Wunsch nach Umdenken: Bauern sind nicht an allem schuld

Wunsch nach Umdenken : Bauern sind nicht an allem schuld

Landwirt Gerhard Moonen aus Langerwehe wünscht sich mehr Wertschätzung für seinen Berufsstand. „Es muss ein Umdenken stattfinden“, sagt er. „Vielleicht helfen unsere Proteste.“

„Die Bauern sind immer der Buhmann. Das können wir uns einfach nicht länger gefallen lassen.“ Gerhard Moonen aus Langerwehe ist 55 Jahre alt und Ortslandwirt in Langerwehe. 1994 hat er den Milchviehbetrieb von seinem Vater übernommen und ihn seitdem immer wieder verändert. Oder besser: den immer wieder neuen (politischen) Verhältnissen angepasst.

Egal, ob Schutz des Grundwassers vor Nitrat, Insektenschutz, Umwelt- und Naturschutz, für alles, sagt Moonen, seien plötzlich die Landwirte verantwortlich. „Sogar der Klimawandel wird uns angelastet. Irgendwann ist das Fass zum Überlaufen gekommen, und die Landwirte sind auf die Straße gegangen.“ Gerhard Moonen gehörte nicht zu denen, die die Fahrt der örtlichen Landwirte zur Groß-Demo nach Bonn mit vorbereitet haben, da er aufgrund eines lange geplanten Termins selbst nicht mitfahren konnte. „Leider“, sagt er. „Als morgens meine Kollegen aus Eschweiler alle mit ihrem Traktor an meinem Hof vorbeigefahren sind, stand ich mit Tränen in den Augen am Küchenfenster. Ich wäre sehr gerne dabei gewesen.“ Auch infolge der Demo habe sich gezeigt, dass Landwirte keinen hohen Stellenwert in der Gesellschaft mehr hätten. „Sofort gab es Proteste, als wir einmal mit unseren Traktoren die Straßen blockiert haben. Streikende Lokführer und Fluglotsen bekommen von der Gesellschaft mehr Gehör.“ In seinem täglichen Alltag merkt Moonen auch, dass die Akzeptanz seines Berufsstandes immer weiter abnehme. „Wenn ich Gülle aufbringe, beschweren sich die Leute. Hundebesitzer entsorgen die Kotbeutel mit den Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner auf unseren Feldern. Das ist einfach ein Unding.“ Immer mehr Menschen würden vergessen, dass Landwirte im Einklang mit der Natur leben wollen und müssen. „Wir brauchen gesunde Böden, damit die Erträge stimmen. Landwirte haben sich immer schon für den Naturschutz eingesetzt. In Langerwehe gibt es seit fünf Jahren Blühstreifen für Vögel und Insekten – auf Initiative der Langerweher Umwelt- und Naturschutz-Aktion und der Landwirtschaft.“

„Fallen durchs Raster“

Darüber hinaus sind es aber auch und gerade die Pläne der Landwirtschaftsministerin, gegen die Moonen und seine Kollegen sich wehren. „Die geplante Düngevorordnung der Bundesregierung“, sagt er, „bedeutet vor allem für kleine und mittelständische Familienbetriebe weniger Erträge und am Ende dann auch weniger Einnahmen.“ Schon jetzt seien die Weizenpreise wieder gesunken, die für Zuckerrüben längst im Keller. „Wer überleben möchte, braucht riesige Flächen. Kleine Betriebe können sich aber die hohe Pacht nicht leisten und fallen durchs Raster.“

Als Moonen den Betrieb von seinem Vater übernommen hat, gab es auf der Mettlermühle in Langerwehe 60 Kühe. „Ich habe damals auch den Rat der Landwirtschaftskammer bekommen, einen Stall für weitere 150 Kühe zu bauen, erklärt Moonen. „Mehr Kühe bedeuteten mehr Milch und am Ende auch mehr Gülle. Das ist doch ein Rattenschwanz.“ Dass es eine Nitratbelastung gebe, ergänzt der Landwirt, sei die Folge von Fehlern, die vor 20 Jahren gemacht wurden. „Sicher auch in der Landwirtschaft“, sagt Moonen. „Aber eben nicht nur. Heute wird viel weniger und viel gezielter gedüngt. Es geht nicht, dass die Landwirte für alles herhalten müssen.“

Moonen hat sich vor 35 Jahren gegen einen neuen, riesigen Kuhstall entschieden und seinen Betrieb auf Hühnerhaltung und Fleisch­rinder umgestellt. Auf seinen Feldern baut er nur noch spezielle Grünpflanzen für seine Tiere an. „Das sind tief-wurzelnde Pflanzen, die auch gegen Trockenheit und Hitze resistent sind. Denn natürlich müssen die Bauern sich auch auf die Klimaveränderungen vorbereiten.“ Moonen vermarktet seine Produkte selbst. Er mag den direkten Kontakt zu den Kunden auf dem Hof und dem Markt, auf dem er seine Eier anbietet. Auch die Vermarktung der Fleischrinder nimmt er selbst in die Hand. „Wenn die Tiere gut sind, bekomme ich einen ordentlichen Preis. Das ist für mich ein absolut fairer Handel. Außerdem bekomme ich sofort eine Wertschätzung von meinen Kunden. Als Milchbauer musste ich damit zufrieden sein, was die Molkerei bereit war zu zahlen. Egal, ob ich besonders gut gearbeitet habe oder nicht.“

Größere Wertschätzung

Moonen liebt seinen Beruf, auch wenn ein landwirtschaftlicher Betrieb eine Sieben-Tage-Woche mit nicht selten zehn Stunden Arbeit pro Tag bedeutet.. „Ich bin gerne Landwirt“, sagt er. „Aber mein Berufsstand braucht mehr Unterstützung. Und der Verbraucher muss unseren Lebensmitteln eine viel größere Wertschätzung entgegenbringen. Wenn man im Supermarkt einen Blumenkohl für 79 Cents kauft, sollte man sich bewusst machen, wie viel Arbeit und Know-how des Landwirtes dahinter steckt.“ Moonen hofft, dass die Bauernproteste die Menschen wachgerüttelt haben – Politiker und Bürger gleichermaßen.

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