden eine große Leidenschaft für die Kammermusik, weil sie sowohl bei den Musikern als auch bei den Zuhörern Gefühle auslöst, die von Freude über Sehnsucht bis hin zu Melancholie reichen können.“

Die Ausnahmemusiker lernten sich in Köln kennen, wo sie auch heute leben. 2011 gründeten sie ihr Duo. Lena Kravets wurde in Taschkent, der Hauptstadt von Usbekistan, geboren. Sie erhielt bereits als Sechsjährige Klavierunterricht am W.A. Uspenskiy-Musikgymnasium für begabte Kinder. Später wechselte sie zum Violoncello und studierte an der Hochschule für Musik in Köln, wo sie Tobias Kassung traf. Der Kölner Musiker gilt als einer der herausragenden deutschen Gitarristen und als Grenzgänger seines Fachs. Auch als Komponist von Solowerken, Kammermusik und Filmmusiken wurde er bekannt. Mitschnitte seiner Konzerte und Kompositionen wurden unter ander2m von der ARD, dem Westdeutschen Rundfunk und dem Bayerischen Rundfunk übertragen.

Nur etwa 30 Zuhörer erlebten das meisterhafte Konzert der beiden im Konzertsaal von Schloss Burgau. Applaus und Bravorufe erinnerten aber eher an den Widerhall von 100 Konzertbesuchern, was die beiden Musiker dazu veranlasste, gleich zwei Zugaben zu spielen, von denen eine ein Tango von Astor Piazzolla war. Das Dürener Publikum sparte auch während des Vortrags nicht mit Äußerungen spontaner Begeisterung wie „Herrlich!“ oder „Fantastisch!“ Tobias Kassung, der, wie er berichtete, bereits mit mehreren Ensembles sehr gerne zu Gast im Schloss Burgau war, bedankte sich sichtlich gerührt für die Herzlichkeit des Publikums und lobte die Organisatoren der Reihe für ihre kontinuierliche Arbeit. Als Hommage an Schloss Burgau mit seinem großen Schlossteich spielte das Duo spontan „Das Fischermädchen“ aus Schuberts Liedersammlung „Schwanengesang“.

Ein Ständchen der Singvögel im Schlosspark mischte sich immer wieder zart zu den Klängen im Saal und machte das Konzert zu einem ganz besonderen Klangereignis.

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