Nideggen: „Lebendiges Museum” Burg Nideggen: Ausflug ins tiefste Mittelalter

Nideggen: „Lebendiges Museum” Burg Nideggen: Ausflug ins tiefste Mittelalter

Ins „lebendige Museum” lockte die Burg Nideggen am Wochenende mit ihrem mittelalterlichen Burgfest. Die Besucherscharen ließen sich bei sommerlichem Wetter von Gauklern, Rittern und Minnesängern in vergangene Jahrhunderte zurück versetzen.

Prächtig gewandete Ritter, Musik, lebhaftes Treiben, der Duft von Braten, allerhand Angebote zum Ausprobieren - im Nu waren junge und ältere Besucher gefangen von der einzigartigen Atmosphäre im Burghof. Man ließ zunächst das bunte Gesamtbild auf sich wirken, dann versuchte man, aus der Vielfalt auszuwählen. Besonders die Kinder wurden immer wieder zum Ausprobieren animiert: Da konnte man mit einem Katapult die Mauern zum Einsturz bringen, mit der Armbrust Drachen töten und mit Pfeil und Bogen schießen.

Ein Riesenrad aus Holz, ein Nachbau aus dem 16. Jahrhundert, mit Manneskraft gedreht, war eine Attraktion. Besonders faszinierend fanden die jungen Besucher aber auch ein Glücksspiel, bei dem eine lebendige Maus die Glücksfee spielte: Man musste tippen, in welches Häuschen sie rennen würde. Die müde Maus musste allerdings hin und wieder eine Pause einlegen...

Burgführungen

Wenn die Fanfare zur Führung durch die Burg erklang, machten sich viele Besucher auf, das alte Gemäuer zu erkunden. In sehr lebendiger Weise wurde das Leben im Mittelalter veranschaulicht. Währenddessen sangen draußen eine mittelalterliche Band, die MUsiker spielten gekonnt auf Geige und Lauten. Gestärkt mit Met oder Wein, zogen die Gäste über den Markt und hatten die Qual der Wahl unter handgefertigten Sachen aus Leinen, Leder, Keramik und Metall. Holzspielzeug, Schmuck, gefilzte Pantoffeln und handgemachte Musikinstrumente wurden feilgeboten. Selbst Ablassbriefe konnte man erstehen und sich von einem dickbäuchigen Pfaffen trauen lassen - immerhin für einen Tag!

Ein Bettler bat um Almosen, und der war gar nicht dumm. Gleich nutzte er die Gelegenheit, seine erstaunten Zuhörer in verschnörkelter und humoriger Sprache aufzuklären, dass es im Mittelalter drei Arten von Bettlern gab, die in festgelegter Art und Umgebung betteln durften. Auch der Buchbinder, der mit Hingabe seine alte Kunst ausführte und wertvolle, in Leder gebundene Bänder anbot, wusste lebhaft aus der Historie zu erzählen, woher das Wort „Buch” kommt oder der Begriff „ein Buch aufschlagen”.

Der Schmied zeigte sein Handwerk, die Weberin ließ sich über die Schulter schauen, und der Balbierer hatte vorübergehend „wegen Stuhlgang geschlossen”. Viele Besucher gingen schmunzelnd über den Markt, erfreut über die vielen Möglichkeiten, sich zu amüsieren und dabei ein wenig übers Mittelalter zu lernen.