Düren/Vettweiß: Laptops ziehen in die Rathäuser ein

Düren/Vettweiß: Laptops ziehen in die Rathäuser ein

Die Tage dicker Aktenordner mit Diskussionsunterlagen auf Papier in den Städte- und Gemeinderäten sind gezählt. Die Zukunft gehört dem tragbaren Computer. Auf dem handlichen Rechner ist alles gespeichert, was der Volksvertreter oder die Volksvertreterinnen wissen müssen.

Den Vorreiter spielte dabei die Gemeinde Vettweiß. Fast alle 29 Ratsmitglieder arbeiten inzwischen mit einem Laptop. In Düren ist die Umstellung auf Computer im Gange, in Niederzier hat man ebenfalls die ersten Notebooks bestellt.

Die Vettweißer Vize-Bürgermeisterin, Claudia Jäger, ist „total begeistert”, wie sie sagt, von der Umstellung der Ratsarbeit auf Laptop. „Die Unterlagen für den Rat und die Ausschüsse werden von den Fachämtern im Rathaus regelmäßig aktualisiert. Sie brauchen auf dem Rechner nur einen Knopf zu drücken und haben im gleichen Augenblick schon die aktuellste Fassung vorliegen”, nennt die Christdemokratin den wohl wichtigsten Grund. Früher mussten die neuen Vorlagen per Post an die Ratsmitglieder versandt werden. Das dauerte.

Das Ratsmitglied muss sich mit seinem Passwort einloggen. Dazu benötigt man natürlich einen Internetanschluss. Jäger: „Ich gehe davon aus, dass ein Großteil der Kommunalpolitiker ohnehin im Internet zu Hause ist.” Wer sich auf das neue Zeitalter einließ, bekam auf Wunsch von der Gemeinde Vettweiß leihweise einen Rechner gestellt. Jäger: „Manche haben ihr Notebook aber auch selbst angeschafft.”

Dann ging es nur noch darum, die Software für die Ratsvorlagen auf den Rechner aufzuspielen. Für die Zuschauer werden die Texte übrigens auf eine große Leinwand an der Wand übertragen. Machen Computer oder Software Probleme, gibt es technische Hilfe im Rathaus. Claudia Jäger ist sich sicher: „Das ist der Lauf der Zeit, das wird sich in allen Rathäusern durchsetzen. Ich will meinen Computer bei der Ratsarbeit jedenfalls nicht mehr missen.” Ihr Bürgermeister-Kollege Franz-Wilhelm Erasmi (CDU) ist einer der wenigen Politiker im Rat, die lieber weiter mit Papier arbeiten. Aber auch er ist sich sicher: „Früher oder später werden alle mit dem Rechner arbeiten.”

Im Niederzierer Rat wird das Computerzeitalter ebenfalls gerade eingeläutet. „Die SPD-Fraktion hat bereits zehn Tablet-Computer bestellt”, teilte Fraktionschef Ortwin Clever auf Anfrage mit. „Die Fraktionen stimmen die Umstellung von Aktenbergen aus Papier auf die Arbeit mit Rechnern gerade miteinander ab. Die Einführung der Computer wird in den nächsten Monaten erfolgen.”

Die sogenannten sachkundigen Bürger, fast 90 an der Zahl, werden in Niederzier schon aus Kostengründen zunächst keine Computer erhalten. Die große Leinwand für die Zuhörer der Ratssitzungen wurde jedoch bereits angeschafft und auch schon einmal ausprobiert. Clever ist sich sicher: „Wir haben bisher für die Ratsarbeit Unmengen an Papier verbraucht. Die Umstellung auf Computer wird sich rasch amortisieren.”

In Hürtgenwald wurde die Umstellung von Papier auf Computer ebenfalls thematisiert. „Die Systemvoraussetzungen wären da”, erklärt Bürgermeister Axel Buch. Auch Buch sieht den Vorteil, dass Nachtragsunterlagen rascher an die Ratsmitglieder zu bringen sind. Der Bürgermeister geht davon aus, dass der Rat in Hürtgenwald spätestens Anfang 2013 mit Computern auf den Tischen arbeiten wird.

Im Dürener Stadtrat arbeiten inzwischen 42 von 50 Ratsmitglieder mit dem Computer. Anders als in anderen Rathäusern setzt man in Düren auf die Technik von Apple. Für die Ratsvertreter wurden iPads angeschafft. Wie berichtet, spart die Stadt trotz dieser Ausgabe jährlich 22.000 Euro. 200.000 Blatt Papier können künftig eingespart werden, ferner Druckkosten, Versand und Vernichtung von Unterlagen. Die Rechner haben den Vorteil, dass sich die Politiker online Notizen auf ihren Unterlagen machen können. „Die Arbeit wird ein Stück weit moderner”, freut sich Thomas Floßdorf.

Der CDU-Ratsherr ist sich sicher, dass „eigentlich jeder einen PC bedienen kann”. Der Rechner biete nicht nur den Vorteil, dass die Unterlagen immer auf dem neuesten Stand seien. Floßdorf: „Zur Ausstattung gehört auch ein Online-Archiv. Ich kann mir jederzeit die Unterlagen aus vergangenen Jahren auf den Bildschirm holen.” Ob die Zuhörer der Ratssitzungen weiter Papierunterlagen erhalten, sei noch unklar, so Floßdorf. Möglich sei auch, die PC-Unterlagen auf große Fernseher zu übertragen.

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