Trägerverein "BiL" öffnet die die Gemeindebücherei Langerwehe wieder

Trägerverein „BiL“ übernimmt große Verantwortung : Gemeindebücherei Langerwehe ist wieder geöffnet

Eigentlich ist alles wie immer. Eine Frau berät ein kleines Mädchen, das ein spezielles Kinderbuch sucht, an der Empfangstheke wartet ein Mann darauf, sein ausgeliehenes Buch mitnehmen zu können. Der Betrieb in der Langerweher Bücherei läuft ganz normal. Aber es ist längst nicht alles wie immer.

Die kleine Bibliothek, die zum Ende des vergangenen Jahres geschlossen wurde, ist erst seit dem 2. September wieder geöffnet. Und dies nicht länger in Trägerschaft der Gemeinde, die sich aus finanziellen Gründen von der Bücherei getrennt hat. Mittlerweile hat der Mitte März gegründete Verein „Bücherei in Langerwehe“ („BiL“) die Verantwortung übernommen.

„Als klar wurde, dass die Bücherei aus Kostengründen geschlossen werden sollte“, sagt die „BiL“-Vorsitzende Monica Beissel, „war ich als Leserin sehr enttäuscht und auch wütend. Ich wollte etwas tun und die Bücherei retten.“ Ähnlich sah das auch Dr. Evelyn Gettner, die sich ebenfalls in dem neuen Trägerverein engagiert. „Eine Gemeinde wie Langerwehe braucht eine Bücherei. Ich fand es völlig sinnfrei und viel zu schade, eine bestehende Einrichtung zu schließen.“

Die Frauen haben sich entschlossen, den Verein zu gründen, die Gemeinde stellt die Räume auf dem Gelände der Europaschule inklusive Heizkosten und Reinigung unentgeltlich zur Verfügung. Bibliothekarin Andrea Kick arbeitet an den Vormittagen weiter in der Bücherei, übernimmt ansonsten aber andere Aufgaben bei der Verwaltung. „Während der Öffnungszeiten am Nachmittag“, erklärt Beissel, „arbeiten Ehrenamtler in der Bücherei. Aber Frau Kick steht uns mit Rat und Tat zur Seite und hat uns auch gut eingearbeitet.“

Trotzdem sind Verantwortung und Arbeitsbelastung für Beißel und ihr Team groß. „Wir mussten uns in das Bibliotheksprogramm mit Ausleihe, Fristen und deren Verlängerung einarbeiten“, sagt die „BiL“-Vorsitzende. „Und natürlich ist die Finanzierung der Bücherei ein großes Thema, das uns im Augenblick ziemlich viel Kopfzerbrechen bereitet.“

Infolge der Abgabe der Trägerschaft, ergänzt Beißel, spare die Gemeinde 7000 bis 8000 Euro im Jahr. „Das sind hauptsächlich die Kosten für die ‚Onleihe’, einer speziellen Software, die das Ausleihen von digitalen Medien ermöglichte. Hinzu kommen die Kosten für die neuen Medien, die wir regelmäßig anschaffen müssen, um für unsere Kunden attraktiv zu bleiben.“ Die „Onleihe“ wird derzeit nicht angeboten, soll aber möglichst bald wieder eingeführt werden – wenn es die finanziellen Mittel zulassen.

200 Euro für neue Medien

Für neue Bücher kann „BiL“ im Augenblick nicht mehr als 200 Euro im Monat ausgeben. „Das ist nicht viel, aber wir müssen erst unsere Finanzierung auf sichere Beine stellen.“ Ein Problem, ergänzt die Datenverarbeitungskauffrau, sei für sie die Ungewissheit. „Ich habe noch keinen genauen Überblick über die Kosten. Das macht es schwierig.“

Trotzdem sei die Wiedereröffnung der Bücherei natürlich ein erster großer Meilenstein gewesen. „Die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen“, ergänzt Gettner, „hat unserem Verein 1500 Euro gespendet. Das war eine riesige Hilfe.“ Noch in diesem Jahr will „BiL“ versuchen, die Zahl der Mitglieder von 70 auf mindestens 100 zu erhöhen. Beißel: „Mehr Mitgliedsbeiträge ermöglichen es uns, mehr neue Medien anzuschaffen.“

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